Dr. Wolfram Jost über die Terracotta-Übernahme durch die Software AG

Software AG: Mit Terracotta in die Cloud

Mirko Schrempp

Anfang der Woche überraschte die Software AG mit der Nachricht, den amerikanischen In-Memory-Spezialisten Terracotta zu übernehmen. Die Technologien von Terracotta, das mit Ehcache eine Standardlösung für Enterprise-Java-Caching-Prozesse bereitstellt, sollen schon Ende des Jahres in das Produktportfolio der Software AG eingebunden werden und die Grundlage für das neue Cloud-Angebot der Software AG bilden.

Damit geht das Darmstädter Unternehmen den nächsten Schritt auf seinem stetigen Wachstumskurs. Seit den Übernahmen von WebMethods 2007 und der IDS Scheer AG Mitte 2010 hat sich das Unternehmen kontinuierlich vergrößert und seinen Umsatz im vergangenen Jahr auf über eine Milliarde Euro gesteigert. Mit der neu erworbenen Technologie will das Unternehmen seine Prozess-Expertise konsequent in die Cloud erweitern und eine Platform-as-a-Service-Lösung anbieten. Die bei Java-Entwicklern weitverbreiteten Terracotta-Lösungen sind zugleich auch die Eintrittskarte in eine aktive Open-Source-Community, die auch weiterhin unterstützt werden soll. Auch in dieser Hinsicht folgt die Software AG ihrer Tradition, ihre Produkte sowohl für die IT wie für die Business-Seite seiner Kunden anzubieten. Wir hatten die Gelegenheit, mit Dr. Wolfram Jost, CTO und Vorstand der Software AG, über die Eckpunkte der neuen Strategie zu sprechen.

Herr Jost, was genau können Ihre Kunden von einer Software AG „Platform as a Service“ erwarten und auf welcher Infrastruktur soll sie laufen? Wird die Software AG eventuell selbst auch Infrastrukturanbieter?


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Dr. Wolfram Jost: Wir wollen kein Infrastrukturanbieter werden wie Amazon, Google etc., das ist nach unserer Ansicht kein Markt für die Software AG. Unsere Plattform as a Service wird auf den genannten Infrastrukturplattformen laufen. Als erstes werden wir mit Amazon arbeiten, das Angebot dafür wird ab September verfügbar sein. Natürlich werden wir aber auch Privat Clouds, also kundenspezifische Infrastrukturumgebungen unterstützen. Also ganz klar: Die Software AG wird kein Anbieter von Infrastructur as a Service, wir konzentrieren uns auf Platform as a Service und sind offen für verschiedene Infrastrukturanbieter.

Das heißt, aus ihrer Sicht sind unterschiedliche Cloud-Modelle wie Privat, Public oder Hybrid Cloud vorstellbar?

Dr. Jost: Wir glauben, dass es in der nahen Zukunft verschiedene Entwicklungsstufen des Cloud-Themas geben wird, vor allem, wenn wir über Platform as a Service reden. Aus Sicherheitsgründen und all den anderen Aspekten, die man als Vorteile sieht, ziehen viele Kunden momentan die Private Cloud noch vor. Im nächsten Schritt wird man zu Hybrid-Modellen übergehen, d. h., dass man gewisse Services aus der Public Cloud bezieht, aber andere Services noch intern hat. Zum Beispiel können wir uns aus Software AG Sicht vorstellen, dass jemand Process bzw. Business Modeling als Public Service bezieht, während Process Execution oder Application Integration noch im Private-Modus laufen. Es wird also eine Entwicklung von der Private Cloud hin zur Hybrid Cloud geben, und wir gehen davon aus, dass dieses Modell für lange Zeit die Zukunft sein wird.

Terracotta bringt mit Ehcache eine der prominentesten Caching-Lösungen für Java-Enterprise-Anwendungen in die Software AG ein. Welche Rolle wird Ehcache als Produkt im Software-AG-Portfolio spielen?

Dr. Jost: Das Produkt wird eine zentrale Rolle einnehmen. Bei der Funktionalität, die wir uns eingekauft haben, geht es ja primär um In-Memory und Caching-Algorithmen und diese brauchen wir sowohl im traditionellen On-Premises-Geschäft, wie auch für die Cloud. Wir haben zunehmend mehr Kunden mit größeren Installationen, also mit tausenden von Prozessinstanzen auf 20 oder mehr Servern, und damit das noch hochperformant funktioniert, brauchen wir zukünftig diese Art von Technologie. Geschwindigkeit ist unserer Meinung nach auch eine wichtige Eigenschaft für On-Premises-Lösungen. Wenn wir aber an die Cloud denken, dann ist Geschwindigkeit die Grundvoraussetzung, um überhaupt effizient und profitabel zu arbeiten. In der Cloud weiß man nicht, wie viele Kunden, wie viele Daten gemanagt werden müssen. Deswegen braucht man in der Cloud etwas, das man als Elastic Scale bezeichnet, das heißt die Möglichkeit, sehr dynamisch neue Kapazitäten hinzuzuschalten oder Überkapazitäten abzuschalten. Und dafür sind die Themen In-Memory und Caching eben eine Grundvoraussetzung, das gilt sowohl für Public als auch für Private Clouds. Das Ganze ist daher eine Art Foundation für unsere Cloud-Architektur, die wir aber auch als On-Premises-Lösung anbieten werden.

Sie haben angekündigt, dass die Software AG auch den Open-Source-Charakter der Terracotta-Projekte berücksichtigt. Können Java-Entwickler weitermachen wie gewohnt?

Dr. Jost: Wir stehen ganz klar zu dem Open-Source-Modell, es wird keinerlei Änderungen geben. Es ist für die Software AG wichtig, jetzt auch ein Standbein im Open-Source-Bereich zu haben. Wir werden Terracotta als eine eigenständige Business Unit in der Software AG führen, um das vorhandene Know-how und das Business-Modell nicht zu gefährden. Wir stehen sowohl zum dem Open-Source-Ansatz als auch zu den OEM-Partnermodellen, die Terracotta ins Leben gerufen hat. Wir haben über eine Millionen Java-Entwickler, die das Produkt heute weltweit nutzen, und das geht nur über eine Open-Source-Community.

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Mirko Schrempp
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