Standortvorteil Europa

Sebastian Meyen, Peter Pagel, Mirko Schrempp

Selbstbewusst präsentiert sich die Software AG 2007 mit ihrem neuen Markenauftritt der Öffentlichkeit. Karl-Heinz Streibich – CEO und Ivo Totev Vice President, Product Marketing Crossvision sprachen mit der
BT-Redaktion über die neue Software AG, SOA und den IT-Standort Deutschland.

Herr Streibich, die „Neue Software AG“ – was können wir uns darunter vorstellen?

Karl-Heinz Streibich: Ich möchte Ihnen auf diese Frage mit der Evolution der Software AG antworten. Die Software AG wurde 1969 gegründet und ist innerhalb kurzer Zeit Weltmarktführer für Mainframe-Datenbanken geworden. Das war eine sehr erfolgreiche Zeit. Die Software AG war auch eine der ersten Softwarefirmen, die ihr Geschäft internationalisiert haben. Bereits vor 25 Jahren waren wir in mehr als 25 Ländern weltweit vertreten. Die zweite Phase war die, als die Software AG – offen gesagt – die Client-Server-Technologie verpasst hat.

Jetzt kommt die dritte Phase. Und das ist der Paradigmenwechsel hin zur serviceorientierten Architektur, zur SOA. Da sind wir prädestiniert, wieder eine führende Rolle zu übernehmen. Aus drei Hauptgründen. Der erste ist, dass wir, wie kein zweiter, Know-how im Mainframe-Bereich haben – außer vielleicht die IBM. Zweitens: Die Internettechnologie ist XML. Und da sind wir Weltmarktführer. Die Kombination aus beidem ist eine ideale Symbiose – also Mainframe Know-how und XML gepaart mit unserer serviceorientierten, kundenfokussierten Unternehmensstrategie als Softwarefirma. Wir haben die Herkunft, wir kennen die Zukunft durch XML und haben das verbindende Glied durch unsere Unternehmensstrategie, dem Kunden projektorientiert zu helfen.

Die Software AG ist ein deutsches Unternehmen, das global handelt. Wie wollen Sie jenseits des Leitmarkts USA den Weltmarkt für SOA aufrollen?

Streibich: Die USA sind nicht der Leitmarkt für SOA. Die USA sind der Leitmarkt im Standardproduktgeschäft. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Die USA sind ein homogener Markt, die Firmen erreichen relativ schnell hohe Volumen. Diese Volumen helfen den Firmen, zu einem bestimmten Produktthema Weltmarktführer zu werden, weil sie ja einen großen Heimmarkt haben. Wenn sie im Heimmarkt führend sind, sind sie praktisch schon weltmarktführend.

Aber die US-Firmen sind nicht customizing-orientiert. Das sind wir, weil wir das mit unseren 27 Sprachen und 30 Rechtssystemen in Europa schon immer sein mussten. Darüber hinaus ist die Kultur in Deutschland zum Beispiel auch viel prozessorientierter. Und in Zukunft sind in einer Firma Prozessinnovationen noch wichtiger als Produktinnovationen. Die Art und Weise, wie man etwas tut, wird wichtiger als das, was man tut und das, was man anbietet.

Das bedeutet also, dass wir in Deutschland und in Europa, perfekt positioniert sind, um mit SOA eine weltmarktführende Stellung einzunehmen. Übrigens hat Bill Gates nicht Recht, wenn er sagt, dass der Fakt, dass SAP in Deutschland ist, ein Unfall der Geschichte ist – es ist eine Logik der Geschichte.

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Sebastian Meyen, Peter Pagel, Mirko Schrempp
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