Scrum Alliance Report zeigt: Scrum wird oft mit Wasserfall gemischt

State of Scrum Report 2016: Wasserfälle sterben nicht aus

Ann-Cathrin Klose

© Shutterstock.com / Teguh Jati Prasetyo

Die Scrum Alliance hat erneut einen Survey durchgeführt, um herauszufinden, wie es um die weltweite Verwendung des Scrum Frameworks bestellt ist. Der State of Scrum Report 2016 zeigt unter anderem, dass die Kombination aus Wasserfall und Scrum gar nicht so selten ist – und häufig zu Problemen führt.

Zuletzt 2015 veröffentlichte die Scrum Alliance einen State of Scrum Report. Befragt wurden damals rund 5.000 Personen aus 108 Ländern, von denen 82 Prozent mit Scrum arbeiteten. 49 Prozent der Teilnehmer gaben an, Scrum zu nutzen, um die Kundenzufriedenheit zu steigern. Auch eine Ausbreitung der agilen Methode jenseits der Softwareentwicklung und IT-Abteilungen von Unternehmen war bereits damals sichtbar. So gaben in der 2015er Ausgabe des State of Scrum Reports 48 Prozent der Befragten an, dass der IT-Betrieb (Operations) mit Scrum arbeite; bei 46 Prozent traf das auch auf die Forschung zu. Weitere Informationen finden sich in unserem Artikel zum State of Scrum Report 2015.

State of Scrum Report 2016:

Der 2016 State of Scrum Report muss mit weniger Teilnehmern auskommen. Im Herbst 2016 befragte die Scrum Alliance 2113 Personen aus 76 Ländern. Die Zahl der Teilnehmer, die Scrum nutzen, sowohl exklusiv als auch in Kombination mit anderen Methoden, ist leicht gestiegen. 2015 lag sie bei 82 Prozent, im neuen Report gaben 89 Prozent der Teilnehmer an, mit Scrum zu arbeiten. Die Anzahl der reinen Scrum-Implementierungen ist jedoch von 43 Prozent auf 32 Prozent gesunken.

State of Scrum Report 2016. Quelle: www.scrumalliance.org

Wasserfall in 2016

Überraschend ist, dass eine große Zahl an Befragten angab, noch immer mit Wasserfall-Methoden zu arbeiten. Auf die Frage nach den genutzten Methoden folgte auf Scrum (mit 89 Prozent) in der Hierarchie zwar Kanban (43 Prozent), danach kommen jedoch bereits Hybride aus Agile und Wasserfall mit 23 Prozent und reine Wasserfall-Methodiken (19 Prozent). Dies wird erneut hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung der Arbeit mit Scrum abgebildet.

Ganze 58 Prozent der Befragten stimmte der Aussage zu, dass in ihrem Unternehmen noch immer eine traditionelle Wasserfallstruktur existiert. In 80 Prozent dieser Unternehmen wurde zusätzlich Scrum eingeführt; nur 9 Prozent der Befragten gaben an, dass Wasserfallmethoden aufgrund des Erfolgs mit Scrum nicht mehr verwendet werden. In 49 Prozent der Unternehmen wurde Scrum erfolgreich eingeführt und wird als zusätzliche Methode verwendet.

Durchwachsene Erfolgsbilanz

Diese Situation schlägt sich auch in den Erfolgsmetriken nieder, die von der Scrum Alliance abgefragt wurden. Eine Erfolgsquote von 81-100 Prozent berichteten nur 29 Prozent der Befragten für die Scrum-Projekten in ihrem Unternehmen; 39 Prozent setzten die Zahl erfolgreicher Projekte bei 50 bis 80 Prozent an. 32 Prozent berichteten von wenig Erfolg mit Scrum (unter 50 Prozent erfolgreicher Projekte).

Als Gründe für Probleme mit Scrum wurden von mehr als der Hälfte der Teilnehmer Differenzen zwischen der Unternehmenskultur und agilen Werten sowie von 43 Prozent Probleme mit dem Wandel weg von Wasserfall-Praktiken und hin zu agilen Vorgehensweisen benannt. Dies korreliert mit den zuvor erwähnten Funden der Studie hinsichtlich der Beibehaltung alter Wasserfall-Arbeitsweisen.

State of Scrum Report 2016. Quelle: www.scrumalliance.org

Bei der Frage, ob Scrum die Zufriedenheit der Teams der Teilnehmer mit ihrem Berufsleben verbessert habe, haben sich vor allem die Verhältnisse verschoben. 2015 stimmten 87 Prozent der Befragten dieser Frage ganz oder teilweise zu; der Anteil der vollen Zustimmung lag bei 56 Prozent. 2016 waren es insgesamt immer noch 83 Prozent, die dieser Aussage zustimmten. Ohne Vorbehalte taten das aber nur noch 43 Prozent, während 40 Prozent nur eingeschränkt zustimmten.

Command-and-Controll führt zu Spannungen

Dies liegt auch an Spannungen zwischen den Scrum-Teams und dem Rest des Unternehmens. Die Anzahl derjenigen, die solche Spannungen wahrnehmen, ist zwar leicht gesunken (71 auf 69 Prozent); eine im neuen Report vorgenommene genauere Betrachtung zeigt aber, dass die meisten Befragten erneut primär aufgrund des Konflikts zwischen Wasserfall und Agile Probleme haben: 70 Prozent gaben an, dass die Spannungen aus der Notwendigkeit zur Unterordnung unter ein Management entstehen, das noch immer Command-and-Control-Strukturen aufrecht erhält.

Lesen Sie auch: Wie Sie starre Strukturen aufbrechen – mit Scrum!

Auf Ebene der Scrum-Methoden und -Standards zeigt sich ein Trend zu kürzeren Sprints. 2015 gaben 55 Prozent der Befragten an, dass im Schnitt 7 oder mehr Sprints durchlaufen werden, bevor ein Projekt an den Kunden übergeben wird; 2016 traf das nur noch auf die Projekte von 30 Prozent der Teilnehmer zu. Dafür stieg die Zahl der sehr frühen Auslieferungen (nach 3 oder weniger Sprints) von 11 auf 29 Prozent. Die durchschnittliche Teamgröße stieg leicht von 7 auf 7,5 Mitglieder – die Zahl der Befragten, die die Durchschnittsgröße von Scrum-Teams bei 10 oder mehr Mitgliedern verorteten, stieg von 11 auf 15 Prozent. Außerdem wurde im 2016er Report auch nach der Verwendung der noch recht jungen Technik des Mob Programmings gefragt: 4 Prozent der Befragten nutzt diese Arbeitsweise bereits.

Scrum: Insgesamt auf Erfolgskurs

Außerdem hat sich Scrum weiter außerhalb der IT- und Softwareentwicklungsabteilungen ausgebreitet. Zwar arbeiten weniger Forschungsabteilungen mit Scrum als 2015 (39 statt 46 Prozent); insgesamt werden laut dem 2016 State of Scrum Report aber doch ganze 21 Prozent der Scrum-Projekte außerhalb der klassischen IT-Bereiche durchgeführt. Außerdem haben 98 Prozent der Befragten vor, auch künftig auf Scrum setzen zu wollen – auch hier kann also eine positive Entwicklung gegenüber dem vorherigen State von Scrum Report festgestellt werden, bei dem 95 Prozent dieser Aussage zustimmten.

State of Scrum Report 2016. Quelle: www.scrumalliance.org

Insgesamt zeigt der 2016 State of Scrum Report also, dass Scrum weiterhin auf dem Vormarsch ist, aber noch immer auch alte Strukturen die Adaption agiler Methoden bremsen. Dies deckt sich mit den Erkenntnissen anderer Untersuchungen zur agilen Arbeitswelt und scheint somit kein spezifisches Problem von Scrum zu sein. Allerdings zeigt der State of Scrum Report auch, dass eine rein agile Arbeitsweise zu besseren Ergebnissen führen kann, wenn dadurch Spannungen zwischen verschiedenen Teilen des Unternehmens vermieden werden. Die Überwindung alter Strukturen aus der Zeit des Wasserfall-Managements dürfte also auch in Zukunft eine der größten Herausforderungen für den Erfolg agiler Methoden sein.

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Geschrieben von
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose studiert allgemeine Sprachwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Februar 2015 verstärkt sie als redaktionelle Mitarbeiterin die Redaktion bei Software & Support Media. Zuvor war sie als freie Autorin tätig und hat erste redaktionelle Erfahrungen bei einer Tageszeitung gesammelt.
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