"360-Grad-Blick auf den Stand der agilen Entwicklung"

Claudia Fröhling

Dieses Jahr feiert das Agile Manifest sein zehntes Jubiläum. Wir widmen uns daher im kommenden Java Magazin der Thematik und gratulieren der agilen Bewegung zu den letzten 10 Jahren. Auch der Agile Day wird sich mit dem Manifest beschäftigen. Wir sprachen mit der Moderatorin des Tages, Jutta Eckstein, über das Manifest, neue Entwicklungen und die Ausrichtung des Tages.

JAXenter: Zur JAX feiert das Agile Manifest sein zehnjähriges Jubiläum. Das Java Magazin wird sich dem Thema auch widmen. Wie schätzt du die Evolution der agilen Softwareentwicklung der letzten 10 Jahre ein?

Jutta Eckstein: Agile Softwareentwicklung gilt heutzutage nicht mehr als exotisch und kann üblicherweise inzwischen auch benannt werden. Vor 10 Jahren wurde agile Entwicklung meist eher als Guerilla-Taktik verwandt, d.h. es wurde nicht öffentlich darüber gesprochen sondern die Entwickler machten einfach. Heute hat sich das fast schon gedreht, insofern, dass heutzutage der Wunsch nach mehr Agilität eher von „oben“ kommt und von daher auch offen darüber gesprochen werden kann.

JAXenter: Im Moment ist eine neue Entwicklung in aller Munde, sie nennt sich DevOps – kannst du den Lesern kurz schildern, worum es dabei geht?

Jutta Eckstein: DevOps ist eine natürliche Entwicklung, nämlich insofern, dass die Inbetriebnahme nicht mehr als Verhinderer von Agilität dastehen soll, sondern man auch hier vielmehr davon profitieren möchte. Weshalb dies zwingend notwendig ist, habe ich bereits 2004 angemahnt: „Die Abteilung, die dafür verantwortlich ist, ein System in Produktion zu bringen, hat manchmal Probleme mit den kurzen Entwicklungszyklen. Sie hat oft nicht die Technologie und Manpower, um alle notwendigen Schritte zu automatisieren, und es dauert somit immer etwas, bis ein System erst einmal manuell in die Produktion gebracht wird. Dadurch verzögert sich das Feedback vom Kunden.“ (Zitat aus Eckstein, Agile Softwareentwicklung im Großen, S. 158, dpunkt.Verlag 2004). DevOps beschäftigt sich nun genau mit dem Problem mehr Agilität in Betrieb und Produktion zu bringen.

JAXenter: Du moderierst auf der JAX den Agile Day mit acht spannenden Talks. Was können die Teilnehmer von diesem Tag erwarten?

Jutta Eckstein: Der Agile Day bietet dieses Jahr einen 360-Grad-Blick auf den aktuellen Stand der agilen Entwicklung. Hier ein Auszug aus dem diesjährigen Programm: So gibt es zum Beispiel Erfahrungsberichte von Outsourcing mit (oder trotz?) agiler Entwicklung und von der unternehmensweiten Einführung von Agilität eingebunden in die Personalentwicklung. Jens Coldewey beleuchtet wie langfristige Planung mit Agilität funktioniert – was meines Erachtens viel zu oft zugunsten von kurzen Sprintplanungen ignoriert wird. Und Roman Pichler erklärt wie die Herausforderungen der Product-Owner-Rolle gemeistert werden können. Das heisst, die Zuhörer erwartet ein spannendes Programm gemischt mit Rück- und Ausblicken im Bereich der agilen Entwicklung.

Jutta Eckstein (it-communication.com, je@it-communication.com), Partner von IT Communication, ist seit über zehn Jahren Beraterin und Trainerin im In- und Ausland. Weltweit verfügt sie über eine einzigartige Erfahrung bei der erfolgreichen Umsetzung agiler Prozesse in mittleren bis großen unternehmenskritischen Projekten, wovon auch ihr Buch „Agile Softwareentwicklung im Großen“ handelt. Sie ist Mitglied der Agile Alliance und im Programmkomitee verschiedener europäischer und amerikanischer Konferenzen zu den Themen agiles Vorgehen, OO und Patterns.

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Claudia Fröhling
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