Programmiersprachen an US-Unis: Python vor Java

Hartmut Schlosser

Python hat Java als erste Programmiersprache in Einführungskursen an US-Universitäten abgelöst. Einer Umfrage der Association for Computing Machinery (ACM) zufolge steht in acht der Top 10 Elite-IT-Institute der USA Python im Kurrikulum an erster Stelle, um den Studenten das Programmieren zu vermitteln.

Einsteigersprachen an Unis

In der Studie wurden die angebotenen Kurse für Anfänger (CS0 und CS1) an 39 US-Lehranstalten untersucht. In 27 war Python vertreten, was 69% ausmacht und Untersuchungsleiter Philip Guo zu der Vermutung veranlasst, dass Python die populärste Programmiersprache für IT-Einführungskurse ist. Dicht dahinter folgt Java (22) deutlich vor MATLAB, C++, C, Scheme und Scratch.

Einsteigersprachen an US-IT-Instituten. Quelle: http://cacm.acm.org/blogs/blog-cacm/

Während Java die letzte Dekade über den Lehrbetrieb in den USA beherrschte, gesellt sich mit Python nun ein Vertreter der Skript-Sprachen dazu, in dem objektorientierte, aspektorientierte und funktionale Programmieraspekte unterstützt werden. Zu beobachten war laut Studie allerdings nicht ein reiner Wechsel von Java nach Python. Häufig sind hybride Ansätze anzutreffen, bei denen Python zur Einführung und Java in der nächsten Lehrphase vermittelt werden.

MATLAB ist die nächste Sprache im Ranking, die aber kaum auf eine Stufe mit Java oder Python gestellt werden kann, da sie vor allem Naturwissenschaftlern und Ingenieuren zur Einführung ins Programmieren dient.

Das früher auf Nr.1 liegende C++ war in den letzten Jahren weitgehend durch Java ersetzt worden, findet sich aber immer noch auf Platz 4 wieder. Auch der LISP-Dialekt Scheme hält sich in akademischen Kreisen. Scratch dürfte hierzulande indes den wenigsten bekannt sein: Eine visuelle, Block-basierte Sprache, die vor allem Kinder an das Programmieren heranführen soll.

Funktionale Sprachen?

Interessant ist die Studie deshalb, weil die erste Programmiersprache typischerweise die ist, zu der man eine emotionale Bindung aufbaut und die einen ein Leben lang begleitet. Wenn die Sozialisierung in den IT-Beruf zunehmend über Python verläuft, stehen wir bald einer Generation junger, dynamischer Python-affiner Programmierprofis gegenüber, die ihr Wissen in Unternehmen und in selbst-gegründete Start-up tragen werden.

Was auffällt, ist die Abwesenheit statisch-typisierter funktionaler Programmiersprachen wie Haskell and OCaml. Auch die populären Sprachen des Web: JavaScript, Ruby, PHP bleiben außen vor, genauso wie Sprachen für proprietäre Plattformen: Objective-C oder C#.

Zu vermuten ist, dass funktionale Programmierkonzepte wegen des gesteigerten Schwierigkeitsgrades erst später im Lehrplan vermittelt werden – Objektorientierung gilt vielen als zugänglicher. Den Web-Sprachen macht offenbar immer noch ihr schlechter Ruf zu schaffen, während die akademischen Werte der Offenheit und Anbieterneutralität eine Unterstützung proprietärer Plattformen verbietet.

Sprachenlandschaft an deutschen Unis

Die Unterschiede zu Deutschland bleiben natürlich zu berücksichtigen. Eine Umfrage der iX stellte 2010 fest, dass Java an 70% der deutschen Universitäten zur Einführung gelehrt wird – vor C++ (15%), C (3.5%), Haskell (2.5%) und Pascal (2.5%). Von Python war damals nicht die Rede, und zu anzunehmen ist, dass Python hierzulande auch heute noch eine untergeordnete Rolle spielt. In einem ersten Rundblick über die Lehrpläne deutscher IT-Fakultäten konnten wir jedenfalls keinen Run auf Python feststellen.

Wir fragen deshalb einmal Sie: Teilen Sie uns doch in unserem Quickvote mit, mit welcher Sprache Sie auf Ihrem Bildungsweg in die Programmierung eingeführt wurden:

Quickvote: Was war Ihre erste Programmiersprache an Berufsschule/FH/Uni?

Wir sind gespannt!

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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1 Kommentar auf "Programmiersprachen an US-Unis: Python vor Java"

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Knalli der Mittlere
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Als erstes würde ich Anfängern qBasic, VBA und VB.net lehren, dann C und C++ und optional Java dann auch mit Ausflügen zu Pascal sowie Lisp…
Wer richtig objektorientiert auch Basic und möglichst eine 2. Programiersprache wie C++ kann, der braucht praktisch kaum noch eine weitere, wenn man kein Berufs-Informatiker ist.
Warum zuerst Python und kein Brainfuck würde ich mal wissen ;)))
Ja ja die gute alte Schule leert Theorie, die man praktisch verwenden KANN ;))
Wenn mann eine praktische Ausbildung bräuchre, würde man bei VBA und vb.net aufhören ;)))