Schnüffelnde Drohnen, "langweiliger" Datenschutz, 1,1 Milliarden für das IoT [M2M Minutes]

Redaktion JAXenter
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„Snoopy“-Drohne kann Smartphones hacken – Kevin Ashton über schnöden Datenschutz und den Untergang von IoT-Zuspätkommern – Studie: 1,1 Milliarden US-Dollar wurden 2013 in IoT-Startups investiert – USB2Go und MicroView: aktuelle IoT-Projekte auf Kickstarter

Schnüffel-Drohne „Snoopy“ spürt Sicherheitslücken auf

Das Projekt „Snoopy“ wurde bereits 2012 vom Londoner IT-Sicherheitsunternehmen Sensepost ins Leben gerufen, der Sourcecode steht schon seit einiger Zeit auf GitHub zur Verfügung. Aktuell erfährt die Schnüffel-Drohne aber besonders viel Aufmerksamkeit – was auch mit Testflügen und ihrem Auftritt auf der Black Hat Asia zu tun hat. Dort demonstriert sie, dass nicht unbedingt alles Gute von oben kommt. Mithilfe des Snoopy-Frameworks sind Flugroboter angeblich in der Lage, aus luftiger Höhe Smartphones zu hacken. Die Drohne tarnt sich als Access Point eines Wi-Fi-Netzwerks, das auf dem Handy gespeichert ist, woraufhin sich das Smartphone bereitwillig mit der Drohne verbindet und gespeicherte Daten preisgibt – vorausgesetzt natürlich, der WLAN-Modus des Smartphones ist aktiviert. Bei Testflügen in London hat ein Quadrokopter angeblich Nutzernamen und Passwörter von Amazon-, PayPal- und Yahoo-Accounts ermittelt.

Der Black-Hat-Auftritt von Snoopy und die mediale Aufmerksamkeit sind zweischneidig: Einerseits schärfen sie natürlich das Bewusstsein für die Gefahren, die mit dem breiten Einsatz von Drohnen als Dienstleistern einhergehen. Andererseits schüren notorisch reißerische Headlines wie „This drone can steal what’s on your phone“ (CNN) oder „Attack of the Drones“ (Techtimes) die Angst der Bevölkerung vor dieser logistischen Innovation – und schütten Wasser auf die Mühlen von Technophoben und Bürokraten, die den fliegenden Helfern Einhalt gebieten wollen. 

Kevin Ashton: „Datenschutz ist langweilig“

Sie gehört zu den Geistern, die IoT-Visionäre wie Kevin Ashton riefen: die Frage nach Sicherheit in vernetzten eingebetteten Systemen. In einem aktuellen Interview mit M2M Telefonica stellt der Quer- und Vorausdenker Ashton, der als Schöpfer des Begriffs „Internet der Dinge“ gilt, eine streitbare These auf, die gewaltig gegen den Strich des Zeitgeistes bürstet. Und die geht so:

Privacy is really boring. Give people a choice. If you want the benefit, you have to capture the data. If you don’t want the benefit, that’s OK too. But you don’t get the benefit unless you capture the data. 

Spricht er damit nur aus, was ohnehin Realität ist – dass Erkenntnisse aus gesammelten Daten – Data Intelligence oder Data Science – essentiell sind für die Zukunft von IoT-Technologien? Oder verwechselt Ashton jene gewinnbringende Datenauswertung mit ungewollten Zugriffen durch Hacker und Regierungen? Soviel steht fest: Der RFID-Pionier versteht es zu provozieren. Etwa, wenn er am Ende des Interviews Apple, Microsoft, Dell Cisco, Facebook, die er alle in einem Atemzug nennt, ihr Ableben prophezeit. Google sei das einzige IT-Unternehmen, das seine Strategie rechtzeitig auf das Internet der Dinge ausgerichtet habe, meint Ashton. Allerdings weniger durch das Betriebssystem Android, dem er das wenig charmante Etikett „Handy-Standard“ verpasst, als durch seine Big-Data-Technologien. Für alle anderen Genannten seien Hopfen und Malz verloren. Bemerkenswert, dass Cisco in Ashtons Augen nicht weniger vom Untergang bedroht ist, investiert das Unternehmen doch massiv in das IoT. Der größte Forschungsbedarf besteht laut Ashton in den Bereichen Leerlaufverlust, maschinelles Lernen und Nutzerschnittstellen zu Big-Data-Technologien. 

1,1 Milliarden für das IoT

1,1 Milliarden US-Dollar wurden 2013 in IoT-Startups investiert. Das ergab eine kürzlich veröffentlichte Studie des New Yorker Forschungsinstituts CBInsights, laut der die Investitionen im vergangenen Jahr kontinuierlich zunahmen. Im Vergleich zum Vorjahr sind rund 11 Prozent mehr Gelder in diesen Industriezweig geflossen, allein ein Viertel davon an Firmen im Silicon Valley. In der Studie wurde eine breite Palette an Technologiezweigen von Quantified-Self- über Sensortechnologien im Gesundheitssektor und Energiemanagement bis hin zur Heimautomatisierung untersucht. 

IoT-Entwicklung auf dem Android-Smartphone

Wir bleiben beim Thema IoT-Förderung: USB2Go – So heißt eines von zwei Crowdfunding-Projekten, die wir in dieser Woche vorstellen. Es handelt sich hierbei um ein kleines USB-Entwickler-Board für Android, das Arduino-kompatibel ist, über USB 2.0 mit einem angeschlossenen Android-Smartphone kommuniziert und ein Open-Source-API mitbringt. Herzstück des Boards, das sich auch im Standalone-Modus verwenden lässt, ist ein STM32 ARM Cortex-M3, ein 32-bit-Flash Mikrocontrolller von ARM. Sobald man USB2Go an ein Smartphone anschließt, öffnet sich die zugehörige Applikation. Mit der neuen Entwicklungsumgebung Android Studio lassen sich kleine Anwendungen erstellen. Auch eine ansprechend designte grafische Entwicklungsumgebung, über die sich Anwendungen per Drag and Drop konfigurieren lassen, ist im Paket enthalten. So lassen sich Servomotoren, LEDs oder Temperatursensoren über die Smartphone-Oberfläche steuern.  

Sehen, was der Arduino denkt

Eine derzeit reichlich umjubelte Kickstarter-Kampagne ist die von MicroView, unserem zweiten Crowdfunding-Projekt der Woche. Zwanzig Tage kann man es noch unterstützen, es hat sein Finanzierungsziel allerdings jetzt schon um mehr als das Zehnfache überflügelt. MicroView ist ein auf Chip-Größe geschrumpftes Arduino-Shield, ausgestattet mit einem ebenso winzigen 64×48-OLED-Display. Dieses ist zwar minimalistisch, zeigt aber präzise die Prozesse an, die sich gerade im Hosentaschenrechner abspielen. Zu den MicroView-Projekten, die bisher erfolgreich implementiert wurden, zählt ein Mini-Oszilloskop, eine Auswahl an Spielen, eine Wetter- sowie eine E-Mail-Anzeige, ein Uhreninterface, der CPU-Status eines Raspberry Pi, ein Roboter-„Gehirn“ sowie Wearable-Anwendung. Bei einer Geldzusage von 45 US-Dollar erhält man bereits einen MicroView, für 55 Dollar gibt’s ein Starterkit, das neben dem MicroView auch den zugehörigen Programmer umfasst. Hinter dem Projekt steht das Startup Ammo Geek, dessen CEO den IoT-Baukasten „Ninja Blocks“ erfunden hat. 

 

 

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