Neues vom Androiden-Planeten

Planet Android: Sicherheitsrisiko Drammer, der König der Wearables und die Pixel-Geräte auf dem Prüfstand

Kypriani Sinaris
Planet Android

© Software & Support Media

Die Pixel-Smartphones – wer hat sie erfunden? Google. Wer hat sie designt? Goo … HTC! Diese Theorie stellt zumindest arstechnica auf. In diesem Planet-Android werfen wir außerdem einen Blick auf den Wearable-Markt. Denn hier hat sich ein wahrer Exot fast an die Spitze gekämpft. Außerdem: Die Sicherheitslücke Drammer.

Pixel-Geräte auf dem Prüfstand

In den letzten Planet-Android-Ausgaben waren sie immer wieder Thema: die neuen Pixel-Phones von Google. Daher habe ich Sie in der letzten Ausgabe gefragt, wie überzeugend Sie die neuen Geräte finden, mit folgendem Ergebnis:

Überzeugen Sie die neuen Pixel Smartphones von Google?

  • Die Geräte überzeugen mich, sind aber zu teuer. (56%, 36 Votes)
  • Die neuen Pixel sind weder interessanter noch uninteressanter als andere neue Geräte. (27%, 17 Votes)
  • Die neuen Pixel sind uninteressant und keine wirkliche Weiterentwicklung. (11%, 7 Votes)
  • Die neuen Pixel Smartphones überzeugen mich, das Verhältnis zwischen Preis und Leistung stimmt. (6%, 4 Votes)

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Unter den Teilnehmern ist es gerade der Preis, der für Unmut sorgt. Zwischen 759 € und 1009 € muss man für ein Pixel-Handy hinblättern. Diese Spanne basiert auf zwei Faktoren: Denn wählen kann man zwischen der Bildschirmdiagonale – 5 oder 5,5 Zoll – und der Speicherkapazität – 32 GB oder 128 GB. Der Startpreis von 759 € liegt dabei deutlich über dem der Nexus-Geräte, deren Produktion für die Pixel-Smartphones eingestellt wurde.

Für die Fertigung der Pixels hat Google HTC als Vertragspartner gewählt. Das Design, so wurde bisher immer betont, lag aber ganz in den Händen von Google. Nun berichtet arstechnica, dass der Zulieferer HTC eine größere Rolle eingenommen haben könnte. Folgend eine kurze Zusammenfassung:

Insgesamt soll die Entwicklung der Pixel gerade mal neun Monate in Anspruch genommen haben, heißt es auf arstechnica. Zuvor, also etwa Ende 2015, soll Google seine ursprünglichen Pläne für die Pixel-Geräte über den Haufen geworfen haben. Grund dafür soll ein Streit mit Huawei sein. Denn zunächst arbeitete Google für die Pixel mit dem chinesischen Unternehmen zusammen. Aber Huawei wollte sich für dieses Projekt nicht zum reinen Hardware-Lieferant degradieren lassen. Denn auf den Pixel-Geräten sollte nur das Google-Logo zu sehen sein und kein Huawei-Branding. Das Ende der Zusammenarbeit.

Daraufhin habe Google recht zügig zu HTC gewechselt. Für die Entwicklung des Pixel blieben dann nur noch wenige Monate. Und so vermutet arstechnica, dass in den Pixel-Geräten deutlich mehr HTC steckt, als das Branding auf der Rückseite vermuten lassen würde. Es soll sich dabei nämlich um ein zu dem Zeitpunkt schon bestehendes HTC-Projekt handeln, was sich Google aus Zeitmangel zu Eigen gemacht haben soll. Arstechnica dazu:

Most likely, the only reason this accelerated development was possible is because Google took an existing HTC project, the HTC Cerberus, and remodeled it into a Pixel phone. This explains why the inside and outside of the Pixel looks just like an HTC phone—it started out life that way.

Der Redakteur Ron Amadeo kommt zu einem eher nüchternen Fazit:

The Pixel phone hardware is great for something that was quickly developed, but the phones are rather bland and unambitious, and now we have an explanation for that. Rather than being „the best Google can do,“ the Pixel is likely „the best Google can do in a very limited amount of time.“ I think in a few years we’ll look back on the first Pixel phone as a transition device—a halfway point between „Nexus“ and „Pixel“ that wasn’t quite a full „Google“ phone.

Der Kollege von arstechnica fasst einige überzeugende Argumente zusammen. Auch der Sourcecode aus dem Kernel soll voller Hinweise auf eine große Beteiligung von HTC sein. So deutet unter anderem das Label „htc_cerberus“ auf ein schon vorher bestehendes HTC-Projekt hin.

Schlechte Nachrichten für Apple, willkommen Garmin!

Das Marktforschungsunternehmen IDC hat im Rahmen seiner Wearable-Quartalsübersicht die Umsätze der großen Anbieter wie Apple, Samsung und Co. unter die Lupe genommen. Demnach dominieren Apple, Garmin und Samsung den Wearable-Markt.

So kann sich Apple im dritten Quartal 2016 41,3 Prozent Marktanteile sichern, gefolgt von Garmin mit 20,5 Prozent und Samsung mit 14,4 Prozent. Moment mal, Garmin? Ein Blick in die letzte Spalte zeigt, dass Garmin im Jahresvergleich 324,2 Prozent zulegen konnte. Das schweizer Unternehmen konnte sich bisher eher im Bereich Straßennavigation einen Namen machen. Für den aktuellen Erfolg sollen Smartwatches des Unternehmens sorgen, die vor allem für den Gesundheits- bzw. Fitness-Bereich gedacht sind. Zurück zu Apple: Im Vergleich zum Vorjahr ist der Marktanteil von Apple deutlich geschrumpft. Nach Lenovo mit etwa -73 Prozent ist das Wachstum bei Apple im Vergleich zum Vorjahr mit -71.6 Prozent deutlich zurückgegangen. Trotzdem kann Apple Platz 1 verteidigen.

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Quelle: IDC

Neuere Android-Wear-Geräte lassen ja noch auf sich warten. Viele Anbieter werden erst 2017 neue Geräte auf den Markt bringen. Und auch die neue Generation der Apple Watch ist noch nicht bei den Kunden angekommen. Und so basieren die hier gezeigten Zahlen – logischerweise – auf älteren Modellen. Der Strategiewechsel bei Apple und auch das gute Abschneiden von Garmin zeigen, was hier als Erfolgsfaktor gelten kann: Spezialisierung. Die ersten Smartwatch-Generationen wollten alles sein: Fitness-Tracker, Kalender, Navi, Entertainment-Device. Auch wenn das erst mal für solide Umsatzzahlen gesorgt hat, so sehen viele Kunden nicht, warum Sie sich quasi ein zweites Smartphone fürs Handgelenk zulegen sollten, das zudem auch noch einen Minibildschirm hat. Und so konzentriert sich Apple mit der neuen Apple-Watch-Generation auf den Fitness-Bereich. Ob auch die Zukunft von Android-Wear-Geräten in diese Richtung gehen wird, erfahren wir wohl erst 2017.

Drammer gefährdet Android-Smartphones

Wem es gelingt, sich Root-Rechte über ein fremdes Gerät zu verschaffen, der kann ganz schön viel Schaden anrichten. Genau so weit können Hacker aber mithilfe der Sicherheitslücke Drammer kommen, die Forscher nun aufgedeckt habenDie Bezeichnung Drammer ist eine Kurzversion von Deterministic Rowhammer Attack. Ein Rowhammer ist ein Konstruktionsfehler bei Speicherbausteinen, durch den sich Bits im Arbeitsspeicher verändern lasen – und das ohne Schreibzugriff. Solche Bitflips macht sich Drammer zu Nutzen. Im Paper der Forscher heißt es dazu:

Not only does our attack show that practical, deterministic Rowhammer attacks are a real threat for billions of mobile users, but it is also the first effort to show that Rowhammer is even possible at all (and reliably exploitable) on any platform other than x86 and with a much more limited software feature set than existing solutions. Moreover, we demonstrated that several devices from different vendors are vulnerable to Rowhammer.

Die Forscher haben diese Gefahr schon im Juni dieses Jahres an Google gemeldet. Wann Nutzer ein Update erhalten, das zumindest die Gefahr eindämmen kann, liegt an den Hardwarepartnern des Unternehmens. Erfahrungsgemäß sind schnelle Updates hier aber nicht die Kernkompetenz.

Victor van der Veen, einer der Beteiligten Forscher, äußert gegenüber arstechnica:

Until recently, we never even thought about hardware bugs [and] software was never written to deal with them. Now, we are using them to break your phone or tablet in a fully reliable way and without relying on any software vulnerability or esoteric feature. And there is no quick software update to patch the problem and go back to business as usual.

Klingt nicht ganz zuversichtlich. Berichten zufolge soll an einer Langzeitlösung gearbeitet werden. Das folgende Video zeigt Drammer in Aktion:

Der Planet Android ist bunt, dreht sich schnell, entwickelt sich ständig weiter. Wir bleiben neugierig und beobachten ihn weiter – bis nächste Woche!

Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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