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Digitale Transformation aus Deutschland

SAP TechEd 2015 – Innovate, don’t integrate

Sebastian Meyen

Cloud und IoT, der digitale Wandel, beschäftigt die Welt. Das es auch für SAP ein großes Thema ist, das aktiv vorangetrieben wird, zeigte das Unternehmen auf seiner Konferenz SAP TechED in Barcelona. Java Magazin Chefredakteur Sebastian Meyen war vor Ort und berichtet warum eine Strategie aus Alt und Neu für SAP sinnvoll ist.

Developer Heroes auf dem Weg zur TechEd

Den verschlungenen Weg über Rolltreppen und weite Flure über die Fira de Barcelona, das Messezentrum der Stadt, bis zur SAP TechEd 2015 säumen Aufsteller mit der Aufschrift „Developer Hero“. Die Helden – Entwickler aus dem SAP-Umfeld – sind dabei mit Namen, Foto und technischem Schwerpunkt abgebildet. Das sind keine Mitarbeiter von SAP, sondern Entwickler, die sich unter Verwendung von SAP-Technologien in User Groups oder Meetups für Wissens- und Erfahrungsaustausch engagieren.

Kein Zweifel, die SAP TechEd bemühte sich, einen glaubwürdigen Fokus auf die Entwickler zu legen. Das Motto der „Digitalen Transformation“, das wie an so vielen Orten zurzeit, auch in Barcelona im Mittelpunkt stand, wurde auf der Konferenz nicht „top down“ erzählt, sondern erfrischend authentisch an der technischen Basis vermittelt.

Alt und Neu zusammenbringen

Im Spannungsfeld zwischen klassischer ABAP-Technologie und modernen Ansätzen für Web, Mobile, Big Data oder das Internet of Things (IoT) konzentrierte sich Thomas Grassl vor allem auf Mobile Apps, SAP Hana und die User-Interface-Technologie UI5. Grassl ist Global Head of Developer Relations und koordiniert eine Truppe von zehn Fulltime-Evangelisten, die mit der Unterstützung vieler weiterer Akteure aus den SAP-Engineering-Teams damit beschäftigt sind, neue SAP-Technologien einem großen Publikum zu vermitteln.

Dabei zielt Grassl auf klassische ABAP-Entwickler, denen er Appetit machen möchte auf die frischen Technologie-Ansätze. Aber nicht nur die Stamm-Entwickler der SAP-Community wollen die Evangelisten erreichen, auch Entwickler aus allen möglichen Technologie-Bereichen außerhalb des SAP-Kosmos. Ihre Botschaft lautet dabei: Seht her, wir sind für die technologische Zukunft gerüstet und beschäftigen uns mit angesagten Themen.

Cloud-Plattform mit Open Source-Zutaten

Im Mittelpunkt steht die Cloud mit dem Namen SAP Hana Cloud Platform (HCP). Sie basiert auf SAPs In-Memory-Datenbanktechnologie Hana, bietet darüber hinaus aber technische Erweiterungen sowie ergänzende Business-Services. Durch die jüngst vollzogene Integration des Open-Source-Cloud-Frameworks CloudFoundry in die SAP-Plattform werden parallel zu den SAP-spezifischen Technologien auch gängige Programmiersprachen (Java, PHP, JavaScript, Ruby, etc.), Standards und Protokolle unterstützt.

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Durch die Integration des Open-Source-Cloud-Frameworks CloudFoundry unterstützt die SAP-Plattform parallel zu den SAP-spezifischen Technologien auch gängige Programmiersprachen, Standards und Protokolle.

Live-Coding Keynote mit Björn Goerke: SAP Hana in Aktion

Ihren Schwerpunkt setzt die Cloud derzeit auf SAP-Bestandskunden, die ihre Systeme um moderne Services erweitern oder mit modernen User Interfaces versehen wollen. Mithilfe verschiedener Tools lassen sich hier moderne Web-UIs, Mobile-Apps oder Internet-of-Things-Szenarien realisieren, ohne dabei die klassischen SAP-Systeme eines Unternehmens, die häufig erheblichen gesetzlichen Regulierungen unterliegen, zu beeinflussen.

Dies ist insbesondere wichtig, so Dirk Basenach (Leiter des Product Management der Hana Cloud Platform), da die Kernsysteme typischerweise nur selten Updates erhalten; Mobile-, IoT- oder Web-Szenarien lassen sich dagegen mit der Cloud-Technologie mit den in Innovationsprojekten üblichen schnellen Release-Zyklen realisieren. So präsentiert sich SAP mit einem Technologie-Baukasten, der Unternehmen eine unproblematische „Dual Mode IT“ (Robustheit, Compliance, Sicherheit auf der einen Seite, Innovation und Wagnis auf der anderen) möglich machen soll.

Schnelle Daten

Neben CloudFoundry ist das im September veröffentlichte Hana Vora einen wichtigen Baustein in SAPs Open Source Portfolio. Während die Hana-In-Memory-Datenbank auf hohe Geschwindigkeit ausgelegt ist, baut Vora eine Brücke in die Hadoop- und Spark-Welt. Hadoop bildet dabei die Plattform, auf der sich Massendaten effizient und kostengünstig persistieren lassen, während Apache Spark sich gerade für die schnelle Datenverarbeitung auf Basis von Hadoop im Markt etabliert.

Mit Vora verfügt SAP über eine In-Memory-Query-Engine für Spark, welche das Framework um  eigene interaktive Analyse-Funktionen erweitert. Die Idee dahinter: Geschwindigkeitsoptimierte In-Memory-basierte Abfragen für verteilte Hadoop-Datenfarmen bereitzustellen.

Den großen Ein- und Überblick vermittelte Björn Görke in seiner gut gemachten Keynote am zweiten Tag der Konferenz. Görke, Executive Vice President für Product & Innovation Technology, demonstrierte live und mit reichlich Code, wie in einem Science-Fiction-Szenario mit allerlei Hana-Mitteln auf eine Datenbasis in einem klassischen SAP-System zugegriffen werden kann. In etwa 60 Minuten vollzog er einen Parforce-Ritt durch die verschiedenen Technologien für User Interface, Mobil Apps (für iOS und Android), IoT, Data Analytics und Integration.

Der Digital Core

„Do we innovate or are we only busy integrating the systems of the past?“, fragte Görkes Kollege Steve Lucas einen Tag zuvor auf der Keynote-Bühne. Unternehmen benötigen einen „Digital Core“, wenn sie sich zukunftssicher aufstellen wollen, meinte Lucas, und sorgte dafür, dass die Eröffnung der Konferenz gleich reichlich Buzzword-Compliant ausfiel.

Da eine Tech-Konferenz, zumal die eines Herstllers, nicht die Aufgabe hat, die Vergangenheit oder die Gegenwart zu reflektieren, sondern vielmehr Aufbruchstimmung und Zukunfts-Optimismus verbreiten soll, machte SAP in Barcelona durchaus einen guten Job. Die Palette neuer Ansätze ist in der Tat beachtlich und der Wille, den Anwendern zu helfen, ein konsistentes IT-System im Spagat zwischen Kernsystemen und digitaler Innovation zu liefern, vorhanden.

Geschrieben von
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen ist Chefredakteur des Java Magazins sowie des Eclipse Magazins. Außerdem trägt er die Verantwortung für Programm und Konzept sämtlicher JAX-Konferenzen weltweit. Er begleitet so die Java-Community journalistisch schon fast seit ihren Anfängen. Bevor er zur Software & Support Media GmbH kam, studierte er Philosophie in Frankfurt.
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