RichFaces auf Sparflamme: Stabilität statt Innovation

Claudia Fröhling
©shutterstock.com/Gwoeii

Wer sich mit dem Erstellen maßgeschneideter JSF-Komponenten beschäftigt, dem ist RichFaces ein Begriff: die Open-Source-Bibliothek ist seit acht Jahren auf dem Markt und wird fast genauso lang schon von JBoss geführt. RichFaces ermöglicht unter anderem das Bauen von Ajax-Kontroll-Komponenten und bietet ein Component Development Kit für JSF-Komponenten. Doch die goldenen Zeiten von RichFaces scheinen vorüber – das bestätigt jetzt Project Lead Brian Leathem im Blog.

Keine Lösung für den Mobile-Trend

Der Trend zur Entwicklung mobiler Anwendungen ist es, der RichFaces vor die Existenzfrage stellt. Immer mehr Entwickler müssen mobile Webanwendungen bauen und das ist ein Use Case, für den das Server-side Rendering Modell von JSF nicht passt, so Leathem. Heutzutage sind Client-side JavaScript-Frameworks und HTML5-basierte Webanwendungen gefragt, und hier kann RichFaces nicht unterstützen.

RichFaces auf Sparflamme

Aus diesem Grund wird sich das Projekt jetzt Stabilität statt Innovation auf die Fahnen schreiben. Man wolle die JSF-Spezifikation mit RichFaces-Komponenten weiter begleiten und Kompatibilitäten mit neuen Browserversionen sicherstellen. Anwendungen, die auf RichFaces 4 basieren, werden auch weiterhin stabil laufen können.

Das bislang geplante fünfte Major Release wird es aber vorerst nicht geben. Stattdessen ist mit RichFaces 4.5 zu rechnen, diese Version soll sich vor allem auf Kompatibilität mit JSF 2.2 konzentrieren. Weitere Features sind zum Beispiel die im Google Summer of Code entstandenen Chart-Komponenten und eine aktualisierte Fileupload-Komponenten, die mit JSF 2.2 kompatibel ist.

Das bedeutet im Umkehrschluss dass einige Features, die für das Major Release gedacht waren, nicht kommen werden. Das betrifft unter anderem eine JSF-unabhängige Client-side Komponenten-Implementierung (RichWidgets), ein Bootstrap-Theme und Java Package Refactoring. Gerade RichWidgets scheint die Art von Innovation gewesen zu sein, die JBoss jetzt aufgegeben hat.

Sackgasse

Es steht außer Frage, dass diese neue Roadmap langfristig eine Sackgasse für das RichFaces-Projekt ist. Auf Twitter liest man bereits Empfehlungen, neue Projekte nicht mehr mit RichFaces zu beginnen – ganz ähnlich wie im Fall von Swing. Bestehende Projekte haben aber nichts zu befürchten.

Keine Zukunft für JSF?

Spätestens jetzt dürfte man wieder Unkenrufen vernehmen, die JSF das bevorstehende Aus voraussagen. Wir erinnern uns an März, als das ThoughtWorks Technology Radar das Web-Framework auf „hold“ gesetzt und damit eine hitzige Diskussion entfacht hatte. Unsere Kolumnisten Lars Röwekamp und Arne Limburg gaben damals ihre Einschätzung zur Praxistauglichkeit von JSF 2.0: JSF – Einer für alle, alle für einen.

Aufmacherbild: A U turn arrow traffic symbol imprint on a lonely asphalt road against a blue cloudy sky. von Shutterstock / Urheberrecht: Gwoeii

Geschrieben von
Claudia Fröhling
Claudia Fröhling
Claudia Fröhling hat in verschiedenen Redaktionen als TV- und Onlineredakteurin gearbeitet, bevor sie 2008 zur Software & Support Media GmbH kam und sich bis 2014 um alle Projekte des Verlages im Ressort Java kümmerte. Claudia hat einen Abschluss in Politikwissenschaften und Multimedia Producing. Ihr Google+ Profil findest du hier.
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