Programmieren Sie noch oder designen Sie schon?

Michael Thomas
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Sind Sie Hacker oder Designer? Diese Frage stellt der Programmierer und IT-Architekt Yegor Bugayenko in seinem Blog. Mit Hacker meint er dabei jedoch nicht jene bösen Buben, die in fremde Systeme eindringen, sondern eher die – im ursprünglicheren Wortsinn – Tüftler mit einer Hingabe zur Technik.

Hacker vs. Designer

Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist der Umstand, dass vor 20 Jahren derjenige der beste Programmierer war, der es zustande brachte, eine komplette Anwendung in eine gerade einmal 64 Kilobyte große .COM-Datei zu packen. Es herrschte die Hacker-Mentalität; die gesamte Branche war damals eine andere: Computer waren teuer, Programmierer billig.

Heute ist es genau umgekehrt: Sowohl Arbeitsspeicher als auch Festplatten waren in den vergangenen zwei Jahrzehnten einem dramatischen Preisverfall unterworfen. Die Gehälter von Programmierern sind hingegen teils drastisch gestiegen – Bugayenko nennt als Beispiel Senior-Entwickler, die statt damaligen 60.000 US-Dollar Jahresgehalt nun mit bis zu 200.000 US-Dollar rechnen können.

Die Hacker-Mentalität hat ausgedient; sie ist nicht mehr gefragt. Ihren Platz hat die Designer-Mentalität eingenommen: Die Lesbarkeit von Code ist heute wichtiger als seine Performance. Doch welche Unterschiede bestehen im Einzelnen zwischen den verschiedenen Programmierstilen?

Die Hacker-Mentalität

Ein Hacker hat Talent, ein Faible für Maschinen und Technik. Code zu schreiben macht ihm schlichtweg Spaß. Er betrachtet das Ergebnis seiner Arbeit als sein Eigentum. Ob Andere seinen Code verstehen und nachvollziehen können, spielt für ihn im Grunde keine Rolle. Weitere Merkmale eines Hackers sind Bugayenko zufolge unter anderem:

  • er nutzt alle Funktionen, die eine Programmiersprache bietet
  • er unterteilt andere Menschen in Hacker und Newbies
  • Regeln und Vorschriften langweilen und frustrieren ihn
  • er schreibt keine Unit-Tests
  • er hasst es, wenn andere seinen Code verändern
  • er konzentriert seine Anstrengungen in der Regel auf ein einziges Projekt

Die Designer-Mentalität

Im Gegensatz zum Hacker ist der Designer ein Teamplayer. Er unterwirft sich bereitwillig geschriebenen wie ungeschriebenen Regeln und Vorschriften. Wenn Andere seinen Code modifizieren oder verbessern, so macht ihm dies nichts aus. Zu den weiteren Merkmalen, die einen Designer ausmachen, gehören:

  • er neigt dazu, „traditionelle“ Programmiertechniken anzuwenden
  • er geht davon aus, dass alle anderen Newbies sind und schreibt seinen Code entsprechend
  • er verbringt einen großen Teil seiner Arbeitszeit mit Unit-Tests
  • er arbeitet gleichzeitig an mehreren Projekten

Was bringt die Zukunft?

Bugayenkos Schlussfolgerung aus diesen Überlegungen: Die Zeit der Hacker-Mentalität ist so gut wie vorbei. Wer ihr noch anhängt, sollte darüber nachdenken, sich umzuorientieren. Eingedenk des Preisverfalls von Hardware, beziehungsweise des absehbaren Wandels von traditioneller Hardware hin zu elastischen Computerplattformen mit praktisch unbegrenzter Rechenleistung und unbegrenztem Speicherplatz, wird Bugayenko zufolge die Optimierung von Code seine bisherige Relevanz verlieren. Fähige Software-Entwickler hingegen werden einen weiteren Bedeutungszuwachs – und damit nochmals steigende Gehälter – erleben.

Aufmacherbild: Side view of a young woman working on computer in dark office von Shutterstock / Urheberrecht: bikeriderlondon

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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