Interview mit Tracy Miranda, Director of Open Source Community bei CloudBees

Softwarearchitektur im Fokus: „Macht nichts, nur weil es Netflix auch macht“

Gabriela Motroc

Tracy Miranda

Softwarearchitektur ist für viele Entwickler ein zentrales Thema ihrer alltäglichen Arbeit. Monolith oder Microservices? Serverless oder eben doch klassisch? Im Interview, das wir mit ihr im Zuge der JAX London 2018 geführt haben, spricht Tracy Miranda, Director of Open Source Community bei CloudBees, über die Architekturtrends des Jahres, die Zukunft von Serverless und ob Microservices bald zum Standard werden.
 

JAXenter: Ist Software Reliability eine einfache geschäftliche Entscheidung oder hat dies weitreichendere Konsequenzen? Was bedeutet dies für Entwickler?

Tracy Miranda: Wenige haben eine Vorstellung davon, was Software Reliability eigentlich bedeutet, weshalb Begriffe wie die gefürchteten „fünf 9er“ in Bezug auf die garantierte Uptime (99.999% Uptime bedeutet so viel wie 5 Minuten Downtime pro Jahr) herumgeschrien werden – meist von den gleichen Leuten, die auch jammern, wenn Slack oder GitHub mal für eine Minute nicht erreichbar sind. Das größte Problem ist, dass man Software Reliability nicht einfach nachträglich irgendwie einbauen kann. Sie muss direkt Teil des Designprozesses sein und gleich zu Beginn eines Projektes berücksichtigt werden, wenn architektonische Entscheidungen getroffen werden. Das Ganze sollte proaktiver und weniger reaktiv angegangen werden.

JAXenter: Die Architektur wird oft als separat vom Entwicklungsprozess betrachtet. Warum ist das so und wie sollte die Beziehung der beiden bestenfalls aussehen?

Tracy Miranda: Ist das so? Wer macht denn sowas?

JAXenter: Hast du vielleicht ein paar Tipps und Tricks für den modernen Umgang mit Softwarearchitektur?

Tracy Miranda: Ein guter Leitsatz ist „Macht nichts, nur weil es Netflix auch macht“. Man muss seine Probleme und seine Kunden verstehen. Manchmal ist es einfach besser, eine alte Architektur innovativ weiterzuentwickeln als auf neue zu setzen, die man nicht richtig betreuen kann – Container brauchen große Teams.

JAXenter: Wie wichtig sind sogenannte Softskills beim Erschaffen einer nutzerfreundlichen Architektur?

Tracy Miranda: Unabdingbar. Genau wie vielfältige Teams in der Hinsicht unabdingbar sind.

JAXenter: Ein Architekturansatz – Serverless – entwickelt sich zurzeit rasend schnell. Was genau bringt Serverless?

Tracy Miranda: Man sagt gemeinhin, dass man bei Serverless keine Kosten für Leerlauf auf dem Server bezahlt. Richtiger ist aber, dass man die Kosten mit allen anderen Nutzern teilt. Der große Vorteil für Entwickler liegt in der Fähigkeit dieser Server, extrem schnell zu skalieren. Unternehmen profitieren hingegen davon, dass sie, basierend auf reichhaltigem Feedback durch die Nutzer, ihre Services viel individueller zu Geld machen können.

JAXenter: Wie wird sich Serverless in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln?

Tracy Miranda: Unternehmen werden immer mehr Angebote im Serverless-Umfeld in die Welt setzen, derzeit gibt es extrem viele Composition Frameworks wie AWS Step Functions, Microsoft Durable Functions, Huawei FunctionGraph usw. Irgendwann wird eine Konsolidierung stattfinden. Ich persönlich finde, dass das Tooling für Serverless noch sehr zu wünschen übrig lässt, das muss sich bald ändern.

JAXenter: Welchen Einfluss auf DevOps wird Serverless haben, wenn es einen höheren Reifegrad erreicht?

Tracy Miranda: Die DevOps-Gemeinde nimmt keine Server mehr in Betrieb oder führt Arbeiten auf niedriger Ebene aus. Stattdessen müssen sie die Architektur bis ins Detail verstehen lernen und entsprechend komplexes Monitoring anwenden. Eine Person im Team muss sich darauf spezialisieren, mit dem Serverless Provider zusammenzuarbeiten, falls etwas schief geht: Etwa um Vergrößerungen der Kapazität zu erhalten, wenn Limits überschritten werden müssen, oder wenn die eigene Anwendung offline genommen wird, weil sie aussieht wie eine App für das Minen von Bitcoins.

JAXenter: Werden sich Microservices als Standardarchitekturansatz durchsetzen? Wieso bzw. wieso nicht?

Tracy Miranda: Eher nicht, denn es ist nicht leicht, Microservices richtig einzusetzen. Einige sprechen darüber, als wäre es der Standard, aber nur sehr wenige sind wirklich „Microservices-ready“.

JAXenter: Die Sicherheit steht immer mehr im Fokus, da die Gefahren steigen. Wie kann man in der Softwareentwicklung eine gesunde Balance zwischen dem Bedenken von Sicherheitsaspekten und der Innovation erreichen?

Tracy Miranda: Indem wir verstehen lernen, dass alle Open-Source-Projekte, die wir nutzen oder auf denen wir unsere Anwendungen aufbauen, angemessene finanzielle Unterstützung benötigen.

JAXenter: Last but not least, welche Architekturtrends bestimmen das Jahr 2018 und die nahe Zukunft?

Tracy Miranda: Da ich ja nun bei CloudBees arbeite, kreisen meine Gedanken natürlich rund um Continuous Delivery und GitOps. Operation by Pull Request wird zum Schlüssel für das effektive Durchführen großer Änderungen an Architekturen werden. Etwa dann, wenn man eine umfangreiche Observability in die eigene Anwendung integrieren will.

Tracy Miranda is a developer, open source evangelist and veteran of the Eclipse community. She is Director of Open Source community at CloudBees and now works closely with the Jenkins community. Tracy has a background in electronics system design, including patents for her work on processor architectures. She writes for jaxenter.com and opensource.com on tech, open source & diversity.
Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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