Zum Stand der JVM-Sprache

State of Clojure Survey 2015 – Die Ergebnisse

Michael Thomas

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Der mittlerweile sechste State of Clojure Survey fördert interessante Fakten rund um den Lisp-Abkömmling zu Tage. So weisen die Antworten (Mehrfachnennungen möglich) der 2445 Teilnehmer u. a. darauf hin, dass sich Clojure langsam aber sicher von einem Nischenwerkzeug zu einem wichtigen Bestandteil der kommerziellen Entwicklung wandelt. Auch der Clojure-Dialekt ClojureScript wird offenbar immer beliebter.

Zu Beginn steht natürlich die Frage im Raum, warum Clojure überhaupt verwendet wird. Die Antwort der Teilnehmer auf diese Frage fällt recht eindeutig aus: So werden insbesondere die funktionale Programmierung und daran anschließend die Unveränderlichkeit, sowie die Read Eval Print Loop (REPL) und die Einfachheit der Entwicklung als zentrale Motivationsfaktoren für den Einsatz des Lisp-Dialekts genannt.

Anwendungsbereiche

Auch die zum Zuge kommenden Infrastrukturen spielen eine Rolle. Demnach liegen traditionelle Infrastrukturen mit öffentlichen Clouds beinahe auf Augenhöhe, zählt man jedoch noch private bzw. hybride Cloud-Umgebungen hinzu, haben Clouds klar die Nase vorn. Für Justin Gehtland, den Präsentator der Umfrageergebnisse, wenig verwunderlich, da bei der Übernahme von Clojure und Cloud-Infrastrukturen offenbar die selben Faktoren (u. a. die Agilität, Responsivität) eine Rolle spielen. Dies schlägt sich denn auch in den Bereichen, in denen Clojure zur Anwendung kommt, nieder: An erster Stelle steht mit knapp 80 % die Web-Entwicklung, gefolgt von Open-Source-Projekten (rund 50 %), kommerziellen Dienstleistungen und mathematischen bzw. Datenanalysen (je rund 25 %). Big Data und Unternehmensanwendungen bilden mit jeweils knapp unter 20 % die Schlusslichter.

Dabei ist festzuhalten, dass, folgt man den Umfragen der letzten Jahre, die Webentwicklung schon immer eine dominierende Stellung unter den Anwendungsgebieten einnahm und ein konstantes Wachstum – sowohl in absoluten Zahlen als auch im Hinblick auf den prozentualen Anteil – verzeichnen konnten. Ebenfalls gewachsen ist der Anteil der kommerziellen Dienstleistungen sowie der Unternehmensanwendungen. Der Bereich mathematische Analysen/Datenanalysen hingegen wurde mit den Jahren von Platz 2 auf Platz 4 verdrängt.

Eine knappe Mehrheit der Teilnehmer gab zu Protokoll, Clojure im professionellen Umfeld zu nutzen, knapp gefolgt von ernsthaften „Hobby-Projekten“. Deutlich weniger nutzen Clojure nur probeweise bzw. für Spielereien oder im Rahmen ihrer Studien.

ClojureScript wird erwachsen

Nicht uninteressant sind auch die erhobenen Daten zur Nutzung des Clojure-Dialekt ClojureScript. So gaben ganze 62 % der Teilnehmer an, mittlerweile ClojureScript zu nutzen, bei denjenigen, die Clojure im Arbeitsumfeld nutzen, beträgt der Anteil sogar 66 %. Darüber hinaus wird ClojureScript offenbar zunehmend auch als unabhängiges Front-End-Tool genutzt: Zwar zielen 89 % der Teilnehmer mit ClojureScript auf serverseitige Implementierungen mit Clojure ab, doch auch andere serverseitige Technologien wie Node.js, Java, Ruby, Python, PHP und Erlang kommen zum Zuge.

Abgesehen von diesen in der Befragung vorgegebenen Antwortmöglichkeiten gaben zahlreiche Teilnehmer im freien Antwortteil darüber hinaus auch Go, Haskell, Scala und C# an – ein Hinweis auf die unabhängige Nutzung sowie den Einsatz in polyglotten Teams. Zu guter Letzt gehen die Implementierungsziele offenbar über die JVM hinaus und reichen in JavaScript-Umgebungen hinein. Browser machen den unbestrittenen Löwenanteil aus, doch im Hinblick auf kommerzielle Zwecke spielen auch Node.js, iOS und Android mit jeweils mehr als 10 % eine Rolle. Insgesamt weisen die erhobenen Daten darauf hin, dass ClojureScript langsam erwachsen wird und zunehmende Verbreitung in „echten“ Projekten findet.

Die Ergebnisse der insgesamt 25 Einzelfragen können hier eingesehen werden.

Aufmacherbild: Magnifying glass and documents von Shutterstock / Urheberrecht: tonefotografia

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Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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