JAX-Keynote von Mirko Novakovic

Software is Eating the World

Mirko Schrempp

Den ermutigenden Appell Matthias Steiners (SAP) an die Entwickler: „Manchmal ist es einfacher, um Verzeihung zu bitten, als lang um Erlaubnis zu fragen“ griff Mirko Novakovic, Vorstand und Mitgründer der codecentric AG, auf, als er den Staffelstab für die zweite Mittwochs-Keynote übernahm. Unter dem Titel „Software is Eating the World“ eröffnete er mit zahlreichen Beispielen von Unternehmen, die mit cloudbasierten Angeboten außerordentlichen Erfolg haben und damit traditionelle Unternehmen, ganz im Sinne des Wirtschaftsdarwinismus, vom Markt verdrängt haben.

Dazu zählen beispielsweise Netflix, das Unternehmen, das als Video-on-Demand Anbieter in den USA die Videotheken in die Knie gezwungen hat, aber auch Online-Händler wie Amazon oder Zalando, die im Gegensatz zu Quelle oder Otto die Zeichen der Zeit erkannt haben und dank guter Software statt dicker Kataloge erfolgreich sind. Interessant ist dabei, dass aus dem Online-Buchhändler Amazon ein IT-Provider-Marktführer geworden ist, der z.B. Netflix 16.000 Server zur Verfügung stellen kann, und damit die klassischen IT-Anbieter in den Schatten stellt.

Erstaunlicherweise ist keiner der großen „Tanker“ der IT-Industrie im Cloud-Bereich mit vorne dabei. Novakovic hatte noch weit mehr Beispiele zur Hand, wie Skype, Air B&B oder Facebook. Das Bild ist klar, es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, mit IT-Know-How richtig erfolgreich zu sein und Geld zu verdienen – man muss es nur tun. Und jeder kann es, so Novakovic, die Technologie ist da, und sie kostet nicht die Welt, ist für ein Start-up sogar wesentlich billiger als eigene Server anzuschaffen und Dienste aufzusetzen.

Aber auch große Unternehmen können die Cloud nutzen, warum sollte eine alt eingesessene Bank nicht auch neunmal am Tag deployen – wenn Facebook das kann, können andere das auch. Dass es nicht passiert, liegt nach Ansicht Novakovics daran, dass Innovation nicht ernst genommen wird.

Eigentlich müsste CIO „Chief Innovation Officer“ bedeuteten und die Energie der IT nicht damit verschwendet werden, bestehende System permanent zu optimieren und Unmengen von Geld in die Wartung zu stecken. Das ist heute die IT-Realität und „kein Pferd ist so tot, dass es nicht noch geritten werden kann“. Wer in den nächsten drei Jahren nicht merkt, dass er auf dem falschen Pferd sitzt – um im Bild zu bleiben – der ist weg vom Fenster.

Auch Mirko Novakovic sieht genug Chancen für den Einstieg. Er skizziert ein Dreieck aus Cloud, Mobile und Social Web, in dessen Mitte „Big Data“ steht – er hat das „Die drei disruptiven Megatrends“ genannt, „ein Sch***name, aber mir ist noch nichts Besseres eingefallen“. Aber im Spannungsfeld dieses Dreiecks liegen viele Möglichkeiten. Ein Teil des Geldes aus der Optimierung und Wartung, dem am Leben Erhalten der alten System, solle man in die Innovation stecken – „von der Optimierung zur Innovation“.

Das müssen nicht unbedingt kleine Startups sein, das können auch Startups im Unternehmen sein. Damit habe auch codecentric eigene erfolgreiche Erfahrungen gemacht. Dort habe man vor ein paar Jahren die Idee zu Centerdevice, eine Art Dropbox mit Collaboration, gehabt, einfach, weil der Use Case intern da war. Man habe dann angefangen, ausprobiert, und ist bei etwas Anderem gelandet und hat weitergemacht. Centerdevice hat dann Venture Capital bekommen und ist inzwischen eine eigene GmbH. Diese Möglichkeit habe jedes Unternehmen, man müsse sich nur die Zeit nehmen – oder einfordern – und ein Budget dafür frei machen, schloss Novakovic seine Keynote, denn
„Ihr Produkt kann die nächste Innovation sein!“

PS: Der Titel der zweiten Keynote bezieht sich auf den lesenswerten Artikel Why Software is eating the World von Marc Andreessen.

Geschrieben von
Mirko Schrempp
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