Softwaretrends 2013

Mirko Schrempp
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Social Business, Mobility, Cloud Computing, Big Data – der digitale Wandel wird heute vor allem sichtbar an der Arbeitsweise und den Arbeitsgeräten der User. Die neuen Trends schaukeln sich gegenseitig hoch. Noch nicht alle Unternehmen haben erkannt, wie sie die Potenziale nutzen können. Gerade Big Data steht hier für größere Unternehmen im Mittelpunkt. Ivo Körner, Vice President Software Group, IBM Deutschland, sieht hier eine große Chance für diese Unternehmen.

JAXenter: War 2012 das Big-Data-Jahr?

Ivo Körner: Big Data war 2012 eines der ganz großen IT-Themen und der Trend wird sicher noch länger anhalten, denn er bietet den Unternehmen herausragende Möglichkeiten, sich vom Wettbewerb abzuheben und die Daten produktiv für sich zu nutzen. Die Unternehmen durchleben zurzeit durch das Entstehen gigantischer Datenmengen einen enormen Transformationsprozess, der für viele Seiten nützlich ist. Für die Kunden, da Angebote noch besser an ihre Wünsche angepasst werden können; für die Unternehmen durch bessere Entscheidungsgrundlagen und nicht zuletzt für Anbieter wie uns, die wir mit unseren Innovationen diese Entwicklungen natürlich weiter vorantreiben wollen.

JAXenter: Was wird uns hier 2013 erwarten?

Körner: Unternehmen investieren mehr und mehr in Big Data. Die Technologien werden in naher Zukunft zum Standard werden und für immer mehr Branchen immer bessere Möglichkeiten eröffnen. Zu denken wäre da etwa an Reports und Analysen in Echtzeit, schnelleres Krisenmanagement, verkürzte Reaktionszeiten im Customer Service und vieles mehr. Letztlich geht es ja darum, die unermessliche Fülle an Daten effizient auszuwerten und für das Unternehmen produktiv nutzbar zu machen. Das gilt im Übrigen auch für den Mittelstand und sogar für kleine Unternehmen. Beispielsweise erstellt Meteolytix für eine deutsche Bäckereikette taggenau detaillierte Vorhersagen für den Absatz der Brot- und Brötchensorten sowie von Feingebäck. Die IT-gestützten Prognosen sind wesentlich genauer als die bisher üblichen Schätzungen, weil sie nicht mehr nur auf Verkaufsdaten aus der Vergangenheit beruhen, sondern auch die Wettervorhersage des nächsten Tages berücksichtigen. Meteolytix hat festgestellt, dass offenbar ein starker Zusammenhang zwischen Wetterlage und Kaufverhalten der Kunden besteht.

JAXenter: Zwei Faktoren, die Big Data antreiben, sind die Trends Social und Mobile. Es sieht so aus, als würde das Frontend wieder interessanter für IT-Investitionen. Woher kommt diese Entwicklung?

Körner: Der Mensch ist ein soziales Wesen, und er ist mobiler als je zuvor. Die Zusammenarbeit mittels sozialer Plattformen unter verstärktem Einsatz mobiler Endgeräte wird ständig beliebter. Ideen und ganze Innovationsprozesse von Unternehmen leben von Austausch und Spontanität. Außergewöhnliche Ergebnisse basieren gleichermaßen auf dem Engagement der Mitarbeiter wie dem Spaß daran, sich rasch untereinander auszutauschen und mitzuteilen. Das ist der Gedanke, der hinter Social und Mobile steht und den Unternehmen für ihre Geschäftsziele nutzbar machen wollen. In unserer neuen CEO-Studie geben 52 Prozent der Befragten an, erhebliche Änderungen zu planen, um die interne Zusammenarbeit mittels Social Business zu verbessern.

JAXenter: Wie hoch schätzen Sie das von Big Data ausgehende Sicherheitsrisiko ein?

Körner: Jeden Tag produzieren Sensoren, Social Media, GPS-Signale und Handelstransaktionen circa 2,5 Trillionen Bytes an Daten. 90 Prozent der Daten in der heutigen Welt sind in den letzten zwei Jahren entstanden. Natürlich birgt das auch Risiken, mit denen man sich befassen muss. Viel wichtiger in diesem Zusammenhang aber ist, dass sich heute kein Unternehmen mehr erlauben kann, die Big-Data-Chance zu missachten. Eine neue Studie, die wir zusammen mit der Saïd Business School an der Universität Oxford durchgeführt haben, zeigt, dass die Firmen sich intensiv mit Big Data auseinandersetzen: 63 Prozent der Unternehmen glauben heute, mit Big-Data- und Analytics-Technologien Wettbewerbsvorteile erlangen zu können – 2010 waren lediglich 37 Prozent dieser Auffassung – ein Anstieg um 70 Prozent in zwei Jahren. Drei Viertel der Befragten bauen momentan den Big-Data-Bereich aus.

JAXenter: Das Thema „Bring your own Device“ offenbart für viele Unternehmen ein schwer lösbares Dilemma. Was empfehlen Sie Unternehmen?

Körner: Die Unternehmen müssen sich zukünftig sicher verstärkt mit dem Thema „BYOD“ auseinandersetzen. Die Mitarbeiter werden zunehmend ihre eigenen Geräte im Unternehmensprozess einsetzen. Das bestätigt auch eine aktuelle IBM-Umfrage, wonach bis 2016 mehr als 200 Millionen Beschäftigte eigene Geräte am Arbeitsplatz nutzen wollen. Gleichzeitig wird es damit für die IT natürlich immer schwieriger, hinsichtlich Datenaustausch und -sicherheit, die Kontrolle zu behalten. Die Herausforderung besteht somit darin, Lösungen anzubieten, die beide Interessen miteinander in Einklang bringt. Die aktive Nutzung eigener mobiler Geräte auf der einen Seite und gleichzeitig die Gewährleistung aller sicherheitsrelevanten Aspekte in der IT-Landschaft auf der anderen. Dabei wird der Mitarbeiter selbst als entscheidender Sicherheitsfaktor mehr in den Fokus rücken. Unternehmen sollten daher eine angemessene BYOD-Strategie entwickeln, die Vereinbarungen zur Nutzung eigener Geräte im Unternehmen mit technischen Maßnahmen kombiniert.

JAXenter: Sie haben bereits erwähnt, dass mit BYOD auch eine nicht zu unterschätzende Sicherheitsherausforderung verbunden ist. Je mehr Endpunkte ein Unternehmensgeflecht aufweist, desto mehr potenzielle Einfallstore gibt es. Sind die Unternehmen darauf vorbereitet?

Körner: Der Mitarbeiter selbst muss für die Sicherheitsrisiken bei der BYOD-Nutzung sensibilisiert werden. Je vielfältiger die Kommunikationsformen, desto größer ist das Gefahrenpotenzial. Hinzu kommt: Wenn immer mehr Dokumente größeren Umfangs geteilt, verschickt, gepostet, rauf- und runtergeladen werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass hier vertrauliche Informationen in die falschen Hände gelangen. Mitarbeiter sind hier neben Hackern die riskantesten Akteure. Neue Sicherheitslösungen müssen deshalb durch Analytics-Technologien angereichert werden. Diese ermitteln beispielsweise Korrelationen zwischen aktuellen Ereignissen und historischen Datensätzen oder bestimmten Nutzerprofilen. Auf diese Art und Weise erkennen sie bestimmte Gefahrenmuster, was hilft, Attacken im Vorfeld zu neutralisieren.

JAXenter: Inwiefern sehen Sie einen Nutzen durch Big Data für den Handel? Besteht hier Nachholbedarf?

Körner: Die Veränderungen am Markt vollziehen sich rasend schnell. Da sind die richtigen Entscheidungen und flexibles Handeln gefragt. Grundlage für beides sind aussagekräftige und vor allem aktuelle Zahlen. Wer im Handel zukunftsfähig bleiben will, muss sich daher jetzt mit Lösungen und Software auseinandersetzen, die eine effiziente Analyse relevanter Geschäftsdaten erlauben. Diese Entwicklung müssen sich alle Entscheider im Handel vor Augen halten.

JAXenter: Vielen Dank.

Aufmacherbild: Illuminated sing with Trends 2013 von Shutterstock / Urheberrecht: StockPhotoAstur

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Mirko Schrempp
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