Interview mit Jez Humble, Co-Founder und CTO von DORA

State of DevOps Report 2018: Wie man zum Elite-Performer wird [Interview mit Jez Humble]

Gabriela Motroc

Jez Humble

Die DevOps Research and Assessment LLC veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht über den „State of DevOps“. Was zeigen die diesjährigen Ergebnisse des Reports? Welche Überraschunen gab es? Wir sprachen mit Jez Humble, Co-Founder und CTO von DORA, unter anderem über die „Elite-Performer“, die Hindernisse, die Low-Performer am Vorankommen hindern, und darüber, wie erfolgreiches Cloud Computing aussehen muss.

Die DevOps Research and Assessment LLC (DORA) hat kürzlich ihren State of DevOps 2018 Report veröffentlicht. Es wurden über 1.900 Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Unternehmensbereichen zu Cloud-Infrastruktur, Führungs- und Lernkultur, Delivery Performance, Datenbankpraktiken und vielem mehr befragt.

Die Software Delivery Performance Benchmarks von DORA unterteilte die Teams in drei Bereiche: Starke, mittlere und schwache Performer. Jedes Team wurde an seinen globalen Ergebnissen gemessen. Aufgezeichnet wurde die Deployment-Frequenz, die Arbeitszeit für Änderungen/Verbesserungen, die benötigte Zeit für Service-Wiederherstellung und die Fehlerrate bei Veränderungen.

15% der Teams wurden als schwache, 37% als mittlere und 48% als starke Performer eingestuft. In der Kategorie der starken Performer ist eine 7%ige Eliteklasse enthalten, die hervorrage Leistungen zeigen.

Wir sprachen mit Jez Humble, Co-Founder und CTO von DORA, über die „Elite-Performer“, die Hindernisse, die Low-Performer am Vorankommen hindern, und noch vieles mehr.

Lesen Sie auch: Der State of DevOps Report 2018: Immer weniger Handarbeit in Elite-Teams

JAXenter: Die DevOps Research and Assessment LLC (DORA) hat kürzlich ihren State of DevOps 2018 Report vorgestellt. Den Ergebnissen zufolge wurden nur 7% der Teams in die Eliteklasse eingestuft, die hervorragende Leistungen erbringt. Was bedeutet das und wie sieht die neue DevOps-Elite aus?

Jez Humble: Als wir bei der Analyse der Teilnehmer, diese in „Cluster“ einteilten, fanden wir einen „Elite“-Cluster, der zwar klein war, aber in Bezug auf Geschwindigkeit und Stabilität deutlich besser als der Rest unserer Befragten abschnitt. Die Elite-Performer deployen mehrmals pro Tag und bringen in weniger als einer Stunde Änderungen in Produktion bzw. stellen Services wieder her. Zudem verzeichnen sie niedrige Ausfallraten nach Änderungen – mit anderen Worten, sie schneiden sowohl in Bezug auf Geschwindigkeit als auch im Hinblick auf Stabilität außergewöhnlich gut ab.

JAXenter: Was ist das gemeinsame Merkmal „fehlgeleiteter“ Performer und wie können sie sich verbessern?

Elite-Performer deployen mehrmals pro Tag und bringen in weniger als einer Stunde Änderungen in Produktion.

Jez Humble: „Fehlgeleitete“ Performer sind eine interessante Gruppe – sie sind sehr langsam und deployen weniger als einmal im Monat, aber sie verzeichnen geringere Ausfallraten nach Änderungen als unsere schwachen Performer (dennoch ist die Rate geringer als die unserer mittleren, starken und Elite-Teams).

Was jedoch auffällt, ist die Zeit, die sie für das Wiederherstellen des Services benötigen: Fehlgeleitete Performer berichten, dass sie in der Regel ein bis sechs Monate benötigen, um einen Service nach einem Problem wiederherzustellen. Der Weg zur Besserung ist derselbe, wie auch bei allen anderen: Arbeiten an Prozessverbesserungen, um die Fähigkeiten zu etablieren, die wir im Bericht und in unserem Buch Accelerate beschreiben und nachweislich eine erhöhte Leistung versprechen.

JAXenter: Welche Hindernisse blockieren die schwachen Performer und halten sie vom Weiterkommen ab?

Jez Humble: Jedes Unternehmen ist anders und hat unterschiedliche Einschränkungen. Der erste Schritt besteht immer darin, dass die Teams (einschließlich der Führungskräfte) eine gewisse Notwendigkeit verspüren, das Problem anzusprechen und bereit sind, Ressourcen, Leistung und Kapazitäten zu stellen, um Verbesserungen einzuführen.

In viel zu vielen Organisationen hört man, „das wird hier nicht funktionieren, wir sind anders“, „so haben wir das aber immer gemacht“, „wir haben keine Zeit dafür“ oder „alles läuft gut, warum müssen wir uns ändern“? Die starken Performer hingegen versuchen immer besser zu werden.

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JAXenter: Was sind die wichtigsten Merkmale von Cloud Computing, die für den Erfolg der Cloud erfüllt werden müssen?

Jez Humble: In ihrer Arbeit zur Definition von Cloud Computing (SP 800-145) führt das National Institute of Standards and Technology (NIST) fünf wesentliche Merkmale auf:

  1. On-demand Self-Service
  2. Broad Network Access
  3. Resource Pooling
  4. Rapid Elasticity
  5. Measured Service

Lediglich 22 Prozent derjenigen, die sagten, dass sie Cloud Computing betrieben, stimmten zu, dass sie diese Eigenschaften erfüllen – allerdings ist diese Gruppe 23-mal wahrscheinlicher in der Elitegruppe, als in der Low-Performance-Gruppe! Dies zeigt uns, dass es nicht einfach ausreicht, in die Cloud zu migrieren. Die einzigartigen Möglichkeiten der Cloud-Infrastruktur können genutzt werden, die Geschwindigkeit des Deployments neuer Services bzw. deren Stabilität zu verbessern.

JAXenter: Auf welche Weise lassen sich Multi-Cloud-Lösungen am besten nutzen?

Jez Humble: Wir haben keine wirkliche Analyse des Einflusses von Multi-Cloud-Lösungen durchgeführt. Aber wir haben gefragt, warum die Teilnehmer mehrere Cloud-Anbieter gewählt haben. Erreichbarkeit und Disaster Recovery waren die häufigsten Angaben für die Wahl.

JAXenter: Ist die Automatisierung einer der Schlüssel, um als DevOps-Team performanter zu werden? Wie viel Automatisierung ist zu viel?

Die Auswirkung einer effektiven Nutzung von Cloud-Infrastrukturen ist enorm.

Jez Humble: Unsere Ergebnisse zeigen, dass sowohl die Test- als auch die Deployment-Automatisierung, die Umsetzung von Continuous Delivery bestimmen, das sich wiederum positiv auf die Performanz der Software Delivery und die Unternehmenskultur auswirkt. Es ist allerdings für viele wichtig, dass eine Vereinfachung in diesem Prozess stattfindet: Nimmt man fragile, manuelle Prozesse und automatisiert sie, hat man am Ende lediglich fragile und komplexe automatisierte Prozesse.

Der State of DevOps Report des Vorjahres hat gezeigt, dass auch Architektur eine wichtige Rolle spielt, einschließlich der Möglichkeit, ein Produkt oder Service bei Bedarf on-demand zu deployen bzw. releasen. Und zwar unabhängig von anderen Services, von denen das Produkt oder der Service abhängt, und der Möglichkeit, bei Bedarf Tests durchzuführen.

JAXenter: Was ist das überraschendste Ergebnis des aktuellen State of DevOps Reports?

Jez Humble: Es gab eine Reihe von Überraschungen, zum Beispiel ist die Auswirkung einer effektiven Nutzung von Cloud-Infrastrukturen enorm. Gleich danach kommt aber das Outsourcing, was uns sehr überraschte. Obwohl wir wussten, dass gezieltes Outsourcing nach Funktionalitäten (z.B. Outsourcing von Test/QA, Infrastruktur oder Entwicklung) schlecht ist, ist der Effekt relativ groß: leistungsschwache Teams machen bis zu 3,9-mal häufiger von Funktionalitäts-Outsourcing gebrauch, als Elite-Performer-Teams.

Übrigens lagern die zuvor erwähnten „fehlgeleiteten“ Performer Funktionalitäten am häufigsten aus. Gleiches gilt für Unternehmen, in denen funktionale Silos existieren.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Jez Humble is co-author of AccelerateThe DevOps HandbookLean Enterprise, and the Jolt Award winning Continuous Delivery. He has spent his career tinkering with code, infrastructure, and product development in companies of varying sizes across three continents, most recently working for the US Federal Government at 18F. As well as serving as DORA’s CTO, Jez teaches at UC Berkeley.
Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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