Interview mit Tim Zöller

Spring Boot vs. Eclipse MicroProfile: Microservices-Frameworks im Vergleich

Hartmut Schlosser

Tim Zöller

Microservices werden im Java-Umfeld immer öfter mit Spring Boot gebaut. Wer aus dem Java-EE- bzw. Jakarta-EE-Lager kommt, hat mit dem Eclipse MicroProfile eine Alternative zur Hand. Wo liegen die Gemeinsamkeiten, wo die Unterschiede? Wir haben mit Tim Zöller, Entwickler bei der ilum:e informatik ag und Sprecher auf der JAX 2019, über den alten Gegensatz „Spring versus Java EE“ gesprochen. Kommt es im Zeichen der Microservices zu einer Neuauflage unter dem Banner „MicroProfile versus Spring Boot“?

Quo vadis Java EE?

JAXenter: Hallo Tim, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast! Im Enterprise-Bereich war die Java-Welt ja viele Jahre lang von zwei Frameworks dominiert: Spring und Java EE. Beide hatten den möglichst kompletten Java-Application-Server als zentrale Metapher. Hat diese Metapher in Zeiten von Microservices & Serverless ausgedient?

Ich glaube nicht, dass die Application Server in näherer Zukunft verschwinden werden.

Tim Zöller: Ich glaube nicht, dass wir die Application Server in näherer Zukunft verschwinden sehen werden. Sie vereinen eine Vielzahl erprobter APIs und Implementierungen in sich, die man aus sehr schlank gebauten WARs heraus benutzen kann. Das ermöglicht beispielsweise auf effiziente Art und Weise, Docker Images aufzubauen und zu pushen, was einigen Unternehmen wichtig ist.

JAXenter: Wie bewertest du die jüngsten Entwicklungen um Java EE, d.h. den Umzug zur Eclipse Foundation unter dem neuen Namen Jakarta EE? Wird der Java-Enterprise-Standard dadurch beflügelt? Oder handelt es sich eher um ein Auslaufmodell?

Tim Zöller: Ich sehe es als einen positiven Schritt, und die meisten Menschen, mit denen ich bisher darüber gesprochen habe, ebenfalls. Es ist momentan sehr spannend zu sehen, wie die Spezifikation in die Hände der Community übergeht. Die rechtlichen Probleme, die mit der Übertragung von Oracle an die Eclipse Foundation einhergehen, werfen momentan einen Schatten auf den Umzug.

Es gibt beispielsweise immer noch Unklarheiten, wenn es um Namensrechte geht. Offensichtlich wurde das durch die notwendige Umbenennung von Java EE zu Jakarta EE. Im Detail stellt es aber auch ein Problem dar, dass Klassen im Package javax.* von der Übergabe an die Eclipse Foundation betroffen sind. Diese Unsicherheiten sorgen dafür, dass sich einige Mitglieder der Community noch nicht trauen, ihre Mitarbeit zu starten.

Microservices: Spring Boot versus Eclipse MicroProfile

JAXenter: Wer neue Java-Anwendungen im Cloud- und Microservices-Kontext baut, greift heute immer mehr zu Spring Boot. Weshalb eigentlich? Wo liegen die Stärken von Spring Boot im Vergleich zum Ansatz des klassischen Spring Frameworks und Java EE?

Tim Zöller: Mit dem Konzept der Spring Boot Starter und dem einfachen Aufsetzen einer neuen Anwendung wurde zunächst einmal ein gewaltiger Konfigurations-Overhead abgeschafft. Die Möglichkeit, ein einzelnes, ausführbares JAR zu erzeugen und die Applikation extern zu konfigurieren, erhöht die Flexibilität in der Entwicklung und im Deployment. Eingebaute Health-Checks und Metriken machen den Betrieb leichter.

JAXenter: Mit dem Eclipse MicroProfile hat sich ein eher wieder an Java EE bzw. Jakarta EE angelehnter Konkurrent zu Spring Boot herausgebildet. Was haben die beiden Projekte gemeinsam?

Eclipse MicroProfile und Spring Boot haben enorm viel gemeinsam.

Tim Zöller: Enorm viel. Zum einen versucht MicroProfile, genau die Konzepte abzudecken, die Spring Boot erfolgreich machen: geringe Konfiguration, Health Checks, Metriken, Resilience-Maßnahmen – viele Features, die den Betrieb von mehreren, vernetzten Services in der Cloud vereinfachen. Wenn man die gleichen Dinge mit beiden Frameworks umsetzt, fällt sehr schnell auf, dass auch die Konzepte ähnlich umgesetzt sind: REST Clients in MicroProfile sehen beispielsweise OpenFeign REST Clients aus Spring Boot sehr ähnlich, Spring REST Controller werden fast gleich aufgebaut wie REST Services mit JAX-RS. Das setzt sich in den meisten Konzepten fort.

JAXenter: Und wo liegen die Unterschiede?

Tim Zöller: Technisch liegen die Unterschiede darin, dass MicroProfile lediglich das API definiert, welches von den verschiedenen Herstellern umgesetzt wird, etwa von OpenLiberty, Thorntail oder Payara Micro. Das API versucht, hierbei sämtliche Themen zu erfassen: REST Clients, REST Services, Fault Tolerance, Configuration, Health, Metrics, usw. Bei Spring Boot existieren diese Konzepte auch, aber als Bibliotheken im Spring-Boot- oder Spring-Cloud-Umfeld, die Entwickler bei Bedarf in die Anwendung einbinden können. Ein weiterer Unterschied ist, dass MicroProfile komplett im Besitz einer offenen Community ist, welche den Standard vorantreibt.

Spring oder Java EE – der alte Kampf?

JAXenter: Zurück zum alten Gegensatz Spring versus Java EE: Läuft es aus deiner Sicht nun auf eine Neuauflage unter dem Banner Spring Boot versus Eclipse MicroProfile hinaus?

Tim Zöller: Ich glaube nicht, dass diese Diskussion wieder so grundsätzlich aufkommt. Anwendungslandschaften sind heute homogener als damals. Wenn man 25 Services in Produktion laufen hat, spricht nichts dagegen, die einen in Spring Boot und die anderen mit MicroProfile umzusetzen. Die Kommunikation erfolgt ohnehin über definierte Protokolle.

Spring Boot hat bereits ein gigantisches Ökosystem, welches fertige Lösungen für viele Anwendungsfälle, gerade in der Cloud, bereitstellt. Diese haben sich oft schon in ganz großen Maßstäben bewiesen, z.B. im Einsatz bei Netflix. Wenn Service Discovery, clientseitiges Loadbalancing und eine Einbindung in spezielle Monitoring-Systeme gefragt sind, ist Spring Boot nahezu konkurrenzlos.

Allerdings verlagern sich ebendiese Funktionen zunehmend in die Infrastruktur und werden, z.B. bei einem Einsatz auf Kubernetes, seltener in die Applikation eingebaut. Die Stärke von MicroProfile liegt darin, dass es nur einen Standard beschreibt, keine Implementierung. Neben den „üblichen Verdächtigen“ wie OpenLiberty, Thorntail oder Payara Micro ist es auch möglich, eine Applikation, die gegen diesen Standard entwickelt wurde, auf Implementierungen ausführen zu lassen, die speziell für kleine und schnelle Programme entwickelt wurden. Beispiele sind hier KumuluzEE oder Quarkus.

Sowohl Spring Boot als auch Eclipse MicroProfile stellen großartige Tools bereit.

JAXenter: In deiner JAX-Session Eclipse MicroProfile vs. Spring Boot: getting back in the Ring! nimmst du beide Frameworks genauer unter die Lupe. Was ist die zentrale Botschaft, die du den Teilnehmern mit auf den Weg geben möchtest?

Tim Zöller: Sowohl Spring Boot als auch Eclipse MicroProfile stellen großartige Tools bereit, um die Entwicklung von schlanken, leicht konfigurier- und wartbaren Anwendungen zu ermöglichen. Es ist eher eine Geschmacksfrage als ein „richtig“ oder „falsch“.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

 

Tim Zöller beschäftigt sich seit zehn Jahren beruflich mit Java, zum Spaß entwickelt er auch mal Software in Clojure. Er arbeitet als IT-Berater und Softwareentwickler bei der ilum:e informatik ag und ist Mitgründer der JUG Mainz.

 

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: