Rechnet sich der Einsatz von agilen Methoden?

Und die Moral von der Geschichte?

Die Anforderungen an die IT nehmen immer mehr zu. Marketing und Vertrieb treiben uns in immer kürzere Entwicklungszyklen. Immer häufiger hört man selbst von hartgesottenen Verfechtern schwergewichtiger Methoden, dass man in bestimmten Fällen auf agile Verfahren zurückgreift: Nämlich dann, wenn man nicht genug Zeit und Budget für die Anwendung der Methode hat. Der Business Case für Agilität lässt sich dabei anhand von vier Kernthesen aufzeigen:

  1. Schneller geschäftlicher Nutzen und Time to Market
  2. Weniger Fehl- und Blindleistungen
  3. Risikomanagement von komplexen Situationen
  4. Hohe und nachhaltige Qualität
Schneller geschäftlicher Nutzen und Time to Market

Agile Methoden arbeiten mit kurzen Iterationen und liefern in jeder Iteration ein lauffähiges Inkrement („Working software over comprehensive documentation“ [3]) aus. Die Iterationen dauern in der Regel zwei bis vier Wochen und beinhalten die geschäftlichen Funktionen mit der aktuell höchsten Priorität. Nach jeder Iteration kann der Funktionsumfang der nächsten Iteration neu festgelegt werden, d. h. es können Funktionen umpriorisiert oder auch völlig neue Funktionen hinzugefügt werden. Die Geschwindigkeit, mit der man heute am Markt agiert (Time to Market) kann entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg sein. Ein Produkt als erster auf den Markt zu bringen (First Mover) bedeutet in der Regel, dass man höhere Preise erzielen kann, da es wenige oder keine Konkurrenten gibt.

Abb. 1 : Treffen des „Window of Opportunity“ mit der minimalen vermarktbaren Funktionalität

Abbildung 1 zeigt, dass der iterative Ansatz von agilen Methoden es ermöglicht, schon früher mit einer minimal vermarktbaren Funktionalität zu starten, da prinzipiell jedes Inkrement lauffähig ist. Frau Schneider konnte beispielsweise schon nach sechs Monaten eine neue Vertriebssoftware ausliefern, obwohl der gesamte Funktionsumfang erst nach 18 Monaten fertiggestellt wurde. Entscheidend kann aber auch der Zeitpunkt der Markteinführung sein. Wenn Frau Schneider den neuen Kfz-Tarif nicht zum Oktober in das Vertriebssystem integriert hätte, wäre das Geschäft für ein Jahr ggf. stark eingeschränkt gewesen.

Ist die Konkurrenz besonders innovativ und bietet wie in unserer Geschichte den Kfz-Tarif mit Smart-Repair-Option ohne Selbstbehalt, ist es wichtig, schnell reagieren zu können und ggf. ein ähnliches Produkt anzubieten (Fast Follower). Als Second Mover hat man dann sogar die Chance, das Produkt der Konkurrenz zu übertreffen.

Agilität unterstützt schnelle Entwicklungszyklen und akzeptiert Veränderungen durch einen empirischen Entwicklungsprozess basierend auf iterativ entwickelten Inkrementen.

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