Kolumne: Developer Café

Projektstarts mit Eclipse gehen schnell – mit dieser Lösung

Frederic Ebelshäuser, Sophie Hollmann

In einem spannenden Artikel erklärten Maximilian Kögel und Jonas Helming vor Kurzem, wie sie die Basis einer idealtypischen Eclipse-Distribution mit Hilfe des Oomph-Frameworks für Eclipse aufsetzen. Zum Auftakt der neuen Kolumne „Developer Café“ diskutieren wir die Frage, wie anschließend der Verteilungsprozess organisiert werden kann.

Fertige Eclipse-Setups im Team verteilen

Eclipse neu aufzusetzen, ist schon ein echter Zeitfresser – und sicherlich einer der top „Pain Points“ für viele Software-Entwickler, die mit Eclipse arbeiten. Das mühsam erstellte Setup dann einem Entwicklungsteam zur Verfügung zu stellen, bringt einen weiteren, langwierigen Prozess mit sich. Ansätze zur Standardisierung, wie zum Beispiel die bekannten Eclipse Packages, verhindern nicht, dass jeder einzelne Entwickler Plug-ins von Hand installieren und updaten oder die Entwicklungsumgebung über Preferences weiter konfigurieren muss.

Auch der Workspace kann sich als widerspenstig erweisen: Bevor es mit der eigentlichen Arbeit losgehen kann, wollen Projekte importiert, Source-Code ausgecheckt und Tasks aus Task-Repositories synchronisiert werden.

Dabei arbeiten Entwicklungs-Teams, ob nun in Entwicklungsabteilungen oder Open-Source-Projekten, häufig ohnehin mit einer gemeinsamen Basis-Installation von Eclipse mit bestimmten Konfigurationen. So ein Projekt-Setup einfach und vor allem zeitsparend an ein ganzes Team zu verteilen, kann schnell zu einer echten Herausforderung werden. ZIP-Files waren bisher oft die Lösung der Wahl, zuweilen kombiniert mit Wikis und Installations- und Konfigurationsanleitungen. Das Problem: Solche Lösungen veralten schnell, und sie ersparen längst nicht jede manuelle Anpassung.

Zudem müssen alle Mitglieder eines Teams den Prozess jedes Mal aufs Neue wiederholen, wenn es einmal eine Änderung am Projekt-Setup gibt – sei es durch ein neues Plug-in, veränderte Einstellungen oder auch durch ein neues Eclipse-Release.

Für eine einfache und schnelle Verteilung gibt es inzwischen eine Lösung, die Oomph um ein kostenfreies Tooling erweitert: Profiles for Eclipse.

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Abb. 1: Einfache und schnelle Verteilung von Eclipse-Setups in Form von Profilen.

Was versteckt sich hinter einem Profil?

Profiles analysiert vorhandene Eclipse-Installationen, um auf dieser Basis automatisch Profile zu erstellen – direkt aus einem laufenden Eclipse heraus. Technologisch setzt Profiles dabei auf Oomph auf. Wie Oomph eignet sich auch Profiles dazu, SDKs für einzelne Projekte zur Verfügung zu stellen, allerdings wurde der Prozess dazu noch weiter unterstützt.

Was genau aber ist ein „Profil“? Um genau zu sein, beinhaltet ein Profil Links zu den Update Sites installierter Plug-ins und einen eingerichteten Workspace mit allen wichtigen Team-Einstellungen: Projekt-Metadaten und Projekt-Preferences, Buildserver-Konfigurationen (Mylyn), Working Sets sowie Task- und Source-Code-Repositories (ebenfalls als Links). Source Code wird dabei selbstverständlich nicht weitergegeben. Benutzernamen und Passwörter werden in der Profil-Datei ebenfalls nicht gespeichert.

Profile bieten damit einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Lösungen zur Verteilung von Eclipse-Setups: Ein Profil verteilen Sie per Knopfdruck an Ihre Kollegen – oder auch gleich an die ganze Community. Das senkt nicht nur die Einstiegshürden für neue Entwickler im Team, sondern erleichtert zusätzlich auch Wartung und Pflege des Setups.

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Abb. 2: Ein Eclipse-Profil beinhaltet Links zu den Update Sites installierter Plug-ins und einen eingerichteten Workspace mit allen wichtigen Team-Einstellungen.

Ein Profil erstellen und verteilen – auf Knopfdruck

Um ein bestehendes Eclipse Setup zu teilen, müssen Sie einfach nur den Profiles Client in das entsprechende Eclipse installieren:

  1. Installieren Sie den „Yatta Launcher for Eclipse“ über den Eclipse Marketplace in Ihr laufendes Eclipse.
  2. Öffnen Sie in der Toolbar das Kontext-Menü des „Yatta Profiles Clients“ und wählen Sie den Kanal zum Teilen aus.

Das war’s schon! Ihr Profil wird in die Cloud hochgeladen und der Link zur Profilseite kann direkt per Email oder – für Open-Source Entwickler – über soziale Netzwerke wie Google+ oder Twitter geteilt werden. Das Installieren des geteilten Profils erfordert ebenfalls nur wenige Klicks. Um zu demonstrieren, wie einfach das ist, haben wir das EclipseSource-Oomph-Profil selbst installiert, hochgeladen und zum Download zur Verfügung gestellt: https://marketplace.yatta.de/profiles/CT1u

Zum Vergleich zitieren wir hier noch einmal die Schritte, die Sie durchführen müssen, wenn Sie das gleiche Profil über GitHub und den Oomph Installer beziehen möchten: https://jaxenter.de/eclipse-insights-ein-fertig-konfiguriertes-eclipse-27523

Updateketten – stets aktuell

Und Profiles kann noch einiges mehr: Ein Profil aktuell zu halten, ist genauso leicht wie das Teilen. Gibt es Neuerungen oder nehmen Sie lokal Anpassungen bei den Einstellungen vor, klicken Sie einfach „Publish Changes“ im Kontextmenü des Profiles Client. Wer ein Update pusht, informiert auch sofort alle Profilanwender (oder auch Follower), die das Update jederzeit applizieren können.

Wichtig dabei: Der Profiles Update-Mechanismus basiert auf Profilketten. Jedes Mal, wenn jemand Ihr Profil installiert, wird eine lokale Kopie erstellt, die Ihrem Originalprofil folgt. Der Profilanwender kann dadurch selbst Anpassungen vornehmen, die keinen Einfluss auf Ihr Originalprofil haben, gleichzeitig aber weiterhin Updates von Ihnen empfangen.

Teilt ein Profilanwender das Profil erneut, teilt er damit ein Kind Ihres Originalprofils. Installiert ein dritter Anwender dieses Kind-Profil, entsteht eine weitere Kopie und damit ein Enkel Ihres Originals. So lassen sich ganze Ketten von Profilen realisieren – gerade für die Anwendung im Enterprise-Umfeld eine unerlässliche Voraussetzung. Der Update-Mechanismus sorgt dafür, dass Aktualisierungen handhabbar bleiben, und reduziert somit den Aufwand für Wartung und Pflege.

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Abb. 3: Erstellen, Teilen, Downloaden und Updaten: Profile ersparen viele Arbeitsschritte

Give a little Oomph to your Profile

Mit Profiles erstellte Eclipse-Profile können zudem mit dem Oomph-Framework im Detail bearbeitet und ergänzt werden. Die Werkzeugunterstützung für den Import solcher Profile ist bereits in Arbeit.

Oomph ist ein Framework, mit dem man Profile von Hand erstellen kann. Verschiedene Tasks werden dazu manuell verschiedenen Scopes zugeordnet. Dabei lässt sich die Konfiguration in allen Details festlegen. Oomph erfordert echtes Expertenwissen über die Eclipse IDE, ist dafür aber ein äußerst mächtiges Werkzeug für die präzise Konfiguration der Entwicklungsumgebung. Gemeinsam mit Profiles ermöglicht Oomph Authoring, Provisioning und Distribution der Eclipse IDE in Unternehmen und Organisationen.

Was können Eclipse-Profile noch?

Profiles macht also Installation, Wartung und Pflege von Eclipse-Setups schneller und einfacher – und bringt auch noch einige andere praktische Features mit:

Der Launcher, eine leichtgewichtige Desktop App, verschafft Übersicht über die eigenen Eclipse Setups, egal ob lokal installiert oder online hinterlegt: Bereits installierte Eclipse-Setups nimmt der Launcher automatisch in die lokale Profil-Liste auf. Weitere Profile lassen sich jederzeit zusätzlich hinzufügen. Der Launcher bietet darüber hinaus die Möglichkeit, lokale Eclipse-Installationen zu deinstallieren. Sie können über den Launcher außerdem alle Profile von zentraler Stelle aus starten. Für einen besseren Überblick können Sie sinnvolle Namen und eine Beschreibung vergeben. Das hilft nicht nur im täglichen Umgang mit verschiedenen Eclipse-Installationen oder Workspaces, sondern reduziert auch die oft aufwändige Dokumentation auf ein Minimum.

Mit dem eHub stellt Profiles eine eigene Community bereit. Alle geteilten Profile werden auf den eHub hochgeladen. Zurzeit sind alle Profile öffentlich verfügbar, aber auch das private Teilen zwischen Usern wird gerade entwickelt; nur die UI fehlt noch. Der eHub dient darüber hinaus nicht nur der Verbreitung der eigenen Profile: Unter anderem wird sichtbar, welche Konfigurationen jenseits der bekannten Eclipse-Packages in der Eclipse-Community tatsächlich genutzt werden. Davon profitieren Eclipse Project Leads von Eclipse-Open-Source-Projekten und deren Committer sowie auch die Unternehmen hinter den Projekten. Sie können Entwicklung, Wartung und Pflege auf die meist verbreiteten Anwendungen ihrer Eclipse-Projekte ausrichten.

In Zukunft wird die Plattform zusätzlich Features für Feedback erhalten (zum Beispiel Kommentare zu den Profilen). Bereits jetzt lassen sich über rückläufige Popularität, also weniger Installationen und aktive User, einzelner Profile Rückschlüsse ziehen. Das Yatta Profiles Developer Team arbeitet zudem gerade an einer Open Data API für Profiles. Für die Anwender dürfte folgendes spannend sein: Eclipse wird besser – und das schnell(er)!

Profiles ist der erste professionelle und dazu kostenfreie Service, der auf Eclipse Oomph basiert. Installieren, Starten und Verwalten von Eclipse Setups wird mit Profiles deutlich einfacher.

Weitere Funktionen, insbesondere das private Sharing von Profilen zwischen Usern, befinden sich bereits in Arbeit. Das Hosting findet aber bereits jetzt ausschließlich auf deutschen Servern statt, um dem strengen deutschen Datenschutzrecht gerecht zu werden. Sobald die aktuellen Probleme (Stichwort: Safe Harbour) geklärt sind, kommt auch ein Hosting auf eclipse.org in Frage. In jedem Fall gilt: Die Community-Features des eHub werden weiter ausgebaut.

So kann man davon ausgehen, dass Profiles und Oomph gemeinsam schnell weitere Fortschritte machen und damit auch die Ergonomie und Usability von Eclipse positiv beeinflussen. Das Profiles Developer Team ist zudem offen für Anregungen aus der User-Community.

Wer Profiles ausprobiert, kann Wünsche und Feedback direkt an das Entwickler-Team bei Yatta richten. Das Team nimmt jede Rückmeldung ernst und verspricht, möglichst alles aufzunehmen und umzusetzen, was die Community braucht, um Eclipse auch in Zukunft erfolgreich und innovativ zu machen.
Geschrieben von
Frederic Ebelshäuser
Frederic Ebelshäuser
Frederic Ebelshäuser ist Projektleiter und Software-Engineer bei Yatta. Er entwickelte E-Commerce-Lösungen als Consultant in verschiedenen Bereichen. Heute kümmert sich Frederic als Projektleiter um Eclipse-Integrationen von Yatta, darunter auch die Entwicklung der Profiles for Eclipse. Außerdem engagiert er sich als Speaker mit Vorträgen in der Eclipse-Community. Frederic begeistert sich für kulturelle Erlebnisreisen und frühstückt am liebsten in Barcelona.
Sophie Hollmann
Sophie Hollmann
Sophie Hollmann ist Technische Redakteurin und bei Yatta mit der umfassenden Dokumentation von Yatta Profiles for Eclipse betraut. Die Spezialistin in Sachen strukturierter Text ist für die knackige Aufbereitung wichtiger Informationen zuständig. Die vielen verschiedenen Informationen und technischen Daten in ihrem Kopf hält sie in der Freizeit mit Cellospielen und Radtouren unter Kontrolle.
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