Im Gespräch mit Ralf Sternberg

RAP in Indigo: Die neue Auflage der Rich Ajax Platform

In diesem Teil unserer Indigo-Serie nehmen wir uns die Rich Ajax Platform, kurz RAP, vor. Welche Neuerungen hier auf User und Entwickler warten – und welche Kooperationen mit anderen Eclipse-Projekten wie Orion und e4 bestehen – verrät uns Co-Project-Lead Ralf Sternberg.

JAXenter: Der Eclipse Indigo Release Train ist wieder pünktlich Ende Juni eingelaufen. Was sind aus Ihrer Sicht die Highlights?

Ralf Sternberg: Als RAP-Entwickler freue ich mich besonders über die neuen Projekte in Indigo, von denen unsere Community direkt profitiert. An erster Stelle steht für mich der von Google eingebrachte WindowBuilder, ein ausgereifter und erweiterbarer UI Designer. Damit können endlich auch RAP-Oberflächen mit einem erstklassigen graphischen Tool erstellt werden. Die zweite herausragende Verbesserung für RAP-Entwickler ist der neue WAR-Export im Libra-Projekt. Damit lässt sich eine RAP-Anwendung mit wenigen Klicks als fertiges WAR-File exportieren. Außerdem freue ich mich über die weitergehende Vernetzung mit anderen Eclipse-Projekten. Zum Beispiel bringt das Applikationsframework Riena in Indigo volle RAP-Unterstützung mit. Diese Beispiele zeigen, wie durch das Zusammenspiel der einzelnen Eclipse-Projekte eine Funktionsvielfalt entsteht, die ein einzelnes Projekt nicht hervorbringen könnte.

JAXenter: Die Rich Ajax Platform ist mit der Version 1.4.0 vertreten. Welche Neuerungen wurden seit dem Helios-Release umgesetzt?

Ralf Sternberg: Ein lange erwartetes Feature sind Key-Bindings in RAP. Diese stehen nun sowohl für die Workbench als auch für reine SWT-Anwendungen bereit. Weit oben auf der Wunschliste der Entwickler stand auch eine FileUpload-Komponente, die komplett neu entwickelt wurde. Im RAP-Incubator gibt es bereits eine Implementierung des SWT FileDialogs, die den kompletten Upload-Prozess kapselt.

Ein neues Default-Theme und Erweiterungen im Theming wie Drop-Shadows, themebare Scrollbars und viele Detailverbesserungen bei einzelnen Widgets geben RAP-Anwendungen ein zeitgemäßes Aussehen. Die Erstellung eigener Widgets ist mit RAP 1.4 leichter geworden. Mit dem überarbeiteten Browser-Widget als Grundlage lassen sich die meisten Custom Widgets mit geringem Aufwand erstellen. Auch die Integration mit anderen JavaScript-Bibliotheken wie JQuery wurde erleichtert.

Auch unter der Oberfläche hat sich einiges getan. Der Client ist leichtgewichtiger und performanter geworden und läuft nun auch auf mobilen Browsern. Das Tree-Widget wurde komplett neu implementiert und unterstützt den vollen Funktionsumfang von SWT.
Die vollständige Liste der Neuerungen findet sich in unserem New & Noteworthy.

JAXenter: RCP-Applikationen in den Webbrowser zu bringen ist die Grundidee von RAP. Theoretisch könnte dies auch mit der Eclipse IDE selbst geschehen. Doch diese ursprünglich innerhalb des e4-Projektes diskutierte Idee scheint nun zugunsten des Orion-Projektes aufgegeben worden zu sein. Weshalb?

Ralf Sternberg: Ja, die Webfähigkeit von Eclipse war eines der initialen Themen von e4. Das Plattform-Team versuchte, sich diesem Ziel zunächst mit einer Browser-Edition des SWT anzunähern, was jedoch nicht zum Erfolg führte. Die Idee von Orion ist es nun, Kernkonzepte des Web 2.0 auf eine webbasierte IDE zu übertragen. Jede Source-Datei ist über eine URL erreichbar, verschiedene Dateien können in verschiedenen Browser-Tabs geöffnet werden. Es gibt nicht mehr die eine Applikation, sondern diese verteilt sich auf mehrere Seiten und kann leicht Verbindungen mit anderen Web-2.0-Diensten und sozialen Netzwerken eingehen. Gerade für die Open-Source-Entwicklung erscheint mir dieses Konzept sehr gut geeignet.

RAP verfolgt ganz andere Ziele als Orion. Das wird schon deutlich, wenn man die Oberflächen vergleicht. Bei Orion steht im Zentrum jeder Seite der Code-Editor. RAP hingegen ist auf Enterprise-Anwendungen ausgerichtet, deren Oberflächen in der Regel aus vielen unterschiedlichen Komponenten bestehen. Um den Zugriff auf komplexe Daten zu ermöglichen, wird ein Widget-Toolkit mit Datenbindung, Validierung, virtuellem Nachladen von Daten usw. benötigt. In diesem Bereich spielt RAP seine Stärken aus.

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