Interview mit Richard Attermeyer

„Eine der Aufgaben eines Softwarearchitekten ist es, die Stakeholder zu verstehen“

Hartmut Schlosser

Richard Attermeyer

Wie baut man eine Continuous-Delivery-Plattform? Software-Architekt Richard Attermeyer plädiert dafür, hierzu die selbe Werkzeugpalette zu nutzen, die auch bei der Anwendungsentwicklung zum Einsatz kommt. Welche Rolle insbesondere Empathy Maps und Event Storming dabei spielen können, erklärt er uns im Interview.

JAXenter: Auf der DevOpsCon beschreibst du den Bau einer Continuous-Delivery-Plattform aus der Sicht eines Software-Architekten. Deine Session heißt Eat your own Dogfood.“ Wieso dieser Titel?

Empathy Maps strukturieren die Personen-
beschreibung, um einen Kunden besser zu verstehen.

Richard Attermeyer: Wenn wir den Auftrag für die Erstellung eines Anwendungssystems haben, dann holen wir eine Menge an Werkzeugen aus unserem Köcher, um den Kunden, die Domäne, Architekturtreiber und Constraints zu verstehen. Viel zu selten nutzen wir diese Werkzeuge, wenn es um den Entwurf unserer eigenen Produktionssysteme geht, etwa unserer Continuous-Delivery-Plattform. Ich zeige, zu welchen Einsichten man kommen kann, wenn wir unsere eigenen Methoden nutzen.

JAXenter: Eine dieser Methoden sind sogenannte Empathy Maps. Was kann man sich darunter vorstellen?

Richard Attermeyer: Viele kennen das Konzept der Personas. Eine Persona stellt einen Prototyp für eine Gruppe von Nutzern mit gewissen Eigenschaften und Verhalten dar. Empathy Maps strukturieren die Personabeschreibung, um einen Kunden besser zu verstehen: Was treibt ihn an? Was hält ihn wach? Welchen Gewinn möchte er aus der Nutzung unserer Software erzielen? Man versucht sich also in die Rolle des Nutzers eines Systems zu versetzen.

JAXenter: Weshalb sind Empathy Maps für Softwarearchitekten interessant?

Richard Attermeyer: Eine der Aufgaben eines Softwarearchitekten ist es, die Stakeholder zu identifizieren und zu verstehen, die an dem Produkt interessiert sind. Häufig haben Stakeholder unterschiedliche Interessen. Sich diesen Konflikten beim Entwurf bewusst zu sein, hilft beim Treffen von Architekturentscheidungen und später auch bei der Einführung des Produkts. Dies ist ein Baustein, um mögliche Widerstände frühzeitig erkennen und im Rahmen eines passenden Change-Facilitation-Prozesses aufgreifen zu können.

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JAXenter: Ein anderes Mittel, das du beschreibst, ist Event Storming, um das Verständnis von Prozessen besser zu verstehen. Wie funktioniert das?

Eine der Aufgaben eines Softwarearchitekten ist es, die Stakeholder zu identifizieren und zu verstehen.

Richard Attermeyer: Vielleicht werde ich gesteinigt, aber mein Elevator Pitch für ältere IT-Hasen ist: Event Storming ist eine Workshop geeignete Version von Ereignis-gesteuerten Prozessketten (EPKs). Dabei werden mittels Klebezetteln Geschäftsprozesse in der Domäne modelliert. Der Fokus liegt also auf den fachlichen Events und nicht auf der technischen Umsetzung. Es ist wichtig, dass aus „Code wurde gepusht“ eine Aktion im CI-Build-System resultiert, nicht aber, wie dies mittels Web Hooks etc. realisiert wird.

JAXenter: Wie können nun Empathy Maps und Event Stroming dabei helfen, eine CD-Plattform zu bauen?

Richard Attermeyer: Wenn man sich über die Stakeholder und die Prozesse Gedanken macht, dann wird man sehen, dass es nicht damit getan ist, nur zu sagen: Wir nehmen Kubernetes und Jenkins und machen Trunk-Based Development. Stattdessen sollte man sich fragen: Was für eine Art von Projekte mache ich. Sind es Schnellbootprojekte (viele, dafür wenig komplexe und mit kurzer Laufzeit) oder entwickle ich ein System mit einer Microservices-basierten Architektur, welches viele Teams mit sehr heterogenen Anforderungen unterstützen muss?

JAXenter: Was ist die Kernbotschaft deiner Session, die jeder mit nach Hause nehmen sollte?

Richard Attermeyer: Wir haben alle unterschiedliche Erwartungshaltungen an eine CD-Plattform. Gleichzeitig sehe ich die Gefahr, dass wir schnell dem Cargo Cult erliegen. Stattdessen sollten wir uns auf unser Handwerk konzentrieren, von den Architekturtreibern und Randbedingungen ausgehen und dann ein passgenaues System entwerfen.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

Richard Attermeyer arbeitet als Senior Solution Architect bei der Opitz Consulting Deutschland GmbH. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Architektur und Implementierung von Anwendungen im agilen Umfeld. Er fokussiert sich dabei aktuell auf flexible Architekturansätze rund um Microservices, Cloud, DevOps und Continuous Delivery.
Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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