Standortvorteil Europa

Herr Totev, die nächste Frage geht an Sie als Vice President Product Marketing Crossvision. Ist SOA in Deutschland angekommen?

Ivo Totev: Sie ist in den Köpfen angekommen. Und sie ist in den mittelgroßen Projekten angekommen. In Deutschland betreuen wir im Moment zehn SOA-Projekte von Mittelständlern und ein ganz großes, über mehrere Jahre gehendes Projekt. 2006 war das Jahr, in dem SOA in den Köpfen angekommen ist und selbst sehr, sehr konservative CIOs gesagt haben: „Gut, jetzt muss ich mich mit dem Thema beschäftigen“. 2007 ist das Jahr, wo man sagt: „So, genug herumexperimentiert, jetzt gibt es genug Fallstudien, jetzt nehmen wir uns wirklich einen Business-Prozess vor und den machen wir“.

Jetzt kommen wir dahin, dass man merkt, dass SOA cross-departmental ist und da kommt es auf den Managementaspekt an. Also über die Abteilungen, über das eigene Unternehmen hinaus, hin zu B2B. Und da fangen natürlich die organisatorischen Probleme an. Sagen wir, man hat fünf Silos mit fünf IT-Verantwortlichen, und denen muss man jetzt sagen, eure Silos verlieren an Bedeutung. In Zukunft werdet ihr daran gemessen, wie gut ihr einen Cross-Prozess unterstützt.

Wenn man fünf Prozesse in den fünf Silos findet, ist das kein Problem. Nur wenn man einen Core-Prozess hat, der über die fünf Silos hinweg geht, dann hat man große interne Widerstände, weil die Leute einfach Angst haben, Macht zu verlieren. Mein Vorschlag lautet hier, eine Roadmap für fünf, sechs Prozesse zu machen. Dann sind mehr Leute aus dem Unternehmen beteiligt und selbst, wenn sie noch nicht dran sind, wissen sie, dass sie in der Bedeutung nicht absteigen.

Zurück zum Thema Standort: Es bietet also konkrete Vorteile in Europa beziehungsweise in Deutschland zu sein?

Streibich: Perfekte Vorteile. Wir sind customizing-orientiert und an Heterogenität gewöhnt. Es ist kein Zufall, dass die Star-Alliance in Deutschland bzw. Europa erfunden wurde – nicht in den USA. Die ganz großen Monolithen brauchen solche Allianzen nicht. Schon die SAP in Deutschland braucht keine Star-Alliance für die Softwareindustrie. Aber uns geht es darum, die mittelständischen Softwarefirmen zu fördern und zu entwickeln. Die müssen sich zusammenschließen.

Ein Modell dafür ist eben die Lufthansa mit der Star-Alliance. Nach diesem Vorbild müssen wir eine Software-Alliance machen. Und wir sind im Moment dabei, das zu tun. Wir haben eine CentraSite-Community, wir haben ein Produkt, das SOA-Registry-Repository-Tool und wir haben schon über 20 Softwarefirmen, die mitmachen und das auch nutzen, damit es nicht jeder selbst entwickeln muss. Jetzt sind wir dabei, zunehmend mit Software- und Servicefirmen einen Cluster zu bilden, um gemeinsam im Weltmarkt aktiv zu sein.

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