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Übung allein macht nicht den Meister

Rockstar werden: Das macht richtig gute Entwickler aus!

Ann-Cathrin Klose

© Shutterstock.com / Zmiter

Laut HackerRank kommen die besten Programmierer der Welt aus China. So weit muss man aber gar nicht reisen, um richtig gute Kollegen zu finden. Überall gibt es sie: Die Rockstars, die aus der Masse hervorstechen. Wie richtet man die eigene Karriere als Entwickler von Anfang an auf eine Rockstar-Laufbahn aus?

Die besten Programmierer kommen aus China, dicht gefolgt von russischen Entwicklern. Das sagt zumindest eine Studie der Code-Challenge-Plattform HackerRank. Platz 3 der dortigen Rangliste belegt Polen, die Schweiz hat Platz vier errungen. Deutschland findet sich auf Platz 14 der besten Programmierer der (HackerRank-) Welt, für die USA reicht es nur zum 28. Rang. Auch in anderen Ranglisten finden sich China und Russland an der Spitze, wenn es um Programmierung als Wettkampf-Disziplin geht. Was macht sie aber so gut?

Denken die besten Programmierer mathematisch?

Besonders gut waren chinesische Programmierer auf HackerRank in der Lösung von mathematischen Problemen, bei Aufgaben aus dem Gebiet der funktionalen Programmierung und der Datenstrukturen. Shimi Zhang, ein aus China stammender HackerRank-Nutzer mit besonders hoher Wertung im Einzel-Ranking, wurde von dem Portal zu den Gründen dafür befragt. Er erklärte, dass Programmier-Challenges in China einen besonders hohen Stellenwert in der Ausbildung von Entwicklern und für den Status von Programmierern besitzen. Somit könnte es also am Wettkampf-Geist liegen, dass die Chinesen so gut abschneiden.

Außerdem zeigt eine Studie des Pew-Forschungszentrums aber, dass chinesische Schulen besonders viel Wert auf eine mathematische und naturwissenschaftliche Ausbildung legen, was das gute Abschneiden in der Kategorie der mathematischen Herausforderungen erklären kann. Wer seine mathematischen Denkfähigkeiten früh trainiert, ist natürlich besonders gut darin. Die USA finden sich im Gegensatz  zu China nur im Mittelfeld der Pew-Erhebung zum Bildungsstand von 15-jährigen Schülern und haben es in der HackerRank-Statistik in keiner der Challenge-Kategorien auf einen der ersten fünf Plätze geschafft.

Lesen Sie auch: Bist du ein guter Programmierer? – So bewerten Entwickler ihre eigenen Coding-Skills

Kreativität für die Rockstar-Karriere!

Bedeutet das nun, dass die Rockstars in der Programmierung über besonders gute mathematische Kenntnisse, eine herausragende Schulbildung verfügen müssen? Nein. Die Studie des Pew-Forschungszentrums zeigt auch, dass sich die mathematischen Fähigkeiten von russischen und US-amerikanischen Schülern nicht signifikant voneinander unterscheiden. Insofern kann der Unterschied im Rang auf HackerRank nicht alleine darauf zurückgeführt werden, immerhin hat Russland den zweiten Platz belegt. Und ganz davon abgesehen wird auf HackerRank ausschließlich die Fähigkeit zur Problemlösung abgebildet. Das alleine macht noch keinen Rockstar aus; erst Recht nicht, wenn es um die Lösung von Problemen aus selbst gewählten Kategorien im Alleingang geht.

Daraus kann also noch nicht abgeleitet werden, was einen Rockstar in der IT-Szene ausmacht. So muss ein Frontend-Developer wohl selten komplexe mathematische Probleme lösen, sodass diese Fähigkeit weniger ins Gewicht fällt. Eine gute naturwissenschaftliche Ausbildung kann zwar dabei helfen, die logische Denkfähigkeit zu schulen und somit bei vielen Problemen in der Entwicklung helfen; oft sind aber auch andere Skills gefragt. Kreativität ist zum Beispiel in jeder Disziplin notwendig, um Probleme richtig gut lösen zu können und keine Fähigkeit, die sich auf nur eine einzige Weise trainieren ließe. Vielmehr lässt sich das kreative Denken durch breit gefächerte Interessen schulen.

Viele Wege führen zum Ziel

Ob der Weg dahin nun in einem Studium oder einer Ausbildung besteht, ein Coding Bootcamp besucht wird oder man autodidaktisch vorgeht, ist auch eine Frage des persönlichen Geschmacks und nicht zwingend entscheidend für die spätere Karriere.  Nicht jeder Absolvent einer renommierten Universität wird gleich zum Rockstar, auch wenn ein solches Studium den Berufseinstieg häufig doch erleichtert. Auch andere Berufswege können zum Erfolg führen. Nicht jedem Arbeitgeber sind die klassischen Abschlüsse wichtig!

Bootcamps versprechen, Menschen ohne Vorkenntnisse in der Programmierung binnen drei Monaten fit für ihren ersten Job zu machen und setzen dabei nicht auf tiefer gehendes Wissen, sondern auf eine andere Fähigkeit, die wichtig für die Entwickler-Karriere ist. Das in so kurzer Zeit kein tieferes Verständnis für die mathematische Seite der Programmierung entsteht, versteht sich von selbst. Die Studie des Bootcamp-Bewertungsportals Course Report zeigt jedoch, dass die Erfolgsquote solcher Coding-Crashkurse in den USA gar nicht so schlecht ist. Nach Abschluss des Bootcamps arbeiteten 73 Prozent der befragten Teilnehmer in einem Vollzeit-Job als Entwickler. Die zentrale Fähigkeit, die den Absolventen zum Erfolg verhilft, ist, dass sie im Bootcamp lernen, sich neue Fähigkeiten schnell anzueignen. Das ist ein Talent, das die Absolventen von Bootcamps mit den Rockstars der Szene gemeinsam haben: Wer zur Elite gehören will, muss ständig am Ball bleiben und sich neues Wissen aneignen. Sonst wird man abgehängt!

Soft Skills als Karriere-Booster

Außerdem brauchen Rockstars gute Soft Skills. Nur, wer gut mit seinem Team kommunizieren kann, sein Wissen teilt und mit den Kollegen zusammenarbeitet, kann Teil der echten Elite werden. Rockstars können zwar irgendwann jedes Problem selbst lösen, geben damit aber nicht an – sie helfen den Kollegen dabei, Probleme zu lösen, ohne arrogant zu wirken; sie sind Vorbilder und können sich doch im Hintergrund halten. Diese Einstellung kann von Anfang an gepflegt werden: Wer frisch im Berufsleben ankommt und glaubt, bereits alles zu können, wird es nicht weit bringen. Eine bescheidene Einstellung hilft dabei, den richtigen Weg einzuschlagen, auch wenn man natürlich auf die eigenen Kenntnisse vertrauen darf.

Rockstars macht außerdem ihre Perspektive aus. Sie üben sich darin, auch die geschäftliche Seite des Projekts zu sehen. Anfänger können das trainieren, indem sie eigene Projekte aufziehen und selbst in die Welt hinaus schicken: Woher bekommt man User; wie lassen sich Lösungen in einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis umsetzen? Diese und weitere Fragen müssen beantwortet werden, wenn das eigene Projekt ein Erfolg werden soll.

Dieser holistische Blickwinkel auf das eigene Projekt kann dann gleich mit in den Berufsalltag genommen werden. Während der durchschnittliche Programmierer seine Aufgabe nach der Entwicklung und dem Testen des Codes als erledigt ansieht, verfolgen Rockstars den Code durch den gesamten Lebenszyklus der Anwendung hinweg. In der DevOps-Mentalität ist viel davon bereits enthalten; die klassische Silo-Perspektive von Entwicklung und Betrieb wird dabei aufgehoben. Wer aktiv Interesse an dieser Vorgehensweise zeigt, das Produkt wie ein eigenes Projekt betrachtet, sticht aus der Masse hervor.

Sichtbar werden: Eigene Talente ins richtige Licht rücken

Wer zu einem richtig guten Entwickler werden möchte, sollte sich außerdem fragen, wo seine Leidenschaften liegen. Niemand kann im Arbeitsalltag nur das tun, was er liebt; die Rockstars unter den Entwicklern brennen jedoch für ihr Fachgebiet. Eine frühe Spezialisierung kann also dabei helfen, schnell aus der Masse an Entwicklern herauszustechen und sich innerhalb des Teams unverzichtbar zu machen. Dabei kann man auf die Fähigkeiten setzen, die im aktuellen Job besonders wichtig sind. Oder man folgt der eigenen Leidenschaft, auch wenn sie für das gegenwärtige Projekt nur von untergeordneter Bedeutung ist und denkt darüber nach, wie man diese Spezialisierung besonders gewinnbringend einsetzen kann.

Das könnte natürlich mit einem Jobwechsel einhergehen. Um im Bewerbungsprozess positiv aufzufallen, können auch Anfänger bereits mit einer guten Portfolio-Seite zeigen, dass sie was drauf haben und sich somit von der Masse abheben. Außerdem lohnt es sich, auf gute Kontakte zu setzen, wenn man die Karriereleiter erklimmen möchte. Lokale Meet-Ups oder der Online-Austausch, das eigene Blog oder die nächste Tagung: Neue Kontakte zu Kollegen können an vielen Orten entstehen.

Die Mischung macht’s

Um zum Rockstar unter den Programmierern zu werden, braucht es also mehr als die mathematischen Fähigkeiten und das Wettkampf-Denken, das chinesischen Entwicklern zum Erfolg auf HackerRank verholfen hat. Vielmehr geht es darum, ein berufliches Profil auszubilden, das fachliche Fähigkeiten mit Soft Skills und den richtigen Kontakten verbindet. Den Grundstein dafür können bereits Berufseinsteiger legen und dann stetig darauf aufbauen, um irgendwann zu den großen Namen der Szene zu gehören.

Mehr zum Thema:

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Geschrieben von
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose hat allgemeine Sprachwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Bereits seit Februar 2015 arbeitete sie als redaktionelle Assistentin bei Software & Support Media und ist seit Oktober 2017 Redakteurin. Zuvor war sie als freie Autorin tätig, ihre ersten redaktionellen Erfahrungen hat sie bei einer Tageszeitung gesammelt.
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