O’Reilly Serverless-Umfrage 2019: Vorbehalte, Vorteile und Ausblicke

Roger Magoulas und Chris Guzikowski

© Shutterstock / Polarpx

Im vorigen Jahr hat der IT-Fachverlag O’Reilly eine Umfrage zum Thema Serverless durchgeführt. Die Umfrageergebnisse deuten darauf hin, dass die Nachfrage nach Serverless-Lösungen als Infrastrukturoption in naher Zukunft bei vielen Unternehmen steigen wird.

Serverless-Lösungen gewinnen einen immer größeren Stellenwert in der Technologie- und Entwicklergemeinde. Mehr als 1.500 Teilnehmer aus den verschiedensten Regionen, Unternehmen und Branchen nahmen an einer internationalen Umfrage von O’Reilly zur Einführung serverloser Architektur teil.

Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage:

  • 40 Prozent der Befragten arbeiten in Unternehmen, die serverlose Architektur in der einen oder anderen Form eingeführt haben. Reduzierte Betriebskosten und die automatische Skalierung der Speicherkapazitäten sind die wichtigsten Vorteile, die diese Gruppe anführt.
  • Von den 60 Prozent der Befragten, deren Unternehmen keine serverlosen Lösungen nutzen, sind Sicherheitsbedenken und Angst vor dem Unbekannten die ausschlaggebenden Gründe hierfür.
  • Etwa 50 Prozent der Befragten, die vor mehr als drei Jahren serverlose Architektur eingeführt haben, halten die Implementierung für erfolgreich oder äußerst erfolgreich. Dagegen bewerten nur 35 Prozent der Teilnehmer, die serverlose Architektur vor einem Jahr oder vor weniger als einem Jahr eingeführt haben, die Einführung als erfolgreich oder äußerst erfolgreich. Ein Unterschied, der darauf schließen lässt, dass sich serverlose Ansätze vor allem langfristig auszahlen.
  • Befragte, die serverlose Architekturen implementiert haben, nannten als wichtigstes Entscheidungskriterium die Möglichkeit, Tools individuell anpassen zu können. Ein Hinweis darauf, dass die Tools der Anbieter die Anforderungen der Unternehmen nicht vollständig erfüllen. Häufig fehlen offenbar Funktionen, die Unternehmen für den Einsatz und die Verwaltung von serverloser Infrastruktur brauchen.

Tätigkeiten und Arbeitsplätze der Befragten

Ein Blick auf die Tätigkeit der Befragten zeigt: Verschiedene Berufsbilder sind mit der Verwaltung und Pflege von serverlosen Systemen betraut. Das lässt darauf schließen, dass immer häufiger ganze Softwareteams Verantwortung für die IT-Infrastruktur übernehmen und serverlose Lösungen in dieser immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Abbildung 1: Tätigkeit der Befragten

Branchen der Befragten

Mehr als ein Fünftel der Befragten arbeitet in der Softwarebranche. Tendenziell ist somit die Sichtweise der Softwarebranche in den Umfrageergebnissen stärker repräsentiert. Auch erklärt sich dadurch der hohe Anteil an Software-Ingenieuren unter den Befragten.

Die Finanz- und Bankenbranche stellt den zweitgrößten Anteil der Befragten. Das ist wohl in der wachsenden Zahl von Fintech-Start-ups begründet, die unvoreingenommen und ohne Rücksicht auf Altsysteme offener für den Einsatz von serverlosen Lösungen ist.

Abbildung 2: Branchen der Befragten

Unternehmensgröße

Abbildung 3: Größe der Unternehmen, in denen die Befragten arbeiten

Bewertung der Einführung von serverlosen Systemen

Bei der Frage nach dem Einsatz von serverlosen Technologien (wobei der Abschluss eines Vertrages mit einem Anbieter als Kriterium für den Einsatz galt) ergab sich ein unerwartetes Bild: Interessanterweise gab mit 40 Prozent der Befragten ein hoher Anteil an, diese relativ neue Technologie für sich zu nutzen.

Abbildung 4: Akzeptanz von serverlosen Systemen bei den Unternehmen

Einführungszeitraum von serverlosen Systemen

Abbildung 5: Einführungszeitraum von serverlosen Systemen in den Unternehmen

Erfolgsbewertung von serverlosen Lösungen

Mehr als zwei Drittel der Befragten halten die Einführung von serverlosen Systemen in ihren Unternehmen für zumindest „überwiegend erfolgreich“. Das zeigt: Für einen Großteil der Befragten sind serverlose Systeme über eine Modeerscheinung hinaus zu einer bedeutenden und tragfähigen Infrastrukturoption geworden.

Abbildung 6: Erfolgsbewertung der Einführung von serverlosen Lösungen

Vorteile von serverlosen Systemen

Reduzierte Betriebskosten stellen den am häufigsten angeführten Vorteil von serverlosen Systemen dar. So ersparen es sich Unternehmen, ein Server-Rack nach dem anderen zu kaufen, die dann nur bereitgestellt werden, um punktuell Belastungsspitzen abzufangen und die dabei selten ausgelastet sind. Serverlose Systeme bei denen nur für die tatsächlich abgerufene Rechenleistung bezahlt wird, stellen in diesem Fall eine Alternative dar, von der Unternehmen profitieren können.

Abbildung 7: Vorteile von serverlosen Systemen

Verwendete Cloud-Angebote

Abbildung 8: Cloud-Anbieter, für die sich die befragten Unternehmen entschieden haben

Verwendete Serverless-Tools

„Custom Tooling“ ist die am häufigsten genannte Kategorie bei der Fragen nach verwendeten Serverless-Tools. Das könnte bedeuten, dass es einen Markt für die Standardisierung oder Verbesserung bestehender Tools gibt. Diverse Anbieter legen es Unternehmen offenbar nah, ihre internen Tools abzuschaffen oder überzeugen sie, nicht selbst eine individuelle Lösung zu entwickeln. Eine weitere Lesart des Ergebnisses wäre, dass die aktuellen Tools nicht alle Anforderungen erfüllen, die für eine ordnungsgemäße Verwaltung und Bereitstellung einer serverlosen Infrastruktur erforderlich sind.

Abbildung 9: Serverless-Tools, die von den befragten Unternehmen verwendet werden

Fazit

Die Umfrage zeigt: Ingenieure, Technologieführer und Softwarearchitekten aus einer Vielzahl von Branchen stehen Serverless-Technologien nach wir vor etwas zurückhaltend aber auch neugierig gegenüber.

An den 40 Prozent der Befragten, die bereits auf serverbasierte Architekturen setzen, kann beobachtet werden, dass sich Transparenz bei der Einführung auszahlt und sich Erfolge vor allem erst mit der Zeit zeigen. Letztendlich geben die Befragten mit der größten Erfahrung im Serverless-Bereich Auskunft darüber, dass Kostensenkungen, automatische Skalierung und höhere Entwicklerproduktivität die wichtigsten Vorteile von serverbasierten Systemen darstellen.

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Geschrieben von
Roger Magoulas und Chris Guzikowski

Roger Magoulas is the director of market research at O’Reilly Media. Magoulas runs a team that is building an open source analysis infrastucture and provides analysis services, including technology trend analysis, to business decision-makers at O’Reilly and beyond. In previous incarnations, Magoulas designed and implemented data warehouse projects for organizations ranging from the San Francisco Opera to the Alberta Motor Club.

Chris Guzikowski joined O’Reilly Media as senior content director in 2018. He is the co-chair of O’Reilly’s Software Architecture Conference. He also manages the acquisition and development of content in software architecture and software development. Chris has been working on technical content and technology marketing for more than thirty years. He and his family reside in suburban Boston, MA.

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