"Wir stehen alle auf seinen Schultern" – Zum Tod von C-Erfinder Dennis Ritchie

Hartmut Schlosser

Einer der Pioniere der Informationstechnologie ist verstorben: Dennis MacAlistair Ritchie, Erfinder der Programmiersprache C und Mitbegründer des UNIX-Betriebssystems, ist im Alter von 70 Jahren einem jahrelangen Leiden erlegen.

Sein Einfluss war enrom, schreibt Java-Gründer James Gosling in seinem Nachruf. Obwohl außerhalb der Technologie-Kreise kaum bekannt, seien Ritchies Einflüsse heute überall spürbar.

Dennis Ritchie bei der Verleihung der National Medal of Technology 1999 (Quelle)

Nach seinem Studium der Physik und Angewandten Mathematik an der renommierten Harvard Universität arbeitete Ritchie seit 1967 in dem Computer-Forschungszentrum des amerikanischen Telekommunikationskonzern Bell. Dort entwarf er zwischen 1969 und 1973 die Programmiersprache C und arbeitete zusammen mit Ken Thompson an einem Betriebssystem für den Mini-Computer DEC PDP-7. Im Rahmen dieser Arbeiten entstand die erste UNIX-Version im Jahre 1969. Die von 1972 bis 1974 in C geschriebene Neuimplementierung von UNIX wurde gemeinsam mit einem C-Compiler kostenfrei verteilt und gilt heute auch als ein Treiber der Open-Source-Bewegung bis hin zu UNIX-Derivaten wie GNU und Linux.

Ken Thompson (links) und Dennis Ritchie (rechts) (Quelle)

Mit großer Anteilnahme wurde die Meldung vom Ableben Ritchies von Zeitgenossen aufgenommen.

James Gosling schreibt, Ritchies Arbeiten seien der Ausgangspunkt einer ganzen Generation von Informatikern gewesen. Ohne Ritchie sei auch seine eigene Karriere undenkbar. UNIX und C bildeten bis heute die Basis für alles, was in der modernen IT-Landschaft anzutreffen sei: Ein Großteil des Internets läuft über UNIX-basierte Web Server; C ist noch immer die Sprache der meisten Browser und auch moderne Sprachen wie Java sind im Grunde Derivate von C.

My whole career has grown out of C and Unix. James Gosling

Es ist unmöglich, absolut unmöglich, die Verdienste Dennis Ritchies für die Informationstechnologie überzubewerten, sagt XML-Co-Autor Tim Bray. Was mit C und UNIX geschaffen wurde, habe grundlegende Standards etabliert, die heute zum Allgemeingut geworden seien, beispielsweise das Schreiben eines Betriebssystems in einer kompilierten, maschienenunabhängigen Programmiersprache. Auch das berühmte „Hello, world“-Beispiel zur Einführung einer neuen Programmiersprache soll auf Ritchie zurückgehen.

I’ve been living in a world he helped invent for over thirty years. Tim Bray

Nach dem großen Medien-Echo, das das Ableben von Steve Jobs verursacht hat, stellt Rob Pike, langjähriger Wegbegleiter und Freund Dennis Ritchies, heraus, dass ohne die Pionierarbeit Ritchies auch die Erfolge eines Steve Jobs undenkbar gewesen wären. Ritchies Arbeit habe eine ungleich größere Wirkung entfaltet, ohne dass die breite Öffentlichkeit davon Kenntnis genommen hätte.

It’s really hard to overstate how much of the modern information economy is built on the work Dennis did. Rob Pike

Am besten drückt es wohl Brian Kernighan aus, Ritchies Co-Autor des längst zum Klassiker avancierten Buches „The C Programming Language“ (1978):

Wir stehen alle auf Dennis Schultern. Brian Kernighan

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Hartmut Schlosser
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