Neues vom Androiden-Planeten

Planet Android: Android Studio 3.1 und lauter Überaschungen

Marcel Richters
Planet Android

Google hat das Android Studio 3.1 veröffentlicht. Für ein .x-Update bringt die neue Version einiges mit. Aber das ist nicht die einzige eher ungewöhnliche Meldung, die es diese Woche aus der Welt des mobilen Betriebssystems zu verkünden gibt. Noch dieses Jahr dürfen wir ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten feiern.

Live aus dem neuen Studio

Fast ein halbes Jahr haben sich die Entwickler bei Google Zeit gelassen, jetzt ist es geschafft: Android Studio 3.1 ist da. Und das Release bringt einiges mit. Ganze elf Unterpunkte haben die aktuellen Release Notes. Von Coding und IDE bis zum Zugriff auf den Device Monitor über die Command Line ist einiges passiert. So ist D8 jetzt der Standard-DEX-Compiler. Dieser liefert laut Entwicklern nicht nur 10 bis 15% leichtgewichtigeren Code, er soll auch verbessertes Debugging und schnelleres Dexing bieten. Um den D8 zu aktivieren, muss die entsprechende Flag in gradle.properties gelöscht oder auf true gesetzt werden: android.enableD8=true

Die Unterstützung für C++ und Kotlin wurde ebenfalls überarbeitet. Insbesondere im Bereich C++ soll sich viel getan haben, wie die Entwickler verkünden. Neben der Nutzung des Profilers mit C++ sollen speziell größere Projekte von schnelleren Build-Zeiten und Syncs profitieren. Kotlin wird jetzt in der Version 1.2.30 unterstützt. Damit erweitert Google den Sprachschatz von Android noch ein Stück mehr, auch wenn der Hauptteil der Entwicklung nach wie vor in Java stattfindet.

Dem Emulator haben die Entwickler eigenen Angaben nach auf die Sprünge geholfen und für mehr Geschwindigkeit und Stabilität gesorgt. Dank QuickBoot sollen Sessions in nur sechs Sekunden geladen werden können. Wie schon mit der Beta angekündigt, enthält die neue Version der Entwicklerplattform auch diverse neue APIs, welche für Apps unter Android P notwendig sind. Darunter natürlich auch die Bildschirmaussparung, wie sie viele neue Smartphones ähnlich dem aktuellen iPhone haben werden.

Daneben gibt es noch einige Neuerungen beim User Interface und der Bedienung, welche die Nutzung erleichtern sollen. Die wohl wichtigste Veränderung hier ist, dass der Punkt Tools > Android vollständig entfernt wurde, die meisten Punkte finden sich jetzt direkt im Menüpunkt Tools.

Android Studio 3.1

Eines der UX-Updates: CPU-Profiler und Memory-Profiler bekommen eine Suchfunktion. Quelle: Google

Alles in allem soll das neue Android Studio helfen, schneller und effizienter schlankere Apps zu programmieren. Wer sich ausführlich über die Neuerungen informieren möchte, findet diese in den Release Notes. Übrigens: Für „Abenteuerlustige“ wurde jetzt schon Android Studio 3.2 Canary bekannt gegeben. Tweep!

Manche Hardware ist hart zu verstehen

Die MWC ist gerade erst vorbei, aber das Android-Hardware-Karussell dreht sich weiter. Huawei hat bei der MWC darauf verzichtet, das neue P20 vorzustellen. Man wollte es exklusiver und lud am 27.03. zu einem eigens organisierten Event nach Paris. Und dort bewahrheitete sich, was sich schon im Vorfeld abgezeichnet hat: Das P20 kommt mit drei Kameras. Und Notch. Bei beidem darf man sich fragen, ob es notwendig, geschweige denn eine Bereicherung ist, aber das wird vielleicht die Praxis in einigen Monaten zeigen.

Planet Android OnePlus 6

OnePlus 6 mit Notch – Immerhin etwas kleiner. Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen. Quelle: OnePlus


Dass Bildschirmkerben jetzt kein Bug mehr, sondern ein Feature sind, zeigt auch OnePlus mit dem Modell Nr. 6. Immerhin hat man sich dort mehr Gedanken um dessen Nutzen gemacht, sagt zumindest Carl Pei, einer der Unternehmensgründer. So sei es auch keine ästhetische Entscheidung die Kerbe einzubauen, sondern – wer hätt’s gedacht – diese biete mehr Platz für Bildschirminhalte. Weil den Bildschirm größer machen keine Alterna… ach, lassen wir das.

Android hinter Schloss und Riegel

Dass Android ein „offenes“ Betriebssystem ist, ist ja ohnehin eher graue Theorie. Android ist so offen, wie die Services von Google kostenlos sind. Irgendwie zahlt man ja doch dafür – zum Beispiel mit Daten – und irgendwie gibt es doch einen Weg, Android weiter zu schließen – zum Beispiel über den PlayStore. Damit nicht jeder Hersteller einfach so auf Googles Apps zugreifen und diese seinen Kunden ausliefern kann, müssen Geräte und das Custom-Android bei Google zertifiziert werden.

Die meisten Hersteller passen ihre Android-Version mit eigenen Apps und Einstellungen an, manchmal sind sogar nützliche Sachen dabei. Das Gegenteil ist Android One, welches ohne Anpassungen allein auf Google-Technologie setzt, aber auch auf der Hardware anderer Hersteller läuft. Bisher war es allerdings ohne größere Probleme möglich, Apps aus dem PlayStore auch auf Android-Versionen laufen zu lassen, die nicht von Google zertifiziert abgesegnet worden waren. Auf der einen Seite gibt es also ein schickes Update für das Android Studio, auf der anderen strengere Regeln für Modder.

Ob nun von harmlosen Bastlern entwickelt oder von Unternehmen, die sich nicht um Google scherten: Beides sind „unangepasste“ Forks von Android. Man denke an das Alibaba-OS. Um nicht zertifizierte Android-Versionen bestmöglich aus dem Ökosystem zu verbannen, bekommen diese seit neuestem keine Unterstützung mehr für Apps, die aus dem PlayStore geladen wurden. Sprich: Angepasstes Android = keine offiziellen PlayStore-Apps mehr. Zwar lassen sich noch eigene ROMs installieren, aber diese sind an die Android-ID gekoppelt und es können maximal 100 Geräte pro Google-Account registriert werden. Aber wenn sich Google mit der durchaus nicht kleinen Modder-Community anlegt, wer weiß schon, wo es diese als nächstes hintreibt? Vielleicht zum Librem 5?

Auferstanden aus Ruinen

Kennen Sie noch Borgward? Die Automarke mit der rot-weißen Raute wurde 1963 aufgelöst und 2015 als Marke dann wiederbelebt. Von chinesischen Investoren. Etwa genauso lange wie von Borgward haben die Meisten wohl auch von Palm nichts mehr gehört. Obwohl einer der Pioniere im Bereich Smartphones (die damals noch PDAs hießen), wurde die Marke 2010 von HP geschluckt und die Reste unverdaut 2011 ausgeschieden. Danach war Schluss.

Jetzt hat sich Li Dongsheng der Marke angenommen. Der ambitionierte Chinese hat bereits Blackberry und Alcatel zum Teil seines Konzerns TCL gemacht und verfolgt das Ziel, mit Giganten wie Sony aus Japan und Samsung aus Südkorea gleich zu ziehen. Dass Li kein Träumer ist, zeigt sich zum einen daran, dass mit der TV-Sparte bereits ein Teil des TCL-Konzerns in der Weltspitze angekommen ist, und zum anderen daran, dass webOS da bleibt, wo es hingehört: Auf dem digitalen Schutthaufen der Geschichte. Die neuen Palms sollen mit Android laufen und haben wahrscheinlich allein deswegen schon hervorragende Chancen, ganz vorne mitzumischen.

Geschrieben von
Marcel Richters
Marcel Richters
Marcel hat Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und danach als E-Commerce-Manager gearbeitet. Seit Februar 2018 unterstützt er das Team von JAXenter als Redakteur. Daneben arbeitet er als freier Journalist in der Mainmetropole.
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