Ein Plädoyer für ein gefährdetes Satzzeichen

Rettet das Semikolon!

Michael Thomas

© Shutterstock.com/gradi1975

Als Separator zwischen Anweisungen hat das Semikolon in vielen neueren Programmiersprachen ausgedient. Ein Fehler, wie Dr. Benjamin Hummel (Gründer der CQSE GmbH und Berater im Bereich Softwarequalität) meint.

In älteren Programmiersprachen muss in der Regel jede Anweisung mit einem Semikolon abgeschlossen werden. Wie Hummel anmerkt, verzichten viele neuere Sprachen jedoch zugunsten von Zeilenumbrüchen auf den Strichpunkt und lassen ihn nur dann zum Zuge kommen, wenn mehrere Anweisungen in einer Zeile stehen – womit er im Grunde optional ist. Von der Warte der Codequalität aus betrachtet ist dies jedoch nicht als Fortschritt zu betrachten, so Hummel weiter.

Die Vorteile des Semikolons

Ein von Hummel besonders geschätzter Vorteil des Semikolons ist, dass man dem Compiler damit klipp und klar mitteilen kann, dass die Anweisung an dieser Stelle endet. Wenn der Compiler anderer „Ansicht“ ist, so kann er dies anzeigen und dem Nutzer die Möglichkeit geben, sich manuell um das Problem zu kümmern. Viele derartige Missverständnisse können Hummel zufolge nur durch Tests aufgedeckt werden – die sich seiner Meinung nach allerdings in erster Linie auf die Funktionalität und nicht auf Sprachkonstrukte konzentrieren sollten.

Des Weiteren, so Hummel, ist das Semikolon der Codequalität zuträglich, zeigt es doch klar und deutlich das Ende einer Anweisung und erhöht somit die Lesbarkeit des Code. Ohne Semikolon, so Hummel weiter, müssen stets die Trennungsregeln der einzelnen Sprachen mitbedacht werden, was seiner Ansicht nach vor allem bei einem häufigen Wechsel der verwendeten Sprachen ein unnötiger Unsicherheitsfaktor ist. Auch für einen robusten Parsers, der nicht gleich bei der ersten nicht-kompilierenden Codestelle stecken bleibt, sind Semikolons in seinen Worten ein wahrer Segen.

Das größte Problem bei optionalen Semikolons sieht Hummel in der daraus resultierenden Inkonsistenz des Codes: Gerade große Projekte tendieren dazu, einen möglichst konsistenten Programmierstil durchzusetzen, wozu beispielsweise Regeln bezüglich Formatierung, Benennung von Variablen und Funktionen etc. gehören. In diesem Zusammehang sind optionale Semikolons Hummel zufolge nur ein weiterer Faktor, der durch Regeln und/oder Tools kompensiert werden muss.

Eingedenk dieser Argumente fällt Hummels Fazit in Bezug auf Verwendung des Semikolons ziemlich eindeutig aus:

[…] seeing no drawbacks of inserting explicit statement separators, I strongly prefer languages to require the trusty old semicolon. But of course this is also a matter of personal taste […]

Aufmacherbild: semicolon von Shutterstock / Urheberrecht: gradi1975

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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„Wir hatten dieses riesen Problem in Produktion, weil jemand ein Semikolon nicht angegeben hat!“ – sagte niemand jemals.