Konferenz -Updates von der SpringOne Platform 2016

Updates von der SpringOne 2016: Spring Boot, Cloud Foundry, Spring Framework 5

Oliver Gierke

Das Ökosystem um das populäre Spring Framework traf sich letzte Woche auf der Konferenz SpringOne Platform in Las Vegas. Oliver Gierke war vor Ort und berichtet über die neuesten Entwicklungen bei Spring, Cloud Foundry & Co. Spannend ist dabei auch zu sehen, wie der Trend zu Microservices, Server-less Applications und Cloud in der Spring-Welt zum Tragen kommt.

JAXenter: Gerade ist die SpringOne Platform 2016 zu Ende gegangen. Was waren deine Eindrücke?

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Oliver Gierke

Oliver Gierke: Im Vergleich zum letzten Jahr ist die SpringOne Platform 2016 eine etwas andere Konferenz gewesen. Es ist das erste Mal, dass es eine zusammenhängende Konferenz gab: Pivotal, CloudFoundry und das Spring Engineering Team. Das zeigte sich vor allem an den fast verdoppelten Besucherzahlen auf knapp 2000 Teilnehmer. Wir waren zum Anfang etwas skeptisch wie das ganze in diesem veränderten Rahmen weiter funktioniert und ob der eigentümliche Charme der Konferenz erhalten bleibt.

Klar funktioniert eine Konferenz anders, wenn man eher klein und fokussiert agiert, jedoch war unser Hauptanliegen ein homogenes Gesamtbild abzugeben, wie die einzelnen Teile der Firma zusammenspielen und welch wichtige Rolle das Spring Framework in Pivotals Gesamtstrategie spielt. Das begann mit Onsi Fakhouri, der recht eindrucksvoll beschrieb, wie die technologischen Bausteine, die bei Pivotal betrieben werden, zusammenpassen…

…und endete im Auftritt unseres CEOs Rob Mee, der Spring als zentralen Treiber der Firma als ganzes beschrieb.

JAXenter: Was waren die großen Themen der Konferenz?

Oliver Gierke: Es gab wie in den Jahren zuvor einen großen Rundumschlag zu allen Themen, die irgendwie mit dem Spring Framework zu tun haben. Zusammenfassungen der Features von gerade eben veröffentlichten Versionen, Planungen für kommende Releases, Vorträge zu einzelnen Projekten, die eher in die Tiefe gehen, so dass sie schwer bei anderen Konferenzen unterzubringen sind, sowie die Arbeit an anderen Open-Source-Projekten wie Apache Tomcat, Apache Geode, RabbitMQ, Hawq, Madlib usw.

Darüber hinaus ist natürlich CloudFoundry ein großes Thema, sowohl aus anwendungsarchitektonischer Sicht als auch aus betrieblicher. Hier schließt sich dann der Kreis zu den Kultur- und Organisationsthemen, DevOps, digitale Transformation in großen Unternehmen usw. Zu letzteren Themen hatten wir eine große Zahl Kunden geladen, die dann in Erfahrungsberichten beschrieben, wie sie sich mit unserer Hilfe fit für neue Herausforderungen gemacht haben und sich Pivotals Mission „Transforming how the world builds software“ in der Realität niederschlägt.

JAXenter: Welche News & Ankündigungen gab es?

Reactive Programming scheint aktuell das Interesse größerer Firmen zu wecken.

Oliver Gierke: Das Spring Team hatte in Vorbereitung der Konferenz schon reichlich Releases publiziert. Spring Framework 4.3.2, Spring Boot 1.4 sowie den ersten Meilenstein von Spring 5. Dieser enthält den ersten Wurf eines an Spring MVC angelehnten, reaktiven Webframeworks. Reactive Programming scheint aktuell auch mehr und mehr das Interesse von größeren Firmen zu wecken. Im Unterschied zu Mitbewerbern gehen wir allerdings nicht davon aus, dass Kunden für den Schritt in diese Welt ihren Stack komplett wechseln. Ziel ist es also, das bekannte Spring-MVC-Programmiermodell soweit wie möglich in die reaktive Welt zu übertragen und somit den Entwicklern einen leichten Einstieg in diese Welt zu ermöglichen. Das benötigt dann natürlich nicht nur Unterstützung für Reaktive APIs in MVC, sondern eben auch in allen tieferen Ebenen des Stacks: Data, Integration usw.

Die Konferenz widmete sich diesem Thema recht intensiv und beschrieb umfänglich den aktuellen Stand der Entwicklungsteams: die bereits bestehenden Features in Spring 5.0 basierend auf Reactor 3, ein darauf aufbauender Prototyp für Spring Data usw.

JAXenter: Microservices, Server-less Applications, Cloud – das sind derzeit große Architektur-Themen. Wie sieht die Spring-Version dieses Trends aus?

Wer sich mit der Entwicklung Cloud-basierter Systeme in Java beschäftigt, kommt um Spring Boot und Spring Cloud nicht herum.

Oliver Gierke: Grundsätzlich denke ich, dass man, wenn man sich mit Microservices bzw. generell mit der Entwicklung Cloud-basierter Systeme in Java beschäftigt, eigentlich nicht um Spring Boot und Spring Cloud herumkommt. Der gesamte Spring Stack und auch Boot ist mittlerweile seit Jahren erprobt, entwickelt sich kontinuierlich weiter und nimmt sich auch ununterbrochen neuer Probleme an, die sich in neueren Architekturformen stellen. Das sind auch eigentlich die wesentlichen Faktoren, die den Unterschied zur Standard-Welt machen. Java EE 8 ist ja arg ins Stocken geraten und gibt momentan vor allem in Bezug auf Problemstellungen im Microservice-Kontext (System-zu-System-Integration usw.) keine wirklichen Antworten.

Die MicroProfile-Initiative ist sehr interessant, da sie uns die Möglichkeit gibt, viele Dinge einzubringen, die wir besonders während der Entwicklung von Boot gelernt haben. Es gibt da bereits einen ersten Austausch des Boot Teams mit den Kollegen. Es kam z.B. bereits die Vereinheitlichung des Layouts für startbare JARs zur Sprache, so dass Tooling, das damit interagiert, nicht unbedingt Interna eines Projekts kennen muss, sondern einfach JARs behandelt, unabhängig davon, ob sie Spring Boot, Wildfly Swarm usw. benutzen.

Ich bin ein wenig überrascht, dass Dropwizard im Kontext der MicroProfile-Initiative bisher keine wirklich große Rolle spielt, da es meiner Meinung nach eine sehr gute Alternative bietet, wenn man evtl. eigentlich nach Spring Boot gegriffen hätte, jedoch eher Standard-affin ist oder aus irgendwelchen Gründen sein muss.

JAXenter: Was steht für die kommenden Monate auf der Spring-Roadmap?

Oliver Gierke: Wie oben schon angedeutet, liegt die Konzentration nach dem Release von Spring 4.3 jetzt komplett auf dem 5.0 Zweig: dessen reaktiver Story, Kompatibilität zu Java 9 und der Unterstützung für HTTP 2.0. Vor allem das reaktive Programmiermodell drängt auch in viele andere Projekte des Ökosystems, so dass hier viel Arbeit ansteht. Es gibt z.B. bereits Prototypen für reaktive Features in Spring Data auf Datenbanken, die passende Treiber zur Verfügung stellen. Das gleiche Thema zieht sich dann auch durch weitere Projekte: Spring Integration, Spring Cloud Data Flow, usw. Mit Spring 5.0 wird es dann auch ein Spring Boot 2.0 geben, wofür es auch schon eine sehr umfangreiche Liste an Ideen gibt. Das nächste halbe Jahr wird also arbeitsreich und spannend zugleich.

Mit Spring 5.0 wird es dann auch ein Spring Boot 2.0 geben.

In Bezug auf Java 9 stehen wir in engem Kontakt mit Mark Reinhold. Es gab in Jigsaw lange Zeit kein Konzept, um optionale Abhängigkeiten auszudrücken — etwas, das essentiell ist, um das Spring Framework sinnvoll im Modulmodus auf Java 9 laufen zu lassen. Hier gab es vor kurzem etwas Bewegung, so dass wir dem wieder etwas optimistischer gegenüberstehen. Jedoch ist der Zeitpunkt für den Feature-Freeze für Java 9 schon verstrichen, und es gab bisher kein wirkliches Update bzgl. des geplanten Releasedates. Wir planen jedoch weiterhin, Spring 5 im Frühjahr 2017 mit genereller Java-9-Kompatibilität zu veröffentlichen, auch wenn dann unter Umständen erweiterter Support dafür in einem 5.1 hinter kommen muss.

Lesen Sie auch: Interview – “Früher galt Spring als proprietär – nun steht die Java-Welt Kopf, weil Oracle Java EE das Interesse entzieht.”

Ähnlich gelagert sind die Herausforderungen in Bezug auf HTTP 2.0, sprich Servlet 4.0. Die Probleme von Java EE 8 und damit die vermutlich anstehende Verspätung wurde ja auf JAXenter schon weitreichend diskutiert. Unsere Antwort darauf ist nun, erst einmal dezidierte Unterstützung und Integration mit den entsprechenden Serverimplementierungen (Tomcat, Jetty, Undertow usw.) zu erarbeiten und Servlet 4.0 dann eben entsprechend zu unterstützen, wenn es erscheint. Wann auch immer das sein sollte.

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Oliver Gierke
Oliver Gierke
Oliver Gierke ist Teil des Spring-Data-Teams bei SpringSource, a division of VMware und leitet dort das JPA-, MongoDB- und Core-Modul. Seit über sechs Jahren widmet er sich dem Entwickeln von Java-Enterprise-Applikationen, Open-Source-Projekten und ist Mitglied der JPA 2.1 Expert Group. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Softwarearchitektur, Spring und Persistenztechnologien. Er ist regelmäßiger Sprecher auf deutschen und internationalen Konferenzen sowie Autor von Fachartikeln.
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