W-JAX Countdown

Scala – schneller, kleiner, stabiler

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Dieses Jahr feiert Scala seinen zehnten Geburtstag. Seit ihrer Entstehung in Lausanne hat sich die Programmiersprache kontinuierlich weiterentwickelt und ist erwachsen geworden. Den Hype hat diese JVM-Sprache längst hinter sich gelassen. Daher wollen wir im Scala Day auf der W-JAX 2013 herausfinden, ob Scala das Zeug zum Mainstream hat und welche Projekte damit bereits umgesetzt wurden. Vorab sprachen wir mit dem Moderator des Tages, Heiko Seeberger.

JAXenter: Scala feiert bereits seinen 10. Geburtstag – wie bist du eigentlich zu Scala gekommen?

Heiko Seeberger: Na wie bin ich wohl zu Scala gekommen? Durch die JAX natürlich! Ich war 2008 nach vielen Jahren, in denen ich quasi ausschließlich Java gemacht habe, auf der Suche nach etwas Neuem. Martin Odersky gab auf der JAX – damals noch in Wiesbaden – einen tollen Vortrag über Scala. Danach war ich Feuer und Flamme und hatte großes Glück, dass ich Scala schon bald beruflich einsetzen konnte.

JAXenter: Damals war der Hype noch groß, diese Zeiten sind vorbei und man kann mittlerweile praxisnah über die Einsatzgebiete von Scala berichten. Das ist auch der Grund, dass wir auf der W-JAX einen Scala Day veranstalten. Kannst du ein bisschen was zur Ausrichtung des Tages erzählen?

Heiko Seeberger: Der Hype ist in der Tat vorbei, im aktuellen Technology Radar von ThoughtWorks befindet sich Scala nun in der höchsten Kategorie „Adopt“. Daher wird der Scala Day auch nicht mehr Scala-Syntax vorstellen, denn die ist entweder längst bekannt oder kann anderswo ganz einfach nachgeschaut werden. Vielmehr werden wir praxisrelevante Themen bringen, z.B. erläutern, welche Vorteile der Einsatz von Scala bringen kann oder Anwender von ihren Erfahrungen berichten lassen.

JAXenter: Ein wichtiges Stichwort ist sicherlich das Scala-Ökosystem, dass sich in den vergangenen Jahren immer genauer herauskristallisiert hat: Play Framework, Akka etc. Welche Vorteile bringt deiner Meinung nach so ein umfassender Stack und wo siehst du eventuell noch Nachholbedarf?

Heiko Seeberger: Interessanterweise bieten gerade die beiden Tools, die Du angesprochen hast, also das Play Framework und Akka, gleichwertige Java-Interfaces, sodass man sie auch ohne Scala verwenden kann. Ganz allgemein gilt, dass man Scala nicht als Java-Konkurrenz im Sinne von „entweder Du oder ich“ betrachten darf, denn Scala bietet volle Java-Kompatibilität. In typischen Kundenprojekten finden wir häufig ein Nebeneinander von bestehendem Java-Code und neuem Scala-Code. Das gilt auch für die Libraries: In Scala können wir existierende Java-Libraries einfach nutzen. Daher sehe ich hier keinen grundsätzlichen Nachholbedarf, denn schließlich ist das Java-Ökosystem riesig.

JAXenter: Für die Entwicklung von Scala 2.11 hat man sich auf die Fahnen geschrieben „schneller, kleiner stabiler“. Kannst du ein bisschen erläutern, was das bedeutet und wie der momentane Stand der Entwicklung ist?

Heiko Seeberger: Nachdem Scala 2.10 ein ziemlich umfangreiches Release mit einigen neuen Features war, ist es für 2.11 wichtig, die Segel zu raffen und hauptsächlich an den inneren Werten zu arbeiten. Mit „schneller“ ist der Scala-Compiler gemeint, der heute, da die IDEs sehr ordentlich funktionieren, der letzte verbliebene große Pain-Point ist. Typesafe arbeitet intensiv daran, sowohl den Compiler selbst schneller zu machen als auch das inkrementelle Kompilieren zu optimieren. Mit „kleiner“ ist vor allem gemeint, dass die Standard-Library aufgespalten wird, z.B. wird die XML-Library herausgelöst. Das verringert nicht nur die Größe der JAR-Datei, sondern macht es auch einfacher, alternative Implementierungen zu nutzen. Mit „stabiler“ sind vor allem solche Features gemeint, die als „experimentell“ neu eingeführt wurden, z.B. Reflection oder Macros. Momentan stehen wir mit Scala 2.11 kurz vor dem Milestone 5, das finale Release sollte in etwa einem halben Jahr folgen.

JAXenter: Vielen Dank für das Gespräch!

Heiko Seeberger

Heiko Seeberger ist als Director of Education für Typesafe tätig. Er ist Scala-Enthusiast, seit er 2008 diese wundervolle Sprache kennengelernt hat. Heiko hat mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Beratung und Software-Entwicklung auf der Java-Plattform, trägt aktiv zu Projekten aus der Scala-Community bei und gibt seine Expertise regelmäßig in Form von Artikeln und Vorträgen weiter. Er ist außerdem Autor des Scala-Buches „Durchstarten mit Scala“.

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