Ligaturen helfen dem Programmiererauge

Die richtige Schriftart sorgt für besser lesbaren Code

Melanie Feldmann

© Shutterstock.com / marekuliasz

Lesbaren Code zu schreiben ist eine der Hauptanforderungen an Entwickler. Dazu Bedarf es aber nicht nur Skill und Ordentlichkeit, sondern auch einer passenden Schriftart. Der russischen Entwickler Nikita Prokopov hat eine Programmier-Schriftart designet, die durch optimierte Symbole besser lesbar sein soll.

Der Fokus der Schriftart Fira Code liegt auf den Symbolen, die beim Programmieren häufig genutzt werden, wie -->, <= oder .=. Diese sind schwerer zu lesen, weil das Gehirn aus mehreren Zeichen erst das eine logische Zeichen extrahieren muss. Das ist natürlich für geübte Programmierer kein Problem, aber es geht schöner. Mit sogenannten Ligaturen macht Fira Code aus den zusammengesetzten Symbolen ein Zeichen. Ligaturen bezeichnen das Verschmelzen zweier oder mehrerer Zeichenkombinationen durch schnelle Schreibweise oder zur optischen Korrektur. So ist der Buchstabe w ursprünglich eine Ligatur aus zwei u bzw. v. Auch das in Deutschland übliche ß ist eine Ligatur.

Dazu setzt die Schrift auf der nichtproportionalen Schrift Fira Mono auf. Nichtproportionale Schriften – auch Monospace oder Fixed Font genannt – besitzen eine festen Zeichenbreite. Das bedeutet jedes Zeichen, nimmt den gleichen Raum ein. Nichtproportionale Schriften kommen bei Programmiersprachen zum Einsatz, da sie Wortlängen und Zifferreihen überschaubarer machen.

So sieht Fira Code aus

Fira Code erweitert Fira Mono um Ligaturen für übliche Zeichenkombinationen von Programmiersprachen. Die Schrift wird lediglich anders gerendert, der Basiscode bleibt weiterhin ASCII-kompatibel. Zusätzlich zu den Ligaturen verbessert die Schrift die Lesbarkeit auch dadurch, dass sie die Abstände zwischen Zeichen verringert und so Zusammengehörigkeit deutlicher macht, beispielsweise bei .. oder //.

firacode_all_ligatures

Fira Code erweitert Fira Mono um Ligaturen und verbessert die Abstände zwischen Zeichenkombinationen, um die Lesbarkeit zu verbessern (Quelle: https://github.com/tonsky/FiraCode/blob/master/showcases/all_ligatures.png)

Verschiedene Editoren unterstützen die Schriftart, darunter IntelliJ IDEA (2016.2+), Eclipse (bisher nur für Linux) oder Netbeans. Aber auch das Textverarbeitungsprogramm LibreOffice kann mit der Schriftart arbeiten. Die gängigen Browser kommen ebenfalls mit Darstellung der Schrift klar. Fira Code steht unter der SIL Open Font License 1.1 und kann damit frei verwendet werden. Alternativen für codeoptimierte Open-Source-Schriftart mit Ligaturen sind Monoid oder Iosevka.

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "Die richtige Schriftart sorgt für besser lesbaren Code"

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:
Manuel Mauky
Gast

Eine weitere Alternative ist Hasklig (https://github.com/i-tu/Hasklig). Die basiert auf „Source Code Pro“ von Adobe, fügt aber die angesprochenen Ligaturen fürs Coding hinzu.