"Die Zukunft Javas" – Neues von der JavaOne

Claudia Fröhling

Die mit Spannung erwartete Keynote von Thomas Kurian, oberster Java-Wächter bei Oracle, hat die Erwartungen der Java-Gemeinde nur teilweise erfüllt. Sie enthielt substanzielle Bekenntnisse zu zentralen Java-Projekten wie OpenJDK, Netbeans oder Glassfish, ließ aber die wirklich brisanten Fragen offen.

Wer sich indes an Pomp und Pathos vergangener JavaOne-Konferenzen erinnert, den mag die nüchterne Begrüßung des Java-Volks durch Oracle ein wenig verwundern. Gewiss, fulminante Musik, rasante Videos und eingeblendete Motivations-Slogans („9 Million Java Developers worldwide“, „Java is the No. 1 Programming Platform“, „3 Billion Java driven Mobilephones“, usw.) fehlten auch in diesem Jahr nicht, aber im Folgenden konzentrierte man sich sehr auf das Wesentliche.

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Java: OpenJDK lebt!

Klare Worte wählte Kurian zur Zukunft des OpenJDK: „Oracle bekennt sich weiterhin zum OpenJDK als die beste Open Source-Implementierung von Java und wir werden weiter daran arbeiten, es zu verbessern“ sagte er. Parallel werde es weiterhin, wie bisher, die kommerzielle Lizenz von Java geben.

Die nächste Version der Standard Edition (Java SE) werde, wie zuvor schon via Twitter und Blog von Mark Reinhold angekündigt, nach dem berühmten „Plan B“ released. Reinhold hatte vor einigen Wochen die Community gefragt, ob sie eine JDK 7 mit vollständigem geplanten Funktionsumfang lieber in zwei Jahren, oder aber ein reduziertes Release schon in einem Jahr wünsche. Das Feedback habe ein klares Votum für die Releases in kleinen Schritten, also das abgespeckte JDK 7 bereits im Sommer 2011, ergeben, berichtete Reinhold.

Oracle heizt ein vor der JavaOne-Eröffnung

So wird sich das für den nächsten Sommer erwartete JDK auf Dinge wie den Support dynamisch typisierter Sprachen (JSR-292) konzentrieren, während andere Features wie JigSaw und Lambda auf JDK 8, welches deutlich später erscheint, verschoben werden.

Wichtige Aufgaben bei Java sind:

  • Project Coin: Eine Sammlung kleinerer Verbesserungen der Java-Programmiersprache; genannt werden auf der Projektseite die folgenden Features: Strings in switch statements, automatic resource management, improved type inference for generic instance creation („diamond“), simplified varargs method invocation, better integral literals, and improved exception handling.
  • Project Lambda: Die Einführung von Closures in Java
  • Project Jigsaw: Die Modularisierung des JDK
  • Multicore
  • Multilanguage
Gute Nachrichten bei Glassfish und Netbeans

Auch die Zukunft des Glassfish-Server scheint geklärt: Oracle hat sich klarerweise für eine Koexistenz der beiden Produktlinien Weblogic und Glassfish entschieden. Das berichteten auch Teilnehmer des Glassfish Community Events im Vorfeld der Konferenz. Darüber hinaus blieben Kurians Angaben eher vage, was die Java Enterprise Edition betrifft. Er zitierte mehrere Schritte, die bereits 2009 oder bereits in diesem Jahr gemacht wurden, wie etwa EJB 3.1 oder das Web Profile.

Auffallend war, dass in den verschiedenen Präsentationen wahlweise Netbeans oder Eclipse zum Einsatz kamen, was als Bekenntnis zur weiteren Unterstützung beider Plattformen gewertet werden kann. Insbesondere bei den JavaFX-Demos konzentrieren sich seine technischen Sidekicks auf der Bühne auf Netbeans. Zwei weitere Releases seien noch in diesem Jahr geplant, betonte Kurian, um die Wichtigkeit von Netbeans für Oracle zu unterstreichen.

Thomas Kurian auf der JavaOne
JavaFX überzeugt erstmalig

Bei JavaFX hat sich Oracle zu einer radikalen Wendung entschlossen. Anstatt wie bisher Sun auf die Scriptsprache JavaFX Script für die Programmierung interaktiver und optisch ansprechender User Interfaces zu setzen, konzentrieren sich die JavaFX-Entwickler jetzt voll uns ganz auf Java. Klare Java APIs sollen zudem eine Programmierung durch alternative Sprachen wie Groovy, JRuby, Scala oder Jython kurzfristig möglich machen.

JavaFX Script wird ab sofort nicht mehr verwendet, man wolle aber dafür sorgen, dass existierende Scripte auch in JavaFX 2.0 unterstützt werden.

Für das Styling von JavaFX-Anwendungen sollen Designer künftig CSS verwenden können und dabei mit ihren gewohnten Entwicklungstools arbeiten. Damit will Oracle für einen optimalen Developer-Designer-Workflow sorgen. Das Fehlen ausgereifter Designwerkzeuge war bislang einer der Hauptkritikpunkte an JavaFX gewesen. Man arbeite außerdem daran, „weitgehend“ konform mit CSS3 zu gehen, hieß es in einer technischen Session im Vorfeld der Kurian-Keynote.

Bei der Hardwarebeschleunigung für komplexere JavaFX-Animationen entfernt man sich übrigens von einem alten Java-Grundsatz, keine Hardware-Funktionen an der VM vorbei zu verwenden und nähert sich den betriebssysttem-spezifischen Techniken, wie etwa OpenGL, an.

Der Strategiewechsel bringt allerdings einen erheblich gestreckten Zeitplan mit sich. Wieder einmal wurden auf einer JavaOne ambitionierte Pläne für die UI-Technologie präsentiert, deren Realisierung sich aber mindestens ein weiteres Jahr hinziehen wird. So ist mit der Finalversion nicht vor dem dritten Quartal 2011 zu rechnen, vorab gibt es einige Early Access- und Beta-Releases.

Java Mobile & Embedded

Unter dem Titel „Java ME.Next“ arbeitet Oracle derzeit an einer Neuerfindung der Micro Edition. Man wolle die Java ME grundlegend modernisieren und verweist zugleich auf die enorme Reichweite, die Java ME besitzt, allen Erfolgsmeldungen von Apple oder Android zum Trotz. Java sei auf 3 Milliarden Geräten weltweit anzutreffen und Oracle wolle diesen Nutzern weitere Innovation anbieten, sagte Kurian. Besonders die Verknüpfung von nativen Apps mit mobilen Web-Funktionalitäten genieße hohe Priorität. Genauere Angaben zu konkreten Schritten oder gar Terminen blieb er allerdings schuldig. Auch auf gezielte Nachfrage von JAXenter.de in der anschließenden Pressekonferenz gab Kurian keine weitere Auskunft.

Kein Kommentar zu JCP oder Android

Wo wir gerade beim Thema „Kein Kommentar“ sind: Wie erwartet gab es weder von Thomas Kurian in seiner Keynote noch von anderen Oracle-Offiziellen eine Aussage zu der laufenden Android-Klage. Ebenfalls wortkarg zeigte sich Kurian auch bei der Nachfrage zur Zukunft des JCP (Java Community Process).

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Schlussbemerkung

Die politisch heißen Eisen hat Kurian keinesfalls angepackt. Dies war auch nicht zu erwarten, dient doch eine Firmen-Konferenz dazu, Kunden, Partner, Entwickler bei positiver Stimmung zu halten. Da wäre eine kontroverse Diskussion mit 40.000 Menschen vor Ort ein PR-Gau, den die Oracle-Strategen gewiss beabsichten zu vermeiden. Zu Oracles Vorstellungen über die Zukunft des Java Community Process sowie der rechtlichen Schritte gegen Android war also nichts zu erfahren.

Was er über die verschiedenen Java-Technologien sagte, hatte Substanz und erschien glaubhaft. Es wurden konkrete Ankündigungen gemacht und auch Release-Termine genannt. Nur im Bereich Mobile beließ er es bei vagen Ankündigungen, was auf langwierige Verhandlungen mit den zahlreichen Mobile-Herstellern und Operatoren hindeutet, die noch nicht abgeschlossen sind.

Glaubwürdige Offenheit demonstrierte Oracle auch bei seinem Bekenntis zu den beiden Entwicklungsumgebungen Netbeans und Eclipse sowie bei seiner Sicht auf die Programmiersprachen Groovy, Scala usw. Sun hatte sich stets schwergetan, solche Sprachen, die nicht in den eigenen Labs entwickelt wurden, als vollwertige Mitglieder der Java-Plattform zu betrachten.

JavaFX, offizelles Dauerthema seit drei JavaOne-Konferenzen, konnte zum ersten Mal durch beeindruckende visuelle Demos sowie real verfügbare Tools und eine klare API überzeugen.

Selbstverständlich durfte auch bei so einer nüchternen Person wie Thomas Kurian, der übrigens durch brilliante technische Detailkenntnis glänzte, ein wenig Pathos nicht fehlen. Und so endete er seine JavaOne-Keynote mit den Worten „The Future of Java is not about one company. It’s about the developers.“ Hoffen wir, dass die Entwickler dann auch wirklich zu Wort kommen.

Geschrieben von
Claudia Fröhling
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