Zur Übernahme von Terracotta durch die Software AG

Software AG & Terracotta: Wolkige Aussichten

Die Übernahme des Java-Caching-Spezialisten Terracotta durch die Software AG ist mit dem erklärten Ziel verbunden, eine Platform-as-a-Service-Lösung für Java-Enterprise-Systeme bereit zu stellen. Was dieser Schritt für die Software AG, Terracotta und die Java-Community bedeutet, besprechen wir mit Terracotta-Spezialisten Sascha Möllering.

JAXenter: Die Software AG hat mit Terracotta ein Unternehmen erworben, das sich intensiv mit Caching- und In-Memory-Lösungen für Java-Enterprise-Anwendungen beschäftigt. Wie bewerten Sie die Übernahme?

Sascha Möllering: Ich halte die Übernahme für erfolgversprechend. Terracotta ist eine erstklassige Software, die das Portfolio der Software AG sinnvoll erweitert – und zwar dahingehend, dass sie sich gut in die Cloud-Strategie des Unternehmens einpasst. Die Kunden der Software AG werden sicherlich schon in naher Zukunft von den Skalierungsmöglichkeiten der Terracotta-Produkte BigMemory und Enterprise Ehcache profitieren können.

JAXenter: Die Übernahme ist mit dem Ziel der Software AG verbunden, eine PaaS-Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Welche Vorteile kann dabei die Einbindung der Terracotta-Technologien mit sich bringen?

Sascha Möllering: Die Terracotta Cloud Tools sind hervorragende Werkzeuge, um die Provisionierung und Skalierung von Applikationen in der Cloud zu managen. Darüber hinaus unterstützen diese Tools unterschiedliche Cloud-Architekturen, zum Beispiel Xen-basierte Clouds, was zusätzliche Flexibilität bei der Wahl der darunterliegenden Virtualisierungs-Architektur bringt. Ehcache in Verbindung mit BigMemory als „in-memory-data-store“ ist eine hervorragende Basis, um die Flexibilität erreichen zu können, die PaaS-Infrastrukturen erfordern.

JAXenter: Springt die Software AG lediglich auf den bereits laufenden Cloud-Computing-Zug auf oder birgt die Kombination „Software AG + Terracotta“ die Chance auf etwas wirklich Neues, das es so bei der Konkurrenz noch nicht gibt?

Sascha Möllering: Meiner Ansicht nach möchte auch die Software AG einen Stück aus dem Cloud Computing-Kuchen haben, was u.a. daran deutlich wird, dass ARIS und webMethods erst in Q3 2011 in der Cloud – private und public-Cloud – nutzbar werden. Dessen ungeachtet begrüße ich es natürlich, dass weitere Enterprise-Anwendungen Cloud-fähig werden.

JAXenter: Wie wird sich die Übernahme auf den Open-Source-Charakter der Terracotta-Projekte auswirken?

Sascha Möllering: Terracotta wird unter zwei Lizenzen vertrieben: zum einen als Open-Source-Version mit einer abgewandelten MPL und zum anderen als kommerzielles Produkt mit der Terracotta Enterprise License (TEL). Ein Fork der Open-Source-Version wäre somit möglich, falls sich Terracotta dazu entscheiden würde, den Open-Source-Teil durch proprietären Code zu ersetzen. Aber ich hoffe, dass die Software AG die sehr erfolgreiche Dual-Licensing-Strategie beibehält.

JAXenter: Vielen Dank für Ihre Einschätzung.

Sascha Möllering ist Systemprogrammierer
bei einer großen Versicherung und
arbeitet dort im Bereich Application
Server. Er beschäftigt
sich intensiv mit der
Enterprise-Java-Softwareentwicklung
und war in diesem Bereich bereits bei
zahlreichen Projekten beteiligt.
Twitter: @sascha242
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