Retrospektiven – wider die Macht der Verdrängung!

Rezept Nr. 4: Die Besatzung ins Boot holen

Wer nimmt an der Retrospektive teil? Zuerst einmal das eigentliche Team und sein Scrum Master. In diesem kleinen Kreis kann Manöverkritik ungeschminkt geübt werden. Der Product Owner ist ein weiterer möglicher Teilnehmer. Meiner Erfahrung nach sind sich Product Owner und Teams meistens einig, dass seine Anwesenheit nicht zwingend erforderlich ist. Das ist eine Ansicht, die ich bedingt teile. Zwar hilft es gerade am Anfang, wenn das Team „unter sich“ ist, jedoch sollte der Product Owner wenigstens dann an der Retrospektive teilnehmen, wenn sich Probleme in der Zusammenarbeit am Horizont abzeichnen. Wird gewartet, bis die Probleme sich schon verdichtet haben, ist wertvolle Zeit verloren. Den Product Owner in die Retrospektive einzuladen, kann Gräben überwinden helfen, in Einzelfällen aber auch welche vertiefen. In einem solchen Fall ist Fingerspitzengefühl und Moderationsgeschick des Scrum Masters gefragt, zu erspüren, was zum Beispiel das Team erst einmal etwas „unter sich“ ausmachen möchte. Weitere Personen wie Stakeholder, Vorgesetzte und Kunden können auf Einladung des Teams bzw. auf eigenen Wunsch hinzugezogen werden. Am besten man holt diese Beteiligten im Anschluss an die eigentliche teaminterne Retrospektive dazu. Dabei können Probleme in der gemeinsamen Zusammenarbeit angesprochen werden oder Verbesserungen erarbeitet. Wichtig ist dabei, dass alle Teilnehmenden die Zielsetzung und Grundregeln einer solchen Zusammenkunft verstanden haben und beherzigen.

Rezept Nr. 5: Gute Fragen stellen

Zwei typische Fragen für eine Retrospektive sind „Was war gut?“ und „Was können wir verbessern?“ Solch eine Formulierung legt den Grundstein für eine konstruktive Diskussion, weit weg von richtig-falsch-Denken. Aber auf Dauer schleicht sich ungesunde Routine ein, wenn die Fragen immer dieselben sind. Da hilft es sehr, wenn der Scrum Master ein erweitertes Repertoire an konkreten Fragen auf Lager hat oder Schwerpunkte setzt, zum Beispiel:

  • Was hindert uns daran, schneller zu werden?
  • Was sind unsere größten Risiken und Chancen?
  • Was sind zwei Dinge, die wir verändern oder verbessern möchten?
  • Was hat zu Bugs im letzten Sprint geführt? Und was können wir tun, um zukünftig weniger Bugs zu haben?

Eine Veränderung in der Fragestellung ist wieder, ähnlich wie der Wechsel des Raums, ein Perspektivenwechsel und hilft, den Geist der Retrospektive wach zu halten.

Kommentare
  1. Juliette Vandenberg2015-03-16 16:36:19

    Ich kann das folgende Buch zum Thema sehr empfehlen:
    http://retrospektiven-kurzundgut.de/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.