Sind Googles Geschenke an die Open-Source-Welt wirklich hilfreich?

Eric Herrmann

Unlängst hat Google 89 Software-Patente offengelegt, die das Unternehmen für Open-Source-Projekte frei verwendbar macht. Den Pool strafbefreiter Patente wolle man im Zuge des Open Patent Non-Assertion (OPN) Pledge (siehe unten) im Laufe der Zeit kontinuierlich ausbauen. Der Blogger und Experte für Patentstreitigkeiten Florian Mueller bezeichnet diesen Akt allerdings als reinen PR-Streich, der angesichts der Größe der Patent-Industrie einen Tropfen auf den heißen Stein darstellt.

250.000 Patente stecken alleine in einem Smartphone. Da sind 89 einfach nicht besonders viel. Außerdem haben IBM und Sun vor einigen Jahren wesentlich größere Pakete von Software-Patenten freigegeben, wenngleich Mueller auch diese als PR-Streich verurteilt hat. Denn wirkliche Hilfe bei der „Navigation durch das Patent-Dickicht“ stellen diese Befreiungen nicht dar.

Anonyme Patente verbergen, wer welche Patente innehält und wo die nächste Falltür lauert. Eine wahre und innovative Art der Hilfe sähe Mueller nur darin, würde Google eine Liste seiner Patente einfach offenlegen. Oder würde es wirklich relevante Patente aufgeben, wie Motorolas Pager Synchronization Patent, das ohnehin im November 2013 in Deutschland für nichtig erklärt werden wird, wie Mueller annimmt. Denn dann könnten deutsche iCloud-Benutzer wieder Push-Nachrichten für eingegangene E-Mails erhalten. Das wäre eine spürbare Verbesserung und eine gute Geste.

Googles jüngster Beitrag zum OPN umfasst 79 Patente, die in Datenzentren eingesetzt werden können. Darunter befindet sich Middleware, verteiltes Storage- oder Datenbank-Management und Alarm Monitoring. Details dazu erfahren Sie auf der eigens eingerichteten Website. Die Aktion soll die Innovationsbremse lösen, die die Patent-Trolle angezogen haben. Alleine in den letzten Jahren ist die Zahl publik gewordener Fälle von Patentstreitigkeiten explodiert. Und auch Google hat sich daran beteiligt, wie man an der Ausnutzung des gekauften Motorola-Patents gegen Apple erkennt.

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Eric Herrmann
Eric Herrmann
Eric Herrmann war von 2012 bis 2013 als Redakteur bei Software & Support Media tätig. Sein Themenschwerpunkt liegt bei Webtechnologien, insbesondere PHP und JavaScript. Vor seiner Zeit als Online-Redakteur hat er Wissenschaftsjournalismus (B. A.) an der Hochschule Darmstadt studiert.
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