Soft Skills Toolbelt - Teil 4

Soft Skills in der Praxis: Wie Sie gute Entscheidungen treffen

Dr. Jörg Preußig

Vielleicht kennen Sie die folgende Situation aus Ihrem Arbeitsalltag: Sie sitzen in einem Meeting und haben Bedenken bei einer Sache. Sie äußern diese aber nicht, weil Sie sich z. B. nicht ganz sicher sind oder keine Lust haben. Anschließend kommt es dann tatsächlich zu den Problemen, die Sie vorhergesehen haben. Oder kennen Sie die Situation, dass Ihnen eine Stelle im Code komisch vorkommt, aber Sie ignorieren dieses Gefühl aus Zeitgründen? Irgendwann knallt es dann genau an dieser Stelle und kostet Sie letztendlich um so mehr Zeit.

Wie können Sie solche „Patzer“ vermeiden? Zuerst einmal gilt es, sich klar zu machen, welchen Stellenwert das unbewusste Denken eigentlich hat. Diese Denkform wurde in Millionen von Jahren der Evolution darauf getrimmt, uns vor Gefahren zu warnen und positive Dinge verfolgen zu lassen. Der Vorteil dieser Denkform: Die Prozesse laufen in Sekundenbruchteilen ab, und das Ergebnis ist praktisch sofort da. Der Nachteil: Das Ergebnis ist nur binär, also „Stop“ oder „Go“. Das bewusste logische Denken setzt erst ein, wenn das Unbewusste seine Entscheidung längst gefällt und dem Bewusstsein in Form eines positiven oder negativen Impulses (im Fachjargon „somatischer Marker“) übermittelt hat.

Wenn wir im Einklang mit unseren somatischen Markern entscheiden, sind wir im „Selbstregulationsmodus“. Dieser Modus ist insofern erstrebenswert, als er das Leben (und Arbeiten) einfacher macht und letztlich auch die Basis für authentische Selbstsicherheit bildet. Wenn wir gegen unsere Impulse entscheiden, sind wir im „Selbstkontrollmodus“. Entscheidungen, die uns in den Selbstkontrollmodus bringen, die wir also mit unserem Bewusstsein gegen unsere somatischen Marker treffen, sind nur dann sinnvoll, wenn sie uns einen klaren, langfristigen Vorteil verschaffen. Menschen, die zu oft im Selbstkontrollmodus sind, bekommen irgendwann das Gefühl, im falschen Film oder gar Leben zu stecken. Die folgende Abbildung stellt den Selbstregulations- und Selbstkontrollmodus im Zusammenhang mit den somatischen Markern dar.

Abb.1: Entscheidungen und somatische Marker

Wahrscheinlich ist Ihnen das ja soweit auch schon bekannt. Die meisten guten Entscheidungen fällt man aus dem Bauch heraus. Wie kann ich diese Erkenntnis gezielt im Arbeitsalltag nutzen?

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Dr. Jörg Preußig
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