"Java ME wird noch lange Plattform der Wahl für Feature Phones sein" - JAXenter

"Java ME wird noch lange Plattform der Wahl für Feature Phones sein"

Claudia Fröhling

Eine Woche noch, dann endet der Frühbucherrabatt für die kommende W-JAX in München. Wer sich noch nicht angemeldet hat, sollte einen Blick auf das reichhaltigen Programm werfen – es lohnt sicht! So soll beispielsweise der Mobile Day einen Rundumblick zu mobilen Themen geben und Entwicklern helfen, ihr Wissen über die neuen mobilen Plattformen zu vertiefen. Wie sprachen mit dem Moderator des Tages, Kay Glahn, über Java ME, MIDP und seine Ansprüche an den Special Day.

JAXenter: Bei den Stichworten „Mobile“ und „W-JAX“ denkt man zwangsläufig als erstes an den Java-ME-Standard. Wie ist es deiner Meinung nach um die Zukunft von Java ME bestellt?

Kay Glahn: Java ME ermöglicht schon seit mehr als zehn Jahren das Herunterladen und Installieren von Apps, das erst durch das iPhone in Mode gekommen ist. Java ME hat eine installierte Basis von über 3 Milliarden Mobiltelefonen und erlaubt es somit Entwicklern, eine breite Masse von Endgeräten anzusprechen. Mit MIDP 3 und MSA 2 wäre Java ME nun endlich konkurrenzfähig. Aus politischen Gründen der im JCP beteiligten Firmen und wohl auch durch die schleppende Übernahme von Sun durch Oracle gingen sowohl die Entwicklung im JCP als auch die Implementierung sehr stockend voran. Ein positives Zeichen ist, dass Nokia nun seine Java ME Implementierung als Open Source mit in die Symbian Foundation eingebracht hat. Java ME wird noch lange Zeit die Plattform der Wahl für Low-End und Feature Phones sein. Ob Java ME allerdings mit Anwendungs-Plattformen auf High-End Smartphones wie iPhone, Android oder Windows Phone aufschließen kann ist fraglich, denn hier ist der Zug schon so gut wie abgefahren. Vieles hängt aber auch davon ab, welche Strategie Oracle in Zukunft bezüglich Java ME und mit dem JCP verfolgt.

JAXenter: MIDP 3.0 ist seit Dezember 2009 verfügbar, in Java ME aber bislang nicht implementiert. Kannst du uns kurz erklären, was MIDP genau ist und warum es in Java ME fehlt?

Kay Glahn: Das Mobile Information Device Profile, kurz MIDP, definiert ein Anwendungsmodell auf Basis von Java ME. Die Mobile Service Architecture oder MSA spezifiziert hingegen eine konsistente Gesamtplattform bestehend aus MIDP und zahlreichen zusätzlichen APIs. Hiermit wird das oft bemängelte Problem der Fragmentierung von Java ME erheblich reduziert. Es gibt zwar bereits Implementierungen von MIDP 3.0, wie beispielsweise von Aplix, die aber bisher noch in keinem kommerziell verfügbaren Endgerät vorhanden sind. Die meisten aktuellen Feature-Phones von den großen Herstellern wie Nokia, Sony Ericsson, Samsung oder LG werden mit MIDP 2 und MSA 1 ausgeliefert. MIDP 3 bietet Entwicklern wesentlich mehr Möglichkeiten als MIDP 2, indem es Funktionen, wie LIBlets, Concurrency und Inter-MIDlet-Kommunikation bereitstellt. In der letzten Zeit hat sich mit Android vor allem im High-End-Smartphone-Segment eine andere auf der Java-Sprache basierende Plattform als Konkurrenz zu Java ME positioniert, die allerdings eine etwas andere Klasse von Endgeräten adressiert.

JAXenter: Du selbst sprichst auf dem Mobile Day über das Geld verdienen im mobilen Markt. Gibt es für uns Normalos überhaupt noch Chancen, Apps gewinnbringend zu platzieren?

Kay Glahn: Ich denke, dass das durchaus möglich ist. Man sollte allerdings nicht erwarten, dass man mit jeder App, die man in einen der inzwischen zahlreichen Application Stores stellt, gleich zum Millionär wird. Viele Entwickler haben hier auch schon Enttäuschungen erlebt. Wichtig ist vor allem, dass man eine außergewöhnliche Idee hat, was heutzutage bei der Menge an Apps gar nicht mehr so einfach ist, und diese auch entsprechend gut umsetzt. Hat man diese Hürde genommen, dann sollte man durch geschickte Strategien versuchen, die App im Application Store auf einen guten Platz zu bekommen und dafür sorgen, dass sie auch gefunden wird. Da viele Apps inzwischen kostenlos angeboten werden, sollte man auch Freemium-Modelle in Betracht ziehen, bei denen man die App zunächst kostenlos anbietet und dann beispielweise durch eine Premium-Version, durch ein Abo-Model oder durch Werbung Einnahmen erzielt.

JAXenter: Wen willst du mit dem Mobile Day in erster Linie ansprechen?

Kay Glahn: Der Mobile Day soll in erster Linie erfahrene Entwickler ansprechen, die neu in der mobilen Welt sind oder ihr Wissen über neuen mobilen Plattformen vertiefen wollen. Auch Content-Anbieter und Entscheider können den Mobile Day nutzen, um sich einen Überblick über den aktuellen Stand der Technik zu verschaffen und zu erfahren, was technisch machbar ist und wie man als Unternehmen auf den Trend der mobilen Apps aufspringen kann.

Kay Glahn ist unabhängiger IT-Berater mit den Schwerpunkten mobile Applications und Services. Er berät internationale Kunden bei der Umsetzung von Projekten im Mobile-Bereich.

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Claudia Fröhling
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