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Schonungslos aufgedeckt: Entwickler sind Faulpelze!

Hartmut Schlosser
© shutterstock.com/B Studio

Es häufen sich Beiträge, die endlich schonungslos aufdecken, was alle intuitiv schon wissen: Entwickler – und so ist´s nun mal leider – sind im Grunde ihres Daseins faul!

Keine Künstler, keine Ingenieure, keine Software-Gärtner, nein, immer mehr verdichtet sich die Indizienlage, dass die treffendeste Bezeichnung für einen Entwickler der Faulpelz ist.

Strategische Faulheit

Wie wir darauf kommen? Beispielsweise übt sich Swizec Teller in seinem Blog „Programmers are f***ing lazy“ in Selbstreflexion und erkennt die Wahrheit in der unwiderlegbaren Argumentation:

Wann immer ein Programmierer zweimal hintereinander dieselbe Sache tun muss, überlegt er sich schon, wie er den Prozess automatisieren kann. Wann immer ein Entwickler zweimal über die selbe Codestelle stolpert, sucht er schon eine Bibliothek, die das ganze für ihn erledigt. Konklusion: Ein Entwickler versucht immer instinktiv, seiner eigenen Faulheit zu gehorchen und andere seine Arbeit erledigen zu lassen!

Don´t repeat yourself

Noch nicht überzeugt? Und was ist damit: Entwickler haben sogar das DRY-Prinzip (Don´t repeat yourself) erfunden, das besagt: Bevor du dich wiederholst, erfinde lieber eine Abstraktion, die du auch das nächste Mal einsetzen kannst. Ergebnis sind zwar meistens Kaskaden von Abstraktionen, in denen bald niemand mehr durchblickt außer der Faulpelz selbst, aber was soll´s – Hauptsache er hat selbst weniger Arbeit!

Programmers‘ lives are devoted to eliminating repetivity.

Repetition ist also der natürliche Feind eines jeden Entwicklers – ganz anders als in „normalen“ Berufen wie Bäcker, Taxifahrer oder Politiker, wo die Liebe zum Immer-das-Gleiche-Machen zum Wesenscharakter der Ausübenden gehören muss.

Bei Entwicklern ist dies eben die Faulheit, wobei sich Teller noch nicht ganz im Klaren darüber ist, ob es der faule Charakterzug ist, der einen zum Entwickler werden lässt, oder ob – anders herum – die zunehmende Sozialisation in den Entwicklerberuf hinein einen erst zum Faulpelz werden lässt.

Sind gute Programmierer faul?

Swizec Teller ist mit seiner Erkenntnis nicht alleine. „Why Good Programmers Are Lazy and Dumb“ erklärt auch Philipp Lenssen und meint: Entwickler sind faul, denn nur faule Leute schreiben Tools, die darauf ausgelegt sind, sie am Ende zu ersetzen!

Edgar Hassler zeigt in „The Lazy, Clever Programmer: A Compendium Of Code Reuse & Recycling„, dass die wahren Recycling-Weltmeister die Entwickler sind, die das Wiederverwenden sogar zur Wissenschaft erhoben haben.

As we write better, more reusable code, early on in this process we experience the satisfaction of leveraging our components to achieve results. So developers (those of us who aren’t terrible) get into this groove of reducing the size of the logical elements we write, reusing those elements, or recycling them through extension or currying.

Im Abschnitt „Recycling Aluminum, Plastic and Code“ wird dann klar, dass Code-Recycling dem Entwickler die sublimste Form der Befriedigung verleiht.

Innovation durch Faulheit

Ohne diese Faulheit, so schließt auch Swizec Teller seine Ausführungen ab, wäre gar die ganze Informationswissenschaft nicht entstanden. Denn Rechnen hätten die fleißigen Leute ja auch im Kopf können, oder? Nur wer faul ist, kommt auf die Idee, das Rechnen von einer Maschine erledigen zu lassen.

So wendet sich zum Schluss das Bild und das Gute an der Faulheit kommt zum Vorschein: Faulheit führt zu Innovationen – und, was noch viel wichtiger ist, zu einer Verkürzung der Arbeitszeit! Denn wer 13 Arbeitsstunden lang hart an einer Sache schuftet, hat höchstwahrscheinlich noch nicht den Grad der Faulheit erreicht, der ihn zur Erfindung einer Abkürzung bringt, die ihn die selbe Arbeit in der Hälfte der Zeit erledigen lässt!

Aufmacherbild: Boss see Employee fall asleep during working von Shutterstock / Urheberrecht: B Studio

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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