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Der "State of Testing Report 2015" ist erschienen

State of Testing Report 2015: Der Tester – das unbekannte Wesen

Moritz Hoffmann

(c) Shutterstock.com / BeRad

Regelmäßig erarbeitet der SaaS-Anbieter PractiTest eine Umfrage zum aktuellen Stand des Testings in der internationalen IT-Branche. Nun ist der State of Testing Report 2015 erschienen und liefert Einblicke in die betriebsame und doch oft unverstandene Welt der Tester. Dabei stehen nicht nur die verwendeten Tools und Methoden auf dem Prüfstand, sondern auch Arbeitsbedingungen und persönliche Eigenschaften, die Tester auszeichnen und die interessierte Berufseinsteiger mitbringen sollten.

Der durchschnittliche Tester hat eine Berufserfahrung von mindestens fünf Jahren und arbeitet in einem Team mit fünf bis 50 Mitgliedern. Die große Mehrheit der Befragten hat einen professionellen Hintergrund, etwa zwei Drittel arbeiten als Test Engineers oder Test Leads. Auffällig ist, dass scheinbar vor allem kleine Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern auch Tester ohne spezifische Berufs- und Lehrerfahrung beschäftigen.

Was macht Ihr eigentlich so den ganzen Tag?

Die verbreitetste Aufgabe der Tester ist die Verwaltung der Test- und Entwicklungsumgebung. Mit 63% ist dieser Anteil des gesamten Aufgabenfeldes gegenüber dem Vorjahr (45%) deutlich gestiegen. Je um die 35% der Aufgaben nehmen Requirement Gathering, Integrations & Deployment sowie die Entwicklung interner Testing-Tools ein. Auch wenn über die Hälfte der Tester angaben, auch mit der Dokumentation betraut zu sein, ist diese Tätigkeit im Vergleich zum Vorjahr in allen relevanten Test-Bereichen zurückgegangen.

Quelle: Practitest.com / State of Testing Report 2015

Quelle: Practitest.com / State of Testing Report 2015

Die bei weitem gängigste Test-Methode ist das Exploratory- bzw. Session-based Testing. Etwa 60 Prozent haben auch mit Scripted Testing zu tun. Mit 46% ist noch immer die klassische Bug-Jagd eine gefragte Methode, ein Drittel der Befragten absolviert zudem User-Simulationen. Dazu kommen Test Reviews und die Risiko-Analysen. Großen Stellenwert nimmt dem Report zufolge auch die permanente Weiterbildung ein. Über achtzig Prozent erledigen dies als Training on the Job und als Peer Mentoring, etwa zwei Drittel bilden sich auch neben der Arbeit weiter. Verhältnismäßig gering ist die Teilnahme an zertifizierten Kursen und Seminaren.

Tester sind soziale Wesen

Fast zwei Drittel aller Befragten ist in den Social Media aktiv, weitere 55% liefern Beiträge und Artikel für Testing-Literatur, etwa ebenso viele kommunizieren in Online-Communities und Foren. Kommunikationsfähigkeit scheint im Beruf des Testers auch grundsätzlich Trumpf zu sein. Einen Löwenanteil der Aufgaben neben dem Testen selbst nehmen Meetings verschiedener Art und Zusammensetzung ein.

Quelle: Practitest.com / State of Agile Report 2015

Quelle: Practitest.com / State of Agile Report 2015

Neben informellen Chats kommen dann auch noch tägliche Scrum-Meetings hinzu. Fast 90 % der Tester arbeiten dem Report zufolge in agilen Unternehmen. Nur etwa die Hälfte organisiert die täglichen Aufgaben nach dem Wasserfallmodell, immerhin 20 % folgt dem TDD-Ansatz. Überraschenderweise konnten DevOps-Methoden bislang noch nicht wirklich in den Testing-Unternehmen Fuß fassen. Nur 14.% der Tester gab an, damit zu tun zu haben.

Wie werde ich ein guter Tester?

Kenntnissen in Mobile- und Web-Technologien, im Bereich Performance & Load, in der Security und Agile scheinen für die Tester die notwendigen Basics zu sein. Zwischen 40 und 50 % schätzten diese Fähigkeiten als wichtig oder sehr wichtig ein. Den Zahlen nach sind Fähigkeiten in der funktionalen Automatisierung und im Skripting aber die wichtigsten Skills. Am wenigsten wichtig sind dem Report zufolge Referenzen für Embedded Systems, Enterprise Software, sowie für Cloud- und Big-Data-Testing.

Als eine der größten Herausforderungen gaben die Tester das Finden geeigneter Mitarbeiter an. Die Kriterien für den Job als Tester sind denn auch entsprechend komplex. Gesucht werden Team Player und Critical Thinkers, die gleichwohl das technische Know How und grundlegende Programmierskills mitbringen. Ebenso gefragt sind ergebnisorientierte Autodidakten und Kommunikationstalente mit ausgereiftem Wissen in der Mobile Technology.

Quelle: Practitest.com / State of Testing Report 2015

Quelle: Practitest.com / State of Testing Report 2015

Wer sich für automatisiertes Testen interessiert, sollte sich der Studie zufolge an die kleinen Unternehmen halten. Dort herrscht die größte Automatisierungsrate vor. Im Gesamtbild herrscht jedoch überall in der Testing-Branche eine hohe Innovationsbereitschaft vor. Viele der Befragten gaben auch im Einzelnen Auskunft über neu eingeführte Methoden und den Stand der Automatisierung in ihrem Unternehmen. Von den Wünschen für die Zukunft dürfte wohl mindestens einer von allen Befragten geteilt werden:

A better understanding from the business of how important testing is, rather than it being seen as a ’necessary evil‘.

An der diesjährigen Umfrage beteiligten sich 860 Tester, die meisten leben und arbeiten in Europa (35%) und in den USA (22%). Ein Viertel der Befragten testet in Indien und Asien. 18.5 Prozent entfallen auf den Mittleren Osten, Australien und den afrikanischen Kontinent.

Aufmacherbild: detective or murderer enters the door von Shutterstock.com
Urheberrecht: goldyg

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Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
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