"Swing hat das Potential für ein Comeback"

Claudia Fröhling

Griffon, UI-Design, Canoo RIA Suite, Swing und mehr – all diese Themen werden auf der JAX im Rich Applications Day behandelt werden. Wir sprachen vorab mit dem Moderator des Tages, Dierk König, über den Special Day, die Relevanz von Swing und welche Rolle Oracle’s JavaFX in Zulunft spielen könnte.

JAXenter: Dieses Jahr haben wir das „Internet“ aus Rich Applications gestrichen, denn der Tag, den du moderierst, wird eine ganz neue Ausrichtung haben. Kannst du uns kurz erzählen, was Thema dieses Special Days ist?

Dierk König: Der Name „Rich Applications Day“ soll hervorheben, dass wir uns prinzipiell um Anwendungen mit reichhaltiger Benutzeroberfläche kümmern. Die meisten Anwendungen haben heutzutage auch einen „remoting“-Anteil, aber der steht diesmal nicht im Vordergrund. Wir konzentrieren uns vielmehr darauf, mit welchen Überlegungen, Verfahren und Technologien man dem Benutzer eine Oberfläche
präsentieren kann, die ihm nicht nur gefällt sondern auch seine Arbeitsweise unterstützt.
Dazu gehört natürlich auch die Beobachtung, dass dieses Ziel bei vielen Applikationen nicht erreicht wird und woran das liegt.

JAXenter: Swing galt mal als die wichtigste Technologie für Java-Desktop-Anwendungen. Wie schätzt du die Relevanz von Swing heute ein?

Dierk König: Swing hat ein sehr ausgereiftes Programmiermodell, ein stabiles Widget Set und einen unschlagbaren Vorteil:
es ist überall verfügbar, wo eine Java Standard Edition installiert ist. Wer jemals mit Widget Sets wie tk, gtk, fox u.ä. gearbeitet hat, weiß das sehr zu schätzen. Ausserdem lässt sich Swing sehr gut um 2D, 3D, Animationen und alle anderen Arten von Grafik-Finessen ergänzen.
Dazu kommt die Fähigkeit, vorgefertigte Komponenten von Drittanbietern leicht integrieren zu können.

Swing hat leider ein angestaubtes Image. Das liegt aber nicht an der Technologie und ihren Fähigkeiten, sondern an der Vernachlässigung von Sun/Oracle in sowohl der Bereitstellung von Entwicklerkapazität also auch in der Vermarktung. Die Java-Kunden müssen es also mal wieder selbst in die Hand nehmen. Beim „Rich Applications Day“ werden wir das erleben können. Swing hat in meinen Augen das Potential für ein Comeback wie es letztes Jahr JavaEE 6 geschafft hat.

JAXenter: Aus dem JavaFX-Lager gibt es mittlerweile Neuigkeiten, ausgewählte Entwickler haben eine Early-Access-Version erhalten. Was wird die Zukunft deiner Meinung nach für JavaFX bringen?

Dierk König: Oracle geht mit JavaFX weg von der Strategie einer eigenen Sprache (JavaFX Script) und Entwicklungsumgebung hin zu einem Einsatz als Bibliothek und API. Dieses API lässt sich von jeder JVM-Sprache aus ansprechen. Man kann also zwischen purem Java, Groovy, JRuby, Scala, Clojure, u.s.w. wählen. Dadurch werden die Errungenschaften von JavaFX vielseitiger einsetzbar. Das macht Sinn.

Ich wünsche mir für die Zukunft eine Anwendungsentwicklung auf der soliden Basis von Swing mit den visuellen Bonbons von JavaFX, Struktur und Organisation mit Griffon und deklarativem binding zu Groovy Präsentationsmodellen. Wichtige Teile dieser Zukunft kann man beim Rich Applications Day erleben!

Dierk ist Fellow bei der Canoo Engineering AG in Basel. Er betreibt das Open-Source-Projekt Canoo WebTest und ist Committer in den Projekten Groovy, Grails und GPars. Er publiziert und spricht auf internationalen Konferenzen zu Themen moderner Softwareentwicklung. Er ist Autor des Buchs „Groovy in Action“. Twitter: @mittie.

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Claudia Fröhling
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