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Zwischen Großraumbüro und Personal Branding: Der Social Developer

Michael Thomas
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© Shutterstock/Peshkova

Netscape-Gründer Marc Andreessen stellte 2011 fest: „Software is Eating The World“. Einige Jahre später zeigt sich, dass er damit ziemlich richtig lag. Raffi Margaliot, seines Zeichens Vice President of Application Delivery Management bei HP, präzisiert Andreessens Aussage nun: Ihm zufolge sind es heute die „Social Developer“, die die Welt verspeisen.

Andreesens Einschätzung, dass Software-Unternehmen in der Lage sind, weite Teile der Wirtschaft zu erobern, zeigte sich zwischenzeitig an zahlreichen Beispielen: Softwaregestützte Technologien durchziehen sämtliche Industriesparten. Untenehmen, die auf sie verzichten, müssen mitunter heftige Wettbewerbsnachteile in Kauf nehmen, manchen Geschäftsmodellen droht gar der endgültige Untergang – Margaliot nennt beispielsweise die Reiesebüros, die durch Airbnb und Co. massiv unter Druck geraten.

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Je softwareorientierter die Unternehmen werden, desto größer logischerweise auch der Bedarf an talentieren Entwicklern. Vielmehr: Da Software mittlerweile ein zentraler Wettbewerbsfaktor ist, geht der Bedarf durch die Decke, was Margaliot auch mit Zahlen untermauern kann: Laut einer entsprechenden Untersuchung von Grassdoor sind in den USA mehr als die Hälfte der 25 der gefragtesten und bestbezahltesten Berufe dem Technologiesektor zuzurechnen; von diesen 14 sind wiederum 9 softwareorientiert (Programmierer, Architekten, Datenanalysten etc.). Aufgrund der heutigen Gegenheiten sind Unternehmen also im Zugzwang, kompetente Forschungs- und Entwicklungs-Teams zu unterhalten. Doch wie sehen die Wunsch-Entwickler aus?

Lesen Sie auch: Why Software is Eating The World

Der doppelte Entwickler

Da Software heute einen zentralen Aktivposten von Unternehmen darstellt, finden sich Entwickler mitunter, anders als in früheren Zeiten, am oberen Ende der „Nahrungskette“ – entsprechend wandelt sich das Bild, wie der perfekte Entwickler auszusehen hat. So suchen Forschungs- und Entwicklungsteams Margaliot zufolge vermehrt nach Entwicklern, die sowohl im Team arbeiten, bei Bedarf jedoch auch als Einzelkämpfer antreten können. Sie sollen Benutzeranforderungen verstehen und Verantwortung bei der Softwareauslieferung übernehmen. Die Cloud erlaubt es den Entwicklern, in Windeseile und hardwareunabhängig umfassende Tool- und Softwareprodukt-Portfolios zusammenzustellen. Auch die zunehmende Verbreitung leistungsstarker und leicht zu programmierender Smart Devices, auf die via Cloud weltweit zugegriffen werden kann, spielt für Margaliot eine Rolle.

Einer entsprechenden Umfrage von Stack Overflow zufolge verbringt der durchschnittliche Entwickler rund 6 Stunden pro Woche mit quelloffenen Neben- bzw. Hobbyprojekten. Für Margaliot ein Symptom der doppelten Rolle, die Entwickler heutzutage spielen: Neben ihrer klassischen Aufgabe in Unternehmen achten sie auch auf ihre Außenwahrnehmung, werden zum „Social Developer“. Soll heißen: Über lokale wie weltweit verteilte Communities entwickeln sie eine persönliche Marke (neudeutsch: Personal Branding), sei es durch Mitarbeit an einem quelloffenen Projekt auf GitHub, das Beantworten von Fragen auf Stack Overflow (und ähnlichen Seiten), oder auch mittels eines eigenen Technologie-Blogs. Manche Arbeitgeber sind sich Margaliot zufolge dieses Aspekts mehr als bewusst und zielen speziell auf „Social Developer“ ab, beispielsweise indem sie unternehmenseigene Blogs oder Präsenzen in den sozialen Medien betreiben.

All dies weist für Margaliot klar in eine Richtung: Der Aspekt der Außenwahrnehmung wird künftig ein ebenso wichtiges Einstellungskriterium wie der herkömmliche professionelle Werdegang sein. Umgekehrt werden Unternehmen, die diese Art von Entwickler im Rahmen ihrer Personalplanung vernachlässigen, Margaliots Ansicht nach einige der größten Programmiertalente durch die Lappen gehen.

Aufmacherbild: hand with chalk drawing concept social network people von Shutterstock / Urheberrecht: Peshkova

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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