SOA Governance –Technologie reicht nicht aus

MANGELNDE HAUSAUFGABEN

Das Aufsetzen der Prozesse ist ein Teil der gesamten SOA-Strategie. SOA-Governance ist inzwischen das Schlagwort, unter dem alles für die Einführung von SOA zusammenkommt. Entscheidend ist, dass Technologien, Architekturen und Prozesse zusammenspielen und als Einheit nach und nach ins Leben gerufen und ausgebaut werden. Einer der wichtigsten Fehler, die dabei gemacht werden, ist formal nicht ganz einfach zu beschreiben. Ich nenne es „nicht gemachte Hausaufgaben“.

SOA ist Neuland und es ist sicherlich für viele Entwickler und Systemarchitekten spannend dieses Neuland zu erforschen und alle möglichen Herausforderungen zu bewältigen. Das reicht nur leider nicht aus.

Selbst bei einem SOA-Standard wie Web-Services ist es nicht damit getan, sich für die entsprechenden Technologien zu entscheiden. Entscheidend ist, dass eine Infrastruktur und Prozesse aufgesetzt werden, die es den Teams, die die eigentliche Fachlichkeit programmieren, leicht macht, Services anzubieten und aufzurufen. Dies geht nur dadurch, dass die Teams, die die SOA in einem Unternehmen aufsetzen sich als Dienstleister der fachlichen Teams begreifen.

Ich höre immer wieder von massiven Akzeptanz-Problemen bei der Einführung von SOA. Dies führt dann oft auch bei den SOA-Teams, die für die Einführung von SOA zuständig sind

zu massiven Vorwürfen an die fachlichen Teams: „Die wollen SOA ja gar nicht einsetzen“. Dies ist allerdings ein Vorwurf, der auf die zentralen SOA-Teams zurückfällt. Es liegt in der Verantwortlichkeit von Querschnittteams, den fachlichen Teams zu helfen und nicht umgekehrt. Und wenn fachliche Teams ein Konzept nicht verwenden oder umsetzen wollen, heißt dass nur eines, nämlich dass schlechte Arbeit gemacht wurde. Fachliche Teams müssen SOA verwenden wollen.

DIENSTLEISTER FÜR DIENSTLEISTUNGEN

Schon bemerkenswert, denn im Grunde liegt das Problem darin, dass sich zentrale SOA-Teams viel zu oft nicht als Dienstleister verstehen oder aufstellen. Gleichzeitig wollen sie aber den Dienstleistungs-Gedanken im Unternehmen etablieren.

SOA-Teams müssen daher aktiv in die fachlichen Teams gehen und ihnen bei der Umsetzung von SOA helfen. Dazu muss es die entsprechende Bereitschaft und natürlich auch die notwendige Zeit geben. Nur so wird man sehen, was in der Praxis funktioniert und gleichzeitig jede Menge über unzureichende Werkzeuge, Prozesse und Policies lernen, was dann wiederum zu entsprechenden Verbesserungen führt. Zusammenarbeit ist auch hier gefragt.

Auf einen Punkt möchte ich in dem Zusammenhang noch hinweisen: Auch wenn man für den Aufbau von SOA einige Dinge braucht, die zentral entwickelt oder festgelegt werden müssen, so besteht das Ziel von SOA in Dezentralismus. Zentralismus skaliert nicht. Das Ziel der zentralen Festlegungen muss sein, dass man dezentral entwickeln kann. So darf es zum Beispiel nicht passieren, dass von einer Änderung an einem Service neben Anbieter und Konsument ein anderes Team oder System betroffen ist – auch kein zentrales Team, das die Änderung abnimmt oder eine zentrale Komponente, die angepasst werden muss. Überspitzt formuliert bedeutet das, dass sich das zentrale SOA-Team eigentlich selbst überflüssig machen muss. Doch den eigenen Kontrollverlust zu fördern, fällt vielen Menschen schwer.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass SOA nur dann als Strategie funktioniert, wenn man sich neben den technischen vor allem den organisatorischen Herausforderungen stellt. Ohne passende Prozesse und unterstützende organisatorische Maßnahmen, kann SOA nicht funktionieren. Dabei ist entscheidend, dass das Bewusstsein der beteiligten Personen stimmt und die notwendigen Hausaufgaben gemacht werden. Ein Schlüssel dazu ist Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Eine SOA, die man als Produkt oder Suite einkauft ist nicht mehr als ein Werkzeugkasten, mit dem man noch lange kein Haus bauen kann. Gutes Werkzeug ist notwendig, aber zu erfolgreicher SOA gehört sehr viel mehr. Eine Erkenntnis, die man in ersten Prototypen leider noch nicht sieht und die zu manch bösen Überraschungen führen kann.

Nicolai Josuttis, nj@it-communication.com, ist seit vielen Jahren als unabhängiger technischer Projektleiter, Systemarchitekt, Berater und Autor international tätig. Unter seiner technischen Leitung wurden in den Bereichen Finanzwesen, Telekommunikation, Verkehrstechnik, Automobilbau und Maschinenbau mehrere mittlere bis große kommerzielle Softwaresysteme erfolgreich realisiert. Derzeit arbeitet er als Teamleiter für die praktische Umsetzung einer internationalen SOA-Landschaft, die bereits mit mehr als 30 Systemen und über 400 Services produktiv ist. Er ist ein bekannter Sprecher und Autor verschiedener weltweit publizierter Bücher zur praktischen Softwareentwicklung. Sein neuestes Buch, „SOA in Practice“, erscheint im Sommer 2007 bei O’Reilly (siehe www.soa-in-practice.com).

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