Heimautomation realisieren

Smart Homes: Eine Spielwiese für Reiche und Bastler?

Redaktion JAXenter

Daniel Young

Hausautomation ist ein Luxus, sagt Daniel Young, CEO des im Technologiebereich tätigen Beratungsunternehmens DXY. Was bislang fehlt: Das Internet of Things muss beweisen, dass es das Leben der Menschen verbessert.

JAXenter: „Wie IoT-Systeme in Häusern lebendig werden“: Diesem Thema gehst du in deiner Session auf der IoTCon 2015 auf den Grund. Was macht den Unterschied zwischen einer leblosen Technologie und einem lebhaften IoT-System, das die Menschen nicht nur täglich nutzen können, sondern auch nutzen wollen, aus?

Daniel Young: Einer der grundlegenden Faktoren innerhalb eines Connected Home ist die Intuition. Passive Technologien erfordern, auch wenn sie verbunden sind, ein Eingreifen und eine Kontrolle von Seiten des Nutzers, damit sie funktionieren. Deshalb nehmen sie die Bedürfnisse und Verhaltensweise des Nutzers, bzw. der in dem Haus lebenden Familie, nicht vorweg.

Um diese Technologie wirklich zum Leben zu erwecken, müssen wir ihr Intuition – die Fähigkeit, vorherzusagen, was der Nutzer sich wünscht, um seine Erfahrung komfortabler und empathischer zu gestalten – verleihen. Wir haben zwar die Technologie, um alles im Haus miteinander zu verbinden. Aber bislang fehlt die Fähigkeit, von diesen Technologien zu lernen, um ein Erlebnis zu bieten, das aus einem Haus ein Heim macht.

JAXenter: Was ist eine kundenorientierte UX?

Daniel Young: Die einfachste Art, eine „kundenorientierte UX“ zu beschreiben, besteht darin, keine User Experience zu schaffen, die für Führungskräfte und Ingenieure entworfen wurde, sondern eine, die vom Kunden geschätzt wird. Um herauszufinden, was der Kunde von einer Technologie will oder braucht, und somit eine Basiline für die User Experience zu schaffen, verfolgen wir einen evidenzbasierten Ansatz. Von dieser Baseline aus interpretieren wir dann, was der Kunde will, um eine feingeschliffene User Experience zu schaffen.

JAXenter: Die Hausautomation wird häufig wahlweise entweder als Spielwiese für Tüftler und Bastler oder als absoluter Luxus für eine vermögende Kundschaft betrachtet. Fehlt da etwas, um beide Positionen auszubalancieren?

Daniel Young: Hausautomation ist ein Luxus. Vor die Wahl gestellt, ob sie für einen Lichtschalter 2 € oder für 20 € ausgeben wollen, muss man der Mehrheit der Menschen schon ein verlockendes Angebot unterbreiten, bevor sie 10 mal mehr für eine Technologie ausgeben, die schon so wie sie ist funktioniert.

Der springende Punkt ist, zu wissen, an welcher Stelle der Hausautomation man investiert; wie sie die eigene Lebensqualität verbessern und auch sekundäre Vorteile wie etwa Energieeinsparungen oder geringere Wartungskosten bringen kann. Um diesen Punkt zu erreichen, muss die Hausautomation in Form gewisser Pakete bzw. Dienstleistungen bereitgestellt werden, so dass die Unterschiede in den Stückkosten eines Schalters in die allgemeinen Kosten eines Haushaltssystems eingebettet sind. Dem Nutzer wird somit die Möglichkeit gegeben, Kaufentscheidungen sowohl über Komponenten als auch die allgemeine Erfahrung zu fällen.

JAXenter: Der Smart Home-Bereich leidet unter einer gewissen Fragmentierung. Die Hersteller nutzen jeweils eigene Protokolle, was eine Verbindung der verschiedenen Geräte erschwert. Ist eine Lösung für dieses Problem in Sicht?

Daniel Young: Für das Projekt „Haven“ haben wir uns für ein auf Zigbee aufbauendes Mesh-Netzwerk entschieden. Natürlich gibt es auch andere Standards, schlussendlich wird sich jedoch einer durchsetzen, der gewisse Merkmale aufweist: Für die Plattform mit der größten Zuverlässigkeit optimiert, vermutlich quelloffen, geringste Entwicklungs- und Bereitstellungskosten, von der Community vorangetrieben.

Kabellose Technologien sind eine Seite der Rechnung, Interoperabilität die andere. Solange die Hersteller die Kunden an ihr Ökosystem binden wollen, werden sie im Hinblick auf Systeme von Drittherstellern, die sich mit ihren Systemen verbinden wollen, eine strenge Kontrolle ausüben. Die Gründe hierfür können sowohl finanzieller Natur sein als auch den Bereich der Zuverlässigkeit berühren – niemand möchte ein System ausliefern, dessen allgemeine Zuverlässigkeit von den Tools anderer Anbieter beeinträchtigt wird.

Aus diesen Gründen wird uns die Fragmentierung noch einige Jahre begleiten. Ich vermute allerdings, dass die Hersteller eine gemeinsame Basis finden werden, von der aus ihre Geräte auf sichere, zuverlässige und wirtschaftlich vorteilhafte Weise miteinander „spielen“ können.

JAXenter: Was glaubst du macht das Internet of Things zu einem derart aufregenden Feld für Entwickler und Startups?

Daniel Young: Das Zusammenwachsen von Software, Hardware und einer aus dem realen Leben stammenden User Experience: Genau das macht die Arbeit mit dem Internet of Things zur Zeit so fantastisch. Schon jeder Bereich für sich genommen, aber ganz besonders die Kombination aller drei birgt ein gewaltiges Potential in sich, die Art und Weise wie wir leben, arbeiten und das Leben genießen zu verändern – ähnlich wie es die Kommunikations- und Fahrzeugtechnologie vor über einhundert Jahren geschafft hat.

JAXenter: Mit „Haven“ hast du eine App entwickelt, die der Steuerung der Temperatur in verschiedenen Bereichen eines Hauses via Smartphone oder Tablet dient. Wie funktioniert sie?

Daniel Young: Die Technologie ist für den Nordamerikanischen Markt, in dem Luftheizsysteme für die Erwärmung bzw. Kühlung von Gebäuden vorherrschen, gedacht. Haven umfasst eine Produktfamilie, die eine Wohnfläche in Zonen, wie beispielsweise Stockwerke oder Zimmer, einteilt. Das System wird von einer „elektronischen Steuereinheit“, die zusammen mit einem Heizkessel oder einer Klimaanlage installiert wird, kontrolliert. Diese Einheit ist mit einem Server verbunden, über den sich die App des Nutzers mit seinem Haus verbindet. Innerhalb des Gebäudes existieren Steuerventile, die Luftschächte öffnen bzw. schließen, um eine konstante Temperatur in den verschiedenen Zonen des Hauses zu gewährleisten.

Innerhalb des Servers – und, in geringerem Ausmaß, der App – haben wird das System derart entworfen, dass es dem Nutzer leicht gemacht wird, in seinem Haus eine komfortable Umgebung aufrecht zu erhalten. Teils ist es prädiktiv; teils vom Nutzer abgeleitet. Zusammengenommen schafft Haven eine „Oase“, die sowohl Energie spart als auch die Freude am eigenen Heim erhöht.

Daniel Young is a founder of DXY, a design and technology consultancy. Today, DXY is a highly respected boutique firm with offices in Berlin, Cleveland and London. Core to DXY’s business is the development of medical technology and related devices including concussion diagnosis software, medical information devices, applications designed for the treatment of chronic illnesses, and electronic measuring tools. Prior to DXY, Daniel Young managed two successful consulting firms. Over the past ten years, Daniel Young served as a mentor and consultant to a number of start-ups in the United States and Europe.
Geschrieben von
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: