SAP zur Zahlung von 1,3 Milliarden an Oracle verurteilt

Hartmut Schlosser

Im Rechtsstreit zwischen SAP und Oracle wegen mutmaßlicher Copyright-Verletzungen wurde SAP zur Zahlung von 1,3 Milliarden US-Dollar verurteilt. Bereits im Jahr 2007 hatte Oracle den Walldorfer Enterprise-Software-Anbieter mit der Begründung verklagt, das 2005 von SAP übernommene Wartungsunternehmen TomorrowNow habe unrechtmäßig Daten von Oracle heruntergeladen. Die Software, die TomorrowNow 2005 betreute, war durch Oracles Übernahme von Siebel in Besitz von Oracle gelangt.

SAP hatte stets den Vorwurf der Industriespionage zurückgewiesen, aber eingeräumt, Daten von Oracle heruntergeladen zu haben. Nachdem Oracle sämtliche Software-Anbieter, die von TomorrowNow betreut wurden, aufgekauft hatte, schien SAP die Wartungsfirma zum Abwerben von Oracle-Kunden nutzen zu wollen.

Im August 2010 hatte SAP mitgeteilt, man werde die finanzielle Verantwortung für jedes Urteil gegen das mittlerweile geschlossene TomorrowNow übernehmen. Die Höhe von 1,3 Milliarden US-Dollar geht indes weit über die von SAP konzedierte Summe von 160 Millionen US-Dollar plus Anwaltskosten in Höhe von 120 Millionen US-Dollar hinaus.

Für den aktuellen Strafbetrag wurde der Wert der von TomorrowNow heruntergeladenen Software zugrunde gelegt, wobei das Gericht unter den von Oracle geforderten 1,7 Milliarden US-Dollar geblieben ist. Oracles Co-Präsident Safra Catz wird im Wall Street Journal mit den Worten zitiert, der Betrag sei „die höchste Summe, der jemals wegen Software-Piraterie verhängt wurde“.

SAP will sich im Nachgang alle weiteren Optionen offen halten und gegebenenfalls in Berufung gehen. In der offiziellen Pressemitteilung heißt es, dass der Prozess noch länger andauern werde, man aber auf eine schnelle Beilegung ohne jahrelanges Tauziehen hoffe.

We are, of course, disappointed by this verdict and will pursue all available options, including post-trial motions and appeal if necessary. This will unfortunately be a prolonged process and we continue to hope that the matter can be resolved appropriately without more years of litigation.

As stated in court, we regret the actions of TomorrowNow, we have accepted liability, and have been willing to fairly compensate Oracle.

Our focus now is looking forward, helping our customers be best-run businesses, and extending our legacy of industry leadership well into the future. We thank the jury for its diligent service through this lengthy trial and the Court for its supervision of this complex case.

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Hartmut Schlosser
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