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Interview mit Jason Goldberg über Simple Token, die Ethereum-Blockchain und das Protokoll OpenST

Tokenization as a Service: Wie die Blockchain zum Mainstream werden soll

Dominik Mohilo

Jason Goldberg

Blockchain hat das Potential, zum Mainstream zu werden. Wie das gehen soll erklärt Jason Goldberg, Gründer & CEO von Simple Token, im Interview. Er spricht in diesem Zusammenhang über sein Projekt, das den Einsatz von Blockchain-Technologie drastisch vereinfachen soll. Mit Simple Token soll sich auch generell die Art und Weise ändern, wie Unternehmen die Blockchain einsetzen.

Das Start-up Simple Token will die Hürden, die einer Adaption der Blockchain-Technologie im Mainstream entgegenstehen, minimieren. CEO Jason Goldberg, ein Unternehmer mit 18 Jahren Erfahrung als Gründer, hat Unternehmen wie XING, Pepo, Hem und Fab.com ins Leben gerufen. Jetzt widmet er sich dem Blockchain-Venture Simple Token. Es folgt einem Tokenization-as-a-Service-Modell, wodurch die Vorteile der Blockchain-Technologie genutzt werden sollen, ohne immense Ressourcen in den Aufbau von Infrastrukturen investieren zu müssen.

JAXenter: Wie lassen sich das Projekt Simple Token und seine Ziele am einfachsten beschreiben?

Jason Goldberg: Wir sind der Meinung, dass das Thema Blockchain mit all seinen technologischen Spielräumen das Potenzial hat, alle Facetten der Gesellschaft, des Handels und der Wirtschaft zu verbessern. Dennoch gibt es eine Lücke zwischen der Realität der Blockchain heute und der Fähigkeit der Unternehmen, sie effektiv und nahtlos zu nutzen. Mit Simple Token wollen wir diese Lücke schließen und es Unternehmen ermöglichen, die Blockchain für ihre Zwecke zu verwenden und eigene Ökosysteme zu schaffen, ohne sich zu sehr um die technischen Aspekte kümmern zu müssen. Egal, ob es sich nun um große, globale Marken oder um Start-ups handelt.

JAXenter: Wie funktioniert Simple Token und was können Unternehmen damit machen?

Jason Goldberg: Wir geben Unternehmen die Möglichkeit, ihre eigenen Branded Token zu erstellen, ohne dass sie komplexe ICOs durchführen oder regulatorische Fragen klären müssen. Wir übernehmen all das und arbeiten daran, dass die Verwendung von Simple Token so selbstverständlich und einfach wird wie Online-Zahlungen. Der technologische Aspekt ist aber nicht zu unterschätzen, wenn es darum geht, ganze Blockchain-Ökosysteme zu schaffen und Regeln dafür festzulegen. Selbst aus Entwicklersicht ist z. B. das Arbeiten mit Ethereum sehr komplex.

Wir haben zu diesem Zweck OpenST entwickelt, ein spezielles Open-Source-Protokoll, das es Entwicklern auch ohne tiefes Vorwissen erlaubt, Branded Token sehr einfach zu generieren. Da das gesamte Token-Netzwerk auf dem gleichen Protokoll aufbaut, sind am Ende alle Token interoperabel, was einen riesigen Mehrwert bietet. Die zusätzlichen SaaS-Dienste, die wir in Zukunft anbieten werden, verbessern die Funktionalität noch weiter.

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Es wird eine komplette Suite geben, mit der Unternehmen ihre Branded-Token-Ökosysteme verwalten können. Mit Erweiterungen der web3 APIs können Unternehmen ihre Branded Token nahtlos in ihre Consumer-Applikation integrieren. Sie ist verfügbar unter der GNU LGPLv3-Lizenz. Im Kern werden Branded Token durch den Einsatz von Simple Token (ST) erzeugt, und da wir ein Netz aus Netzwerken schaffen, das ausschließlich von ST gespeist wird, erhöhen sie ihren Wert, wenn das Netzwerk wächst.

Die Simple-Token-Plattform

JAXenter: Was ist der Unterschied zwischen Simple Token (ST) und Branded Token und wie wird der jeweilige Wert ermittelt?

Jason Goldberg: Simple Token (ST) werden von unserem Team kreiert. Sie befähigen ihre Inhaber, sich um eine Mitgliedschaft bei der OpenST-Plattform zu bewerben und ihre eigenen Branded Token auf den Markt zu bringen. ST könnten auf Sekundärmärkten gehandelt werden. Branded Token hingegen werden von teilnehmenden Unternehmen zum Gebrauch innerhalb ihrer Community geschaffen, gepowert von Simple Token. Sie funktionieren auf Side-Chains und sind keine frei handelbaren Währungen. Es gibt also keinen Sekundärmarkt für Branded Token, denn sie sind technisch nicht in der Lage, außerhalb der definierten Community gehandelt zu werden. Was aber den Wert eines Branded Token angeht, so können ihn Mitgliedsunternehmen selbst bestimmen und ihn entsprechend auf dem Ethereum Mainnet festlegen. Die finanzielle Souveränität bleibt so gewahrt.

Branded Token werden durch den Einsatz von Simple Token erzeugt, und da wir ein Netz aus Netzwerken schaffen, das ausschließlich von ST gespeist wird, erhöhen sie ihren Wert, wenn das Netzwerk wächst.

ST wurde also als frei handelbarer ERC-20-Token auf dem Ethereum-Mainnet eingeführt. Sie können als Krypto-Asset zur Prägung von Utility-Token (Branded Token) eingesetzt werden. Darüber hinaus fungiert Simple Token aber auch als Basis-Token, über den das Gas berechnet wird. Das OpenST-Protokoll schlägt letztendlich die Brücke zwischen zwei unterschiedlich ausgerichteten Blockchains. Eine Value-Chain, die benötigt wird, um kryptographisch gesicherte, wertbehaftete Assets zu halten und eine Utility-Chain mit Utility-Token zu deren Gunsten die Vermögenswerte auf der Value Blockchain gehalten werden. Die Utility-Chain muss niedrigere Transaktionsgebühren und kürzere Transaktionsbestätigungszeiten unterstützen.

Wir haben diese Bedingung formuliert, weil ein Ziel des OpenST-Protokolls darin besteht, Mikrotransaktionen zu ermöglichen. Um einen Kanal zwischen zwei Chains zu etablieren, benötigen wir einen Smart Contract für jede Chain, der die Blöcke der jeweils anderen Kette verfolgt. Wenn ein Benutzer Krypto-Assets in der Value-Chain zum Gesamtwert hinzufügt, kann er erwarten, dass er eine entsprechende Anzahl von Utility-Token in der Utility-Chain erhält. Während des Prägens von Utility-Token selbst, wird kein Wert erzeugt, sondern nur eine neue Darstellung dieses ursprünglichen Wertes, die Assets selbst sind gesperrt. Im umgekehrten Fall kann der nachweisliche Eigentümer von Utility Token diese jederzeit zugunsten eines gleichwertigen Anteils des Gesamtwertes zurückzugeben.

JAXenter: Wie genau funktioniert das Modell der „Tokenization-as-a-Service“ in technischer Hinsicht im Vergleich zum herkömmlichen Einsatz einer Blockchain? Auf welchen Technologien basiert das Projekt Simple Token?

Jason Goldberg: Tokenisierung ist eine herausfordernde Angelegenheit und weit entfernt von der Einfachheit einer gängigen Consumer App. Sie ist mit hohen Kosten (über 500.000 US-Dollar) verbunden, beinhaltet ein enormes Risiko (Recht, Steuern, Betrug, etc.) und ist, was die Entwicklung angeht, hochkomplex. Es gibt keine Consumer-Protokolle, Ethereum ist noch nicht auf hohes Volumen ausgelegt, die Transaktionskosten sind nicht praktikabel und UX ist schwierig. Hinter dem Tokenization-Service von Simple Token steckt all dieses Know-how. Mehrere offene Side-Chains erlauben es uns beispielsweise, horizontal zu skalieren. Je nach den Skalierungsbedürfnissen der Unternehmen können sie auf einer völlig separaten oder einer gemeinsamen offenen und performanten Side Chain operieren. Der ST arbeitet dabei als freier, floatender ERC-20 auf der öffentlichen Ethereum-Blockchain. Ein Unternehmen kann im Smart Contract eine Geldpolitik für den Utility-Token festlegen, wenn es den Token für die Zwecke seiner Userbasis entwirft.

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Wir haben uns zum Ziel gesetzt, ein REST-API bereitzustellen, das logisch mit der ERC-20-Token-Schnittstelle verbindet, während der Server im Hintergrund die Signatur mit einem Hardware-Sicherheitsmodul, Transaktionsformulierungen oder das Abrufen der Contracts auf den relevanten Chains übernimmt. Dies sind die Grundvoraussetzungen. Zusätzlich bieten wir eine pessimistische Concurrency Control, um die Antwortzeit auf den API-Aufruf zu minimieren und das finale Settlement auf API-Ebene zu gewährleisten: Das API nimmt das pessimistischste (niedrigste) Ergebnis an, wenn sie einen Success- oder Fehlercode an den Aufrufer zurückgibt, während sie auf das finale Settlement wartet. Auf diese Weise kann der API-Aufruf im Millisekundenbereich reagieren, selbst wenn Transaktionen in Sekunden benötigen, um abgeschlossen werden. Schließlich muss das API eine saubere Zuordnung zu den Smart Contract Events bereitstellen und diese in den Nutzerbereich zurückübersetzen.

JAXenter: Wieso wurde für das Projekt Simple Token auf die Ethereum Blockchain und nicht auf die „klassische“ Variante gesetzt? Gibt es dafür technische Gründe?

Jason Goldberg: Simple Token und die OpenST-Plattform erweitern die technischen und geschäftlichen Möglichkeiten der Blockchain-Technologie. So wollen wir endlich reale Anwendungen ermöglichen. Angesichts der Entscheidung, für welche etablierte Blockkette wir zuerst OpenST implementieren, um seine Fähigkeiten zu erweitern, ist die Wahl einfach: Ethereum bietet eine starke Entwickler-Community und die stärkste technologische Plattform, um ein Layer-2-Netzwerk wie OpenST zu implementieren. Als offenes Protokoll akzeptieren wir aber auch Implementierungen von OpenST für andere Blockchain-Plattformen.

JAXenter: Das OpenST-Protokoll ist Open Source und soll Entwicklern bei der Generierung von Branded Token helfen. Wie genau lässt sich das OpenST-Protokoll praktisch von Entwicklern einsetzen?

Jason Goldberg: Das OpenST-Protokoll ist wie gesagt die Brücke zwischen zwei unterschiedlich ausgerichteten Blockchains, dem Ethereum Mainnet und der Simple Token Side-Chain. Es ist verfügbar auf GitHub und steht unter der Apache-2.0-Lizenz. Smart Contracts bilden dabei den Kern des Protokolls und ermöglichen es, Wert auf Ethereum abzubilden und auf kryptographisch überprüfbare Weise Branded Token auf einer Utility-Side-Chain zu kreieren. Mithilfe eines Staking Contract auf dem Ethereum Mainnet und eines entsprechenden Minting Contract auf der Side-Chain kann das Protokoll atomar Token zwischen den beiden Ketten übertragen und dadurch Branded Token auf der Side Chain generieren, indem es ST auf dem Ethereum Mainnet abbildet.

Um die Atomizität zu erreichen, verwendet das Protokoll einen zweistufigen Commit, bei dem zunächst ein merkle-proof Nachweis über die Absicht des teilnehmenden Unternehmens an die Empfänger-Chain übertragen wird und ein einziger, von diesem Unternehmen unterzeichneter Beleg die Mittel sowohl für die Ursprungs- als auch für die Empfängerkette zusichert. Zusätzlich zu diesem Mindestwerkzeug veröffentlicht das Protokoll auch eine Reihe von REST-APIs, die die Komplexität von Smart Contracts und Blockchains verbergen, z. B. Smart Contract Method Invocation, Private Key Management, Settlement Finality etc.

Das Simple-Token-Protokoll

Ein wichtiger Punkt für Simple Token ist die Verbindung eines guten Nutzererlebnisses mit dem tatsächlichen kryptographischen Wert, der auf Ethereum gespeichert ist. Wir verlangen, dass diese Verbindung kryptographisch gesichert wird. Auch wenn wir sehen, dass die Mehrheit der Endnutzer möglicherweise niemals ihre eigenen Private Keys verwalten möchte, ist es wichtig, dass jeder Benutzer zu jedem Zeitpunkt entscheiden kann, ob er die Kontrolle über sie übernimmt.

Während wir die Utility-Chains als ein leistungsfähigeres Substrat sehen, auf dem Applikationen Accounts abwickeln können, stellt OpenST auf Protokollebene sicher, dass nicht blind vertraut werden muss, weil alle Werte bei Bedarf im Ethereum-Mainnet wiederhergestellt werden können. Da es sich bei OpenST um ein offenes Netzwerk von Utility-Chains handelt, die jeweils ein oder mehrere Branded Token mit einem Wert, der auf dem Ethereum Mainnet abgespeichert ist, beinhalten, ist es wichtig, dass jede Chain eindeutig identifiziert und aus dem Genesis-Block abgeleitet werden kann. Alle Transaktionen müssen sicherstellen, dass sie nur für die beabsichtigte Utility-Chain gültig sind.

Übertragen von Krypto-Assets von einer Chain zur nächsten

JAXenter: Welche Art von Anwendungsfällen sind bei Unternehmen zu erwarten, die Branded Token generieren?

Jason Goldberg: Wir stoßen bereits auf großes Interesse von Unternehmen, die verschiedene Aspekte ihres Geschäfts auf die Blockchain verlagern wollen. Die Anwendungsfälle variieren je nach Art des Geschäfts, aber ein Beispiel kann ein Kundenbonus- oder Treueprogramm sein. Ein Unternehmen kann Branded Token generieren und sie als Belohnung oder Anreiz für bestimmte Verhaltensweisen an Kunden verteilen.

OpenST stellt auf Protokollebene sicher, dass nicht blind vertraut werden muss.

Der entscheidende Faktor dabei ist, dass ein solches System offen, transparent und unveränderlich ist – ganz im Gegensatz zu den proprietären Belohnungs- und Treueprogrammen wie wir sie bislang kennen. Eine andere Möglichkeit könnte beispielsweise eine nutzergenerierte Content-App sein, die Token verwendet, um hochwertige Contentbeiträge zu incentivieren und belohnen. In einer Community-App wiederum ließen sich Peer-to-Peer-Mikrotransaktionen ermöglichen oder aber eine Ride-Sharing-App ermöglicht es den Nutzern, exakt den Teil der Kosten einer Fahrt zu bezahlen, den sie tatsächlich verbraucht haben. Am Ende sind aber nur durch die eigene Fantasie Grenzen gesetzt, denn das Anwendungsfeld ist riesig.

JAXenter: Was ist der Vorteil, den Simple Token gegenüber Konkurrenten im gleichen Feld hat?

Jason Goldberg: Wir glauben, dass wir einen First-Mover-Vorteil haben, wenn es darum geht, den Nutzern und Kunden einen umfassenden Service zu bieten, von der Entwicklung über die Infrastruktur bis hin zu den Management-Tools, dem Vertrieb und der Analyse. Lösungen, die von den meisten Wettbewerbern angeboten werden, richten sich an Entwickler, und es ist eine trügerische Erwartung, zu glauben, dass die meisten Unternehmen die erforderlichen technischen Ressourcen aufbringen können. Gerade in Anbetracht des immensen Wettbewerbs um Spezialisten und die besten Köpfe unter ihnen. Mit Simple Token wollen wir Millionen von Unternehmen bei der Verwaltung ihrer eigenen Token-Ökonomie unterstützen und sind sehr stolz darauf, die Einführung der Blockchain-Technologie voranzutreiben.

JAXenter: Welche regulatorischen Herausforderungen sind zu erwarten, wenn das Projekt anläuft und Unternehmen aus der ganzen Welt dem Netzwerk beitreten?

Jason Goldberg: Die Regelungen können von Land zu Land unterschiedlich sein, aber wir sehen einige Gemeinsamkeiten. Außerdem können Branded Tokens, wie sie von Unternehmen generiert werden, nur gegen Simple Tokens gehandelt werden. Es bestehen also keine Risiken in einem Handel auf sekundären Märkten. Darüber hinaus haben wir natürlich renommierte Anwälte konsultiert: Simple Token (ST) sind konform mit sämtlichen bestehenden Richtlinien.

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Probleme würden lediglich dann auftreten, wenn ein Token ein Ersatz für eine Fiat-Währung ist. Dies ist jedoch nicht unser Ziel. Unser Netzwerk wurde entwickelt, um Unternehmen eine sichere Umgebung für die Schaffung eigener sicherer Ökosysteme zu bieten. Wir bemühen uns bei Simple Token, solche Fragen transparent und offen zu beantworten. Dazu verwenden wir Telegram. Jeder kann den Channel beitreten und uns seine Fragen stellen. Vor allem Entwicklern können wir in dieser Community schnell weiterhelfen. Es begeistert mich jeden Tag, zu sehen, wie viele Menschen mit Interesse auf unser Projekt reagieren und sich in der Telegram Community engagieren.

Jason Goldberg ist Gründer und CEO von Simple Token , der Brücke zwischen Kryptowährungen und Mainstream-Consumer-Apps. Davor gründete Jason bereits Unternehmen wie Pepo, Hem.com, Fab.com, Social Median und Jobster. Dabei baute er auf Erfahrungen als Leiter von Strategie- und Produktteams bei T-Mobile und AOL. Vor seiner Karriere in der Wirtschaft war Jasons erstes Start-up Bill Clintons Präsidentschaftskampagne im Jahr 1992, die ihn zu einem sechsjährigen Aufenthalt im Weißen Haus führte. Jason hat einen MBA Abschluss der Stanford University und ist in Berlin, Pune (Indien) und Hongkong anzutreffen.
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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