Interview mit Sacha Labourey, CEO und Gründer von CloudBees

Serverless Continuous Delivery mit Jenkins X: „Gute Ökosysteme stehen immer über guten Technologien“

Dominik Mohilo

© Shutterstock / AlexLMX

Wie steht es eigentlich um die Continuous Delivery Foundation? Wir sprachen mit Sacha Labourey über den aktuellen Stand der Foundation. Der CEO und Gründer von CloudBees erläutert im Interview außerdem die Funktionsweise von Jenkins X im Detail und spricht über die Zukunft von Continuous Delivery und Serverless.

JAXenter: Hi Sacha und danke, dass du dir die Zeit genommen hast. CloudBees hat vor wenigen Wochen die Gründung der Continuous Delivery Foundation (CDF) bekannt gegeben. Wie ist da der Stand der Dinge?

Sacha Labourey: Wir erfahren eine bemerkenswerte Unterstützung einer Vielzahl von Mitgliedern. Neben CloudBees zählen dazu Technologieanbieter wie Google und Salesforce, sowie Kunden – beispielsweise HSBC, CapitalOne und Autodesk. Alle sehen Continuous Delivery als einen der wichtigsten Treiber ihrer digitalen Transformation an. Die Continuous Delivery Foundation beherbergt bereits jetzt Jenkins, Jenkins X und Spinnaker. Ich rechne damit, dass weitere Spitzenprojekte dazu kommen.

JAXenter: Durch Jenkins X wurde die Tür zu Kubernetes und Serverless aufgestoßen: Wie genau funktioniert Serverless Continuous Delivery?

Gute Ökosysteme stehen immer über guten Technologien.

Sacha Labourey: Serverless bedeutet im Wesentlichen, dass auf null herunter- und unmerklich wieder hochskaliert werden kann. Jenkins baut auf einer traditionellen Master-Executor-Architektur auf. Das bedeutet, dass der Master stets aktiv sein muss. Dies gilt selbst in Cloud-Umgebungen, in denen man aus Sicht des Executors auf null herunterkommen kann – was ein wichtiger Bestandteil unseres Produktangebots ist. Bei dem Design von Jenkins X war es uns ein Herzensanliegen, zu 100 Prozent „Cloud nativ“ zu sein. Daher existiert dieser Overhead bei Jenkins X nicht. Um noch eine Schicht weiter zu bohren, können mit Jenkins X zwei Wege verfolgt werden: Entweder entwickelt man Pipelines, die von Grund auf und vollständig „Cloud native“ sind. In diesem Fall wird Jenkins X Google Tekton als Engine für die Ausführung der Pipelines nutzen. Oder aber man nutzt bereits bestehendes, umfangreiches Jenkins-Know-how, beispielsweise Pipeline-Bibliotheken, um die Ausführung dieser Pipelines an eine Jenkins-Engine zu delegieren. In diesem Fall, und das ist das Schöne daran, weiß Jenkins X nicht nur, wie man sein Jenkins-Setup für diese Pipeline binnen Sekunden nach Bedarf instanziiert, sondern auch, wie man sie betreibt und den Jenkins-Master herunterfährt, sobald die Prozesse durchgeführt sind. So einfach! Durch die umfassende Verwendung von Kubernetes ermöglicht Jenkins X eine effiziente Nutzung bereits bestehenden Jenkins-Know-hows. Damit steht Jenkins X nicht am Ende von Jenkins. Vielmehr ist Jenkins X der schnellste Weg für alle Jenkins-Praktizierenden, deren nächster Schritt „Kubernetes“ lautet.

JAXenter: Simon Wardley hat die wilde These aufgestellt, dass Container und Kubernetes nur eine Randerscheinung in der Geschichte der Softwareentwicklung darstellen und bald schon komplett obsolet werden könnten, da Serverless – wie einst Software – die Welt verschlingt. Wie stehst du dazu?

Sacha Labourey: Die Welt der Software wird ständig neu definiert und neu erfunden. Ich wage es deshalb nicht zu sagen, dass es nach oder parallel zu Containern keine andere Lösung geben wird (außerdem glaube ich nicht, dass Container und Serverless zueinander im Gegensatz stehen). Es gibt viel Gutes an Serverless-Architekturen. Bis heute ist das Ökosystem, das um Kubernetes herum aufgebaut wurde, jedoch selten zu sehen und enorm mächtig. Die Geschichte zeigt immer wieder: gute Ökosysteme stehen immer über guten Technologien.

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JAXenter: Mit der Übernahme von Electric Cloud ist es CloudBees möglich, holistisches „End-to-End“ Continuous Integration, Continuous Delivery, Continuous Deployment und Application Release Automation anzubieten. Welchen Part übernehmen dabei die Projekte von Electric Cloud?

Sacha Labourey: Im Umfeld von CI/CD sind wir der Anbieter mit der größten Bandbreite und Tiefe. Dies ist wichtig, da Unternehmen nicht nur bei dem Release eines einzelnen, besonders tollen Projekts gut sein müssen. Sie müssen generell bei der Veröffentlichung von Software besser werden. Es gibt dabei viele verschiedene Situationen – von Cloud bis On-Premise, von serverlosen Anwendungen bis hin zu JBoss-Apps und von vollautomatischen Umgebungen bis hin zu nur teilautomatisierten Umgebungen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Leute darüber urteilen. Sicherlich wollen viele lieber an einer coolen K8s-App arbeiten, die automatisierte Canary-Deployments für Google Cloud Platform durchführt. Die Realität der heutigen Anwendungen sieht jedoch meist anders aus. Anstatt darüber zu urteilen, haben wir bei CloudBees einen empathischen Ansatz: Wir wollen sicherstellen, dass durch unser Angebot jede Organisation und jedes Team in der Lage ist, DevOps umzusetzen. Nach und nach sollen sie dabei immer besser werden, um letztendlich wirklich von den Vorteilen von DevOps profitieren zu können.

JAXenter: Wird dieser holistische Ansatz auch Open Source durch die Continuous Delivery Foundation abgebildet – soll heißen: Werden die Projekte der CDF in naher Zukunft als Komplettlösung für CI/CD/Continuous Deployment/ARA zusammenschaltbar sein?

Ich glaube nicht, dass Container und Serverless zueinander im Gegensatz stehen.

Sacha Labourey: Ja, unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass sich die CDF-Projekte sehr gut integrieren lassen. Die Kosten für die Nutzung mehrerer CDF-Projekte sollen dadurch so gering wie möglich gehalten werden. Das hat auf jeden Fall Priorität.

JAXenter: Zum Abschluss vielleicht noch die folgende Frage: Wie wird sich die Welt von Continuous Delivery in den nächsten fünf Jahren verändern? Was ist das nächste „Große Ding“?

Sacha Labourey: Ich glaube, dass es für viele Organisationen und Anwender schwer ist, den großen Wandel vorherzusehen, den sie in den nächsten Jahren erleben werden! Im Gespräch mit anderen merke ich, dass viele nach wie vor Continuous Delivery als eine Möglichkeit sehen, Software viel reibungsloser monatlich oder gar wöchentlich bereitzustellen. Das ist definitiv ein wichtiger Fortschritt. Nichtsdestotrotz handelt es sich immer noch um ein Wasserfallmodell, das besonders schnelle Ergebnisse liefert, beispielsweise in 18 Wochen statt 18 Monaten. Was wir jetzt wirklich sehen, ist, dass führende Unternehmen einen konstanten Strom von Veränderungen in der Produktion erleben, und zwar nicht nur monatlich, wöchentlich oder täglich, sondern ständig. Für viele mag das anarchisch klingeln, tatsächlich ist es aber der Beweis für eine sehr robuste, hochgradig reproduzierbare Umgebung. Das ist es, wo wir hinwollen – auf dem Weg dorthin werden wir eine Menge Spaß haben!

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Sacha Labourey was born in Neuchâtel, Switzerland and graduated in 1999 from EPFL. It was during Sacha’s studies at EPFL that he started his first consulting business – Cogito Informatique. In 2001, he joined Marc Fleury’s JBoss project as a core contributor and implemented JBoss’ original clustering features. In 2003, Sacha founded the European headquarters for JBoss and, as GM for Europe, led the strategy and partnerships that helped fuel the company’s growth in that region. While in this position, he led the recruitment of some of JBoss’ key talent and acquisition of key technology. In 2005, he was appointed CTO of JBoss, Inc. and oversaw all of JBoss engineering. In June 2006, JBoss, Inc. was acquired by Red Hat (NYSE:RHT). After the acquisition, Sacha remained JBoss CTO and played a crucial role in integrating and productizing JBoss software with Red Hat offerings. In 2007, Sacha became co-General Manager of Red Hat’s middleware division. He ultimately left Red Hat and founded CloudBees in April 2010.
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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