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Serverless Architecture Conference 2019 & API Conference 2019 eröffnet: APIs sind kein Allheilmittel & Serverless nicht nur FaaS

Dominik Mohilo

Die Entwicklung von Software ist nicht nur einem steten Wandel unterlegen, es kristallisieren sich auch immer wieder neue und aufregende Trends heraus. Zwei dieser Trends sind zum einen der Architekturansatz „Serverless“ und die immer wichtiger werdenden APIs. Unsere Keynoter Erik Wilde und Jared Short haben diese beiden Trendthemen in ihren Keynotes auf der Serverless Architecture Conference 2019 und API Conference 2019 ausgibig erörtert.

Die Software-Welt durchläuft immer wieder Veränderungen und neue Trends kommen und gehen. APIs und Serverless-Architekturen sind aktuell sehr wichtige Themen, die oft diskutiert werden. Besonders APIs werden geradezu mystifiziert, während man Serverless-Architekturen manche Use Cases gar nicht zutraut. Erik Wilde und Jared Short waren in ihren Eröffnungskeynotes im Auftrag der Aufklärung unterwegs.

„APIs sind nur das Vehikel für Business Value“

APIs sind heute in vielen Unternehmen das zentrale Thema. Die Schnittstellen werden von manchen Managern und Product Ownern gar als Allheilmittel angesehen. „Habe ein paar gute APIs und das Business läuft von selbst“, scheint das Motto zu sein. Doch ist ein gutes API wirklich „alles“? Mitnichten, sagt Erik Wilde, Partner bei Good API. In seiner Eröffnungskeynote für die API Conference 2019 klärte er die Besucher darüber auf, was APIs können…und was eher nicht.

Zunächst stellte er klar, dass APIs immer eine Strategie brauchen und Entwickler und Product Owner einen Blick auf die API Landscape werfen müssen. Es gibt zwar unzählige Schnittstellen für unzählige Anwendungsfälle, aber ebenso hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man APIs nutzt, die keinen strategischen Wert haben. Und schließlich geht es am Ende des Tages ja um die Wertschöpfung.

APIs sind nur die Bierdose

Erik Wilde verglich die Situation von APIs und Business Value mit der Bierproduktion – ein schöner Vergleich. Das Bier stellte aber bei ihm mitnichten das API dar, sondern eben den Business Value. Das API ist lediglich das „Vehikel“, also die Bierflasche, die Bierdose oder das Fass, in dem der Wert ausgeliefert wird. Es spielt keine Rolle, welches Behältnis man verwendet, die Hauptsache ist, dass das Produkt gut beim Kunden ankommt. Und die beste und schönste Flasche ist auch nichts wert, wenn das Produkt am Ende…mittelmäßig ist.

GraphQL ist in Erik Wildes Vergleich eine neue, derzeit in Amerika sehr beliebte Aluminiumflasche. Diese innovative Technik hat vielleicht einige Vorteile (wie GraphQL), aber auch dabei gilt: Ist das Bier mies, hilft auch die beste Flasche nichts.

Der Hype um APIs


APIs sind derzeit ein Trendthema. Sie sind laut Erik Wilde aktuell auf dem Gipfel von Gartners Hype Cycle, dem „Peak of inflated Expectations“. Das Problem bei der Sache ist, dass sehr viel mehr nötig ist, um Wert zu schöpfen, als einfach nur APIs zu haben. Natürlich sind sie wichtig, um Monolithen aufzubrechen, aber wer keine gute Strategie hat, endet am Ende mit nichts anderem als einem verteilten Monolithen – und das ist das Worst-Case-Szenario.

Auch die Skalierbarkeit ist mit APIs leichter möglich und selbstverständlich können APIs dabei helfen, die Monetarisierung voranzutreiben. Doch, wie bereits erwähnt, nicht ohne weiteres. Erik Wildes Motto ist daher: Value Creation over Monetization.

Man muss die Komplexität, so die Kernaussage seiner Kenote, wirklich verstehen: APIs helfen, sind aber nie der entscheidende Faktor. Und Conway’s Law kann keiner entrinnen. Die Schnittstellen sind – wie Wilde sagt – Notwendig, aber nicht hinreichend.

„We need a Serverless First Mindset“


Die Eröffnungskeynote der Serverless Architecture Conference 2019 drehte sich um das von Jared Short definierte „Serverless First Mindset“. Serverless ist ein Thema, das viele Definitionen hat, denn nicht alle Entwickler sehen in Serverless das Gleiche. Für manche ist Serverless ein Buzzword, das bald schon irgendwo in den Tiefen der Geschichte verschwinden wird, für andere ist Serverless einfach ein schönes Wort für Function as a Service (FaaS). Zunächst ist aber erst einmal wichtig, was Serverless nicht ist. Wer Serverless auf seine Fahnen schreiben möchte, der sollte alles auslagern, was nichts mit Kundendaten, der Plattform, Anwendungen und das Identitäts- und Zugriffsmanagement betrifft. Jared Short ist der Ansicht, dass Serverless immer möglich ist. Wer den Architekturansatz für nicht umsetzbar hielte, dem solle man empfehlen, es stärker zu versuchen.

Die 4 Säulen von Serverless First

Unterm Strich sind es vier Säulen, die das „Serverless First Mindset“ ausmachen:

1. If the Platform has it, use it

Das Rad nicht neu erfinden zu müssen, ist ein großes Privileg. Das gilt für sämtliche Bereiche, aber in der Software-Entwicklung umso mehr. Viele Cloud- und Plattform-Anbieter haben gewisse spezielle Funktionen, die man haben wollen könnte, bereits von Haus aus verfügbar. Es gilt also, diese zu nutzen, anstatt sie selbst zu bauen.

2. If the Market has it, buy it

Natürlich gibt es Situationen und Funktionen, die die Anbieter von Cloud- oder Plattformlösungen selbst nicht anbieten. Das heißt aber nicht, dass diese nicht existieren. Es gibt vielleicht Anbieter auf dem Markt, die diese Funktionalitäten bereitstellen. Und das tun sie in der Regel für weniger Geld, als eine Eigenentwicklung verschlingen würde.

3. If you can reconsider the requirements, do it

Besonders Entwickler, die für Kunden arbeiten, werden mit Ansprüchen dieser konfrontiert, die vielleicht deutlich überzogen sind. Muss eine Anwendung wirklich in 2 Millisekunden reagieren und den Browser automatisch refreshen? Oder reichen vielleicht auch 300 Millisekunden? Manche Features sind nicht obligatorisch für die nahezu perfekte Funktionalität der Anwendung. Daher gilt es, bevor man viel Geld und sehr viel Arbeit in etwas steckt, die Anforderungen neu zu verhandeln. Möglicherweise kann man ein gutes Ergebnis auch ohne Erfüllung der ursprünglichen Wünsche erreichen.

4. If you have to build it, make sure you OWN it

Muss man etwas tatsächlich neu schreiben, neu bauen oder neu erfinden, dann sollte man es perfekt machen. Dies ist die berühmte Spezialsauce, mit der sich das richtige Geld verdienen lässt. Gibt es diese Funktionalität sonst nicht, kann das Alleinstellungsmerkmal nicht nur den Aufwand lohnen und sich schnell amortisieren, sondern sogar darüber hinaus zu einem wichtigen eigenständigen Produkt werden.

Zu guter Letzt räumte Jared Short in seiner Eröffnungskeynote noch mit einem Mythos auf: Serverless eigne sich nicht für jedwede Anwendung. Das mag vielleicht als Momentaufnahme stimmen, allerdings werden neue Use Cases und neue Anwendungsmöglichkeiten quasi permanent ausgelotet und durch Weiterentwicklung der Technik ermöglicht. Damit ist Serverless in jedem Fall ein Thema, das uns auch in Zukunft begleiten wird.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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