Soft Skills in der Praxis: Wie Sie souverän auf Angriffe reagieren

Beachten Sie die folgenden Aspekte, wenn Sie sich angegriffen fühlen:

  1. Atmen Sie zunächst einmal tief durch, um Ihren Impuls zur Rechtfertigung oder zu einem Gegenangriff zu unterdrücken. Denn beides ist in der Regel kontraproduktiv.
  2. Fokussieren Sie sich dann auf das Interesse Ihres Gegenübers. Bitten Sie ihn zuerst, das Problem genauer zu beschreiben. Fordern Sie ihn dann auf, Lösungen vorzuschlagen und fragen Sie nach den Vorteilen, die diese Lösungen bieten. Finden Sie also heraus, welches Interesse hinter seiner Position steht.
  3. Suchen Sie bei Ihren Fragen immer nach den positiven, für Sie nachvollziehbaren und akzeptablen Aspekten in dem, was ihr Gegenüber sagt. Wenn Sie die Interessen Ihres Gegenübers erkannt haben, finden Sie vielleicht sogar eine Lösung, die sowohl seine Interessen als auch Ihre eigenen berücksichtigt.

Der Dialog mit dem Kollegen, der etwas rüde Ihre Arbeitsergebnisses kritisiert, verläuft dann vielleicht folgendermaßen:

Kollege: „Das Deployment ist doch unsinnig.“

Sie: Einmal ruhig durchatmen!…“Was genau ist denn an dem Deployment nicht in Ordnung?“

Kollege: „Da haben wir mehr Knoten als nötig sind und…“

Sie: „Wie wäre das Deployment denn aus Deiner Sicht besser?“

Kollege: „Wenn wir die Komponenten so zusammenfassen, dass…“

(Aha: Der Kollege hat sich auch schon Gedanken dazu gemacht.)

Sie: „Was genau wäre dann der Vorteil?“

Kollege: „Wir könnten einen Knoten einsparen und die Kosten würden runtergehen. Ich muss ja den Kopf für die Kosten hinhalten und wir haben dem Kunden zugesagt…“

(Aha: Der Kollege will die Requirements des Kunden berücksichtigen und keinen Ärger bekommen.)

Auch bei dem Gespräch mit der Sekretärin könnten auf diese Weise nachvollziehbare Absichten deutlich werden. Sie ist vielleicht daran interessiert, mit den Abrechnungen möglichst wenig Arbeit zu haben, oder Sie möchte sich absichern, dass alles den Richtlinien entspricht. Eventuell will sie auch gerade heute pünktlich Feierabend machen, weil es einen wichtigen Privattermin gibt. Das sind alles Interessen, die Ihnen einleuchten werden, wenn Sie sie kennen. Dann haben Sie auch die Möglichkeit, diese Interessen mit den Ihrigen zu verbinden.

Es gibt natürlich auch Fälle, in denen der Angreifer keine positiven Absichten verfolgt. Vielleicht will er Ihnen sogar explizit schaden. Dennoch ist es eine gute Strategie, wenn Sie einfach so tun, als ob es eine positive Absicht gäbe.

Durch das Einnehmen dieser Haltung erreichen Sie Folgendes:

  1. Sie werden nicht in ein Muster hineingezogen, in dem Sie sich verteidigen und defensiv agieren (siehe auch Artikel „Wie ich der Opferrolle im Drama-Dreieck entkomme. „).
  2. Solange Sie die Fragen stellen, führen Sie das Gespräch. Nach außen hin wirkt Ihre Reaktion auf den Angriff dadurch souverän, konstruktiv und lösungsorientiert.
  3. Öfters wird es Ihnen dadurch gelingen, die Diskussion in eine für Sie positive Richtung zu lenken. Im Idealfall finden Sie dann eine gemeinsame Win/Win-Position.

Also: Reagieren Sie in Zukunft souverän auf Angriffe, indem Sie sich nur einen Atemzug lang über die vordergründige Position Ihres Gegenübers ärgern und sich anschließend auf seine hintergründigen positiven Interessen konzentrieren.

Jörg Preußig ist selbständiger Trainer und Coach. Sein Schwerpunkt liegt in der Personalentwicklung für IT Fach- und Führungskräfte. Er war mehrere Jahre als Software Architekt bei einem internationalen Großkonzern tätig und hat als Dozent an der Fachhochschule Nord-West Schweiz unterrichtet. Er ist als Sprecher auf Konferenzen aktiv und bietet gemeinsam mit der Entwickler Akademie offene Soft Skill Trainings an.
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