"OpenStack: Vergleichbar mit Apache oder Linux"

Claudia Fröhling

Gestern sorgte die Ankündigung der neuen Open-Source-Cloud-Initiative OpenStack für Aufsehen in der Java-Community. Vor allem anhand der Twitter-Aktivitäten konnte man erahnen, dass OpenStack auf großes Interesse stößt. Aus diesem Anlass sprachen wir mit Jim Curry, dem Leiter von OpenStack bei der Firma Rackspace.

JAXenter: OpenStack ist ein ganz neues Projekt. Können Sie unseren Lesern als erstes erklären, worum es bei OpenStack geht?

Jim Curry: OpenStack wurde ins Leben gerufen, um den Wunsch nach einer wirklichen Open-Source-Alternative in der Cloud-Infrastruktur zu adressieren – vergleichbar zum Beispiel mit Apache im Bereich Web Server oder Linux im Bereich Betriebssysteme. Wir wollen es jedem ermöglichen, überall und jederzeit eine Cloud aufzubauen, sei es in einem Unternehmen, bei einem Service-Provider oder integriert in andere kommerzielle Angebote wie bei Citrix, und wir wollen, dass diese Cloud skalierbar ist. OpenStack basiert auf dem Code der Rackspace Cloud-Plattform und Komponenten der NASA Nebula Cloud-Infrastruktur. Rackspace ist seit vier Jahren im Cloud-Geschäft und kümmert sich heute um tausende Kunden, während die Cloud der NASA zwei Jahre alt ist und die komplexen Bedürfnisse der wissenschaftlichen Community bedient. Zusätzlich haben sich bis heute über 25 Mitglieder für das Projekt verpflichtet, die mit ihren Entwicklern das Projekt vorantreiben können. Wir denken, dass dieser starke Community-Support OpenStack zu einem Standard machen könnte.

JAXenter: Welche Intention haben Sie beim Erstellen einer Open-Source-Cloud-Plattform verfolgt?

Curry: Das größte Hindernis für Unternehmen heute, eine Cloud einzusetzen, ist die Angst vor einer Sackgasse wegen fehlender Standard-Frameworks. Bevor es die Cloud gab, konnten Kunden Workloads, die auf Linux- oder Windows-Umgebungen liefen, leicht von ihren eigenen Datencentern an Hoster übergeben, von einem Hoster zum nächsten, oder zurück ins Unternehmen – mit minimalen Aufwand. Die Cloud heute ist aber komplett anders. Jede Cloud setzt unterschiedliche Technologien ein und verlangt große Ausgaben für den Umbau der Anwendungen, damit diese überhaupt passen. Unternehmen zögern deswegen vor dem Schritt in die Wolke, denn wenn sie einmal da sind, ist es schwierig, wieder zurückzukehren oder in eine andere Cloud weiterzuziehen, ohne viel Geld für das erneute Ändern ihrer Anwendungen auszugeben. Durch eine breite Annahme von OpenStack hoffen wir, den Kunden diese Angst nehmen zu können.

JAXenter: Ist Open-Sourcing heute der einzige Weg, um mit Firmen wie Amazon, Microsoft oder Google anzutreten?

Curry: Es wird immer viele Arten von erfolgreichen Clouds geben. Rackspace ist immer angetreten, guten Support für bodenständige Technologien zu liefern. Das gleiche haben wir in der Cloud vor. Als wir die Cloud vor vier Jahren ins Leben riefen, habe es keine Standard-Komponenten, die wir nutzen konnten, egal ob Open Source oder proprietär. Die Situation hat sich jetzt stark verändert. Mit einem Standard kann man sich besser auf die Wünsche der Kunden einstellen. So werden wir gegen den Rest antreten.

JAXenter: Rackspace stellt die Projektleiter, die die Community aus Contributors führen sollen. Wir wollen Sie den Community-Prozess managen?

Curry: Letztendlich haben wir nur Erfolg, wenn das Projekt gesund ist. Das verlangt von uns, um Mitglieder aktiv zu werben, nicht sie zu entmutigen. Contributors werden gecheckt und in den Source-Tree eingeführt, und zwar von Committern, die mit der Codebasis vertraut sind. Diese Entwickler kommen sowohl von Rackspace als auch aus anderen Firmen. Die Anforderung an einen Committer ist eigentlich nur Expertise und Mitwirkung.

JAXenter: Wie sieht die OpenStack-Roadmap für das kommende Jahr aus?

Curry: Die Roadmap steht noch nicht final fest. Wir haben letzte Woche erstmal die Community-Roadmap begonnen zu planen, als der erste Design-Summit stattfand. Bald gibt es Neuigkeiten zur Roadmap auf OpenStack.org.

Jim Curry ist Leiter der OpenStack-Inititative und verantwortlich für den Aufbau der Community und die Annahme der Plattform. Er ist außerdem Vice President of Corporate Development und verantwortlich für die Identifizierung und das Verfolgen von neuen Wachstumsmöglichkeiten für das Kerngeschäft von Rackspace sowie für neue Märkte, sei es durch Übernahmen, strategische Partnerschaften oder neue Investitionen weltweit.

Vor Rackspace arbeitete Jim in einer Managementposition bei Dell, wo er für die Übernahme-Aktivitäten der Firma verantwortlich war. Jim hat über 12 Jahre Erfahrung im Corporate und Business Development, unter anderem bei Goldman Sachs und SCF Partners.

Jim hat zwei Abschlüsse von der Univerity of Texas in Volkswirtschaft und Freie Künste sowie einen MBA der Harvard Business School.

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Claudia Fröhling
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