Interview mit Soenke Ruempler

„Serverless ist für mich die logische Evolution von DevOps“

Dominik Mohilo

Soenke Ruempler

Mit Serverless soll man schneller und günstiger zum Ziel kommen. Wie das funktioniert? Soenke Ruempler, Mitgründer der superluminar GmbH, gibt darauf eine Antwort. Im Interview zur Serverless Architecture Conference 2019 spricht er außerdem über die Zukunft des neuen Technologie-Trends und wie sich die Kosten dafür sinnvoll verteilen lassen.

JAXenter: Serverless als Begriff ist ein recht umstrittenes Buzzword: Server sind ja nach wie vor im Einsatz. Außerdem scheint jeder etwas anderes unter Serverless zu verstehen – zum Beispiel FaaS oder BaaS. Daher zunächst einmal die Frage: Was ist Serverless für dich persönlich?

Soenke Ruempler: Serverless bedeutet für mich persönlich erst einmal „Service-full“. D.h. moderne Anwendungen zeichnen sich dadurch aus, dass möglichst wenig Code selbst geschrieben (und betrieben) wird, und größtmöglich Managed Services genutzt werden.

JAXenter: Aus Entwicklersicht bringt Serverless viele Vorteile. Einer davon ist, sich um die Infrastruktur praktisch gar nicht mehr kümmern zu müssen. Wie verändert Serverless in deinen Augen den Entwickleralltag?

„Serverless ist für mich die logische Evolution von DevOps.“

Soenke Ruempler: Das kommt darauf an, wo die Entwickler*innen herkommen. Sind sie es bisher gewohnt, ihre Anwendungen selbst zu betreiben („You built it, you run it“), so werden sie sich darüber freuen, wenn ihnen immer mehr operationale Bürden abgenommen werden, sodass sie sich auf ihre Kernsoftware konzentrieren können. Haben die Dev-Teams ihre Software bisher von einem Ops-Team betreiben lassen, so kann Serverless auch negativ aufgenommen werden, weil jetzt mehr Verantwortung zum Dev-Team geht. Diese Entwicklung, dass Dev-Teams mehr Verantwortung übernehmen sollen – freiwillig oder unfreiwillig -, gab es in der DevOps-Bewegung auch schon. Mit Serverless wird sie aber noch einmal bestärkt. Serverless ist für mich die logische Evolution von DevOps.

JAXenter: Entwickler sind aber, gerade wenn man an DevOps denkt, nicht die einzigen, auf die sich das neue Modell auswirkt: Welche Folgen hat der Serverless-Ansatz für Operator/Admins?

Soenke Ruempler: Ops-Menschen müssen sich wie Entwicker*innen darauf einstellen, dass es weniger Low Level Tasks gibt. Dafür gibt es mehr Zeit für (meines Erachtens) interessantere und wertstiftendere Themen, als Server, VMs und Container zu babysitten: Automatisierung der Infrastruktur (z.B. „Compliance as Code“). Erkennen, Sammeln und Verteilen von Best Practises, Bereitstellung von zentralem Tooling usw.

JAXenter: Simon Wardley hat die wilde These aufgestellt, dass Container und Kubernetes nur eine Randerscheinung in der Geschichte der Softwareentwicklung darstellen und bald schon komplett obsolet werden könnten, da Serverless – wie einst Software – die Welt verschlingt. Wie stehst du dazu?

Soenke Ruempler: Container und Kubernetes werden nicht obsolet, aber für die meisten Leute unsichtbare Sub-Systeme werden. In Event-basierten (Serverless-)Anwendungen ist Compute/FaaS nur ein kleiner Teil. Der größte Anteil sind vom Cloud-Provider zur Verfügung gestellte Bausteine für z.B. Datenhaltung, Log-in/Identity, Queues, Event-Busse usw.

JAXenter: Bei Serverless geht es vor allem um die Skalierbarkeit und die damit verbundenen Kosten: Lohnt sich heute noch die Nutzung eigener Server oder ist das Preis-Leistungs-Verhältnis von Serverless unschlagbar?

„Serverless ist ein Weg, sich auf das Wesentliche und sein Business zu konzentrieren.“

Soenke Ruempler: Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Vergleicht man reine „Hardware“-Kosten vs. Cloud-Provider-Kosten, so kann Serverless ab einer gewissen Skalierung sehr teuer scheinen. Rechnet man allerdings ein, was einem Serverless alles abnimmt – automatische Skalierung, HA built-in, ständige Weiterentwicklung der Services/Komponenten, automatisches Patching der Runtimes etc. – sieht es schon besser aus. Das „ersetzt“ mitunter ein gesamtes Ops-Team, was auch nicht gerade kostengünstig ist. Ich denke, es ist auch eine Mindset-Frage.

JAXenter: Zum Abschluss vielleicht ein kleiner Blick in die Kristallkugel: Welche Rolle wird Serverless im Jahr 2020 spielen?

Soenke Ruempler: Ich denke, der Trend ist unaufhaltbar, da es eine Evolution hin zur „Commodity“ ist. Mehr Leute werden erkennen, dass man mit Serverless schneller zum Ziel kommen und sich besser auf sein Business/Kernproblem konzentrieren kann. Die Frameworks reifen und somit auch die Praktiken.

JAXenter: Was war die Kernbotschaft deiner Session auf der Serverless Architecture Confernece, die jeder Besucher mit nach Hause nehmen sollte?

Soenke Ruempler: Serverless ist ein Weg, sich auf das Wesentliche und sein Business zu konzentrieren.

Soenke Ruempler is co-founder of superluminar, a consultancy located in Hamburg, where he helps organizations to embrace technical and cultural change. He is always curious about the bigger picture, and how everything maps back to Deming all the time.
 
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: