Standortvorteil Europa

Wie gehen Sie auf Partner zu? Wie organisieren Sie Innovation über Partnerschaften?

Streibich: Natürlich ist Innovation immer ein Thema. Ohne Zweifel. Das primäre Ziel bei der Zusammenarbeit mit Partnern ist aber mehr als nur Innovation. Wir haben einerseits Technologiepartnerschaften, also Partner, mit denen wir unsere Produktpalette erweitern und auf der anderen Seite haben wir Vertriebspartnerschaften. Partner, mit denen wir Mehrgeschäft mit Kunden machen. Beides treiben wir voran, beides ist wichtig.

Die Software AG musste auch lernen, dass wir nicht alles selbst machen können – 100 Prozent Fertigungstiefe, das ist einfach vorbei. Wir müssen an dieser Stelle noch viel mehr mit anderen zusammenarbeiten, um schneller und effizienter zu sein.

Totev: Wir gehen ganz klar den Weg, nicht alles selbst zu machen, wir sind offen für Partnerschaften, um dann zum Kunden zu gehen und Mehrwert zu liefern. Das heißt nicht, dass alles aus Partnerprodukten besteht. Wir haben natürlich ein Core-Set an Produkten, die sehr sauber integriert und durchgetestet sind. Aber dann kommt die etwas losere Bindung über SOA.

Ein Tipp an jeden, der Innovation betreibt: Haltet euch einfach an die Standards. Seht zu, dass das Zeug in Eclipse läuft, weil wir einfach mehrere Plattformen bedienen und es ist sehr schick, wenn das Ganze in Java geschrieben ist. Es ist immer noch etwas schwierig, wenn jemand mit einer .NET-Lösung kommt. Muss ich ehrlich zugeben, das ist dann eher eine lose Kopplung.

Was bedeutet das Thema SOA für ihr Haus?

Streibich: Wir stellen unsere komplette IT auf SOA um. Das bedeutet, dass wir eine prozessorientierte IT haben werden. Wir werden IT als einen Service für das Business entwickeln. Wenn Sie eine funktionale, abteilungsorientierte Organisation haben, dann haben Sie das Problem der Übergänge von Abteilung zu Abteilung.

Kundenabläufe sind aber prozessorientiert. Da verändert sich z.B., dass wir viel mehr in Communities und in Prozessen agieren, nicht so sehr jeder nur innerhalb seiner Abteilung. In Zukunft wird jemand, wenn er gefragt wird, wo er arbeitet, nicht mehr nur seine Abteilung nennen, sondern auch, für welchen Prozess und in welcher Community er tätig ist. Das ist die Kernveränderung im Unternehmen.

Totev: Der Schuster trägt ja üblicherweise die schlechtesten Schuhe. Wir haben bis vor kurzem ein Spesenabrechnungssystem gehabt, das auf einem Greenscreen lief und das wird jetzt komplett nach AJAX umgebaut. Wir gehen da schon sehr stark ran und sind auch gezwungen, das zu machen, weil unser interner Aufbau sehr heterogen ist – die Dinge müssen aber alle zusammenspielen. Und das machen wir auf Basis einer serviceorientierten Architektur.

Ich muss fairerweise sagen, dass wir alle so damit beschäftigt waren, unsere SOA-Strategie festzulegen und zu kommunizieren, dass unser CFO Arnd Zinnhardt die Frage auf die Tagesordnung gebracht hat. Vor einem Jahr hat er gesagt: Leute, wir machen hier viel SOA, aber ich habe Schnittstellen, die kosten mich viel Geld, wie können wir da unsere eigene Technologie nutzen? Das war ein guter Hinweis, das machen wir jetzt!

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