Neues vom Androiden-Planeten

Planet Android: Rise of the Notch und ein Ausblick auf Android P

Marcel Richters
Android

Android 9.0 rückt unaufhaltsam näher und wird einige Änderungen mit sich bringen. Diese Woche sind wir wieder auf den Androidenplaneten gereist und haben einen Blick darauf geworfen, welche Neuerungen uns erwarten und wie bald wir mit der ersten Preview für Android P rechnen können. Außerdem: Wie es Apple wieder zum Innovationsführer geschafft hat.

Android-APIs nur noch mit Brief und Siegel

Der Name von Android 9.0 steht zwar noch nicht fest, und auch das genaue Release-Datum für die Preview fehlt noch (siehe dazu unten mehr), aber so viel ist sicher: Google wird keine inoffiziellen APIs mehr zulassen. Während bisher nur empfohlen wurde, offizielle APIs zu nutzen, inoffizielle aber durchaus funktionierten, wird das in Zukunft nicht mehr möglich sein. Grund dafür ist, dass Änderungen in offiziellen APIs im Rahmen von Updates angekündigt werden. APIs, die nicht Teil des Android-SDK sind, könnten dagegen nach einem Update nicht mehr funktionieren.

Aber Google zeigt durchaus Verständnis, wenn es um die Nutzung von nicht-SDK-APIs geht. So sollen anfangs nur solche APIs geblockt werden, die kaum oder gar nicht genutzt werden. Für Fälle, in denen offizielle APIs eine vorhandene, aber technisch anspruchsvollere Lösung sind als inoffizielle, wird Google die Nutzung vorerst ermöglichen. Aber auch hier wird geblockt, wenn eine App auf das neuste API-Level geupdated wird. Dann heißt es: NoSuchFieldException oder NoSuchMethodException.

Für den Fall, dass es kein offizielles API gibt, hat Google mitgedacht. Mithilfe einer entsprechenden Plattform können APIs als vermisst gemeldet werden. Hoffentlich bleiben so nicht nur unerwartete App-Ausfälle aus, sondern werden auch die Anwendungen im Store verlässlicher.

Zum Knuddeln dieser Knubbel?

Dass Apple zu den Innovationstreibern der Technologiebranche gehörte, schien inzwischen auch schon wieder ein wenig her zu sein. Zunehmend pendelte sich die Marke mit dem Apfel im Mittelfeld ein, denken wir nur an den HomePod. Aber natürlich wäre Apple nicht Apple, wenn da nicht der Ehrgeiz wäre, auch weiterhin weltbewegende Neuerungen ins Feld zu führen. Und kein Zweifel, mit dem iPhone X ist der Konzern wieder ganz vorne mit dabei (wenn auch Andy Rubin mit dem Essential Phone PH-1 erfolglos aber schneller war).

Nur ein Wort: Notch. Ja, allein der Notch sollte die über 1000 Euro Einstiegspreis für Apples Spitzenmodell doch rechtfertigen, wenn es das proprietäre Betriebssystem und die Fantasiepreise für Zubehör schon nicht tun. Was der Notch ist? Dieser schwarze Balken im oberen Bildschirmrand, wo sich Lautsprecher, Mikrophon, mehrere Sensoren und noch einige andere Dinge verbergen. Was das Design angeht, lässt der schwarze Balken Steve Jobs wahrscheinlich in der feuchten Erde des Alta Mesa Memorial Park rotieren.

Und jetzt hat der Notch sogar seinen einzigen Sinn verloren: Alleinstellungsmerkmal für das iPhone X zu sein. Denn auch Android-Hersteller bieten jetzt den Notch an. Ob sich dieser bewährt oder nur von Apple-Jüngern gehypet wird, die in Wirklichkeit selber wissen, was für ein ästhetisches Verbrechen sie da in der Hand haben, wird sich zeigen.

Vom Roboter zur Maus

Eine andere Neuerung, die Android P mit sich bringen könnte, ist der Einsatz als Maus oder Tastatur. Die findigen Schnüffler bei XDA Developers haben herausgefunden, dass die schon 2016 eingeführte Funktion mit der neuen Android-Version im Rahmen zweier Beiträge aktiviert wurde. Die Nutzung als Bluetooth Human Interface Device (HID) ist dank neu hinzugefügtem Profil nicht nur möglich, sie wird auch mit entsprechenden APIs unterstütz.

Bisher war die Nutzung von Android-Geräten als Bluetooth-Maus oder -Tastatur nur mit Root-Apps möglich. Für WLAN waren entsprechende Funktionen bereits vorhanden. Mögliche Anwendungsgebiete sind beispielsweise die Nutzung des Handys zur Steuerung von Smart-TVs oder des Laptops, zum Beispiel für Präsentationen.

Tod den Käfern Bugs

Gleich drei wichtige Android-Projekte haben in den letzten Tagen Updates erhalten. Da es sich hauptsächlich um Bugfixes handelt, wollen wir hier nur kurz darauf hinweisen. Der Android Emulator hat eine Revision auf 27.1.12 bekommen, in der drei kleinere Bugfixes enthalten sind.

Android Studio 3.2 steht jetzt als Canary-Version 5 bereit. Die Nachricht ist so frisch, dass bei Redaktionsschluss für den Androidenplaneten noch nicht mehr an Informationen als ein kurzes Posting auf Reddit verfügbar war.

Daneben wurde Kotlin, inzwischen unter Android weit verbreitet, auf Version 1.2.30 angehoben. Neben einigen Bugfixes gab es laut Entwickler JetBrains Verbesserungen beim IntelliJ-Plug-in, dem Error-Reporting und kleinere Neuerungen. Im Detail sind diese im Blog von JetBrains zu finden.

Ich dachte, wir hätten (k)einen Termin!

Und da im Moment scheinbar keine Kolumne ohne einen gewissen Techleaker aus den USA auszukommen scheint:

Android P wird aller Voraussicht nach, genau wie schon Android O im letzten Jahr, Mitte März als Preview zur Verfügung stehen. Von da an können alle Neugierigen schon mal einen Blick auf Aussehen und Quellcode des mobilen Betriebssystems werfen. Welche Neuerungen es geben wird, abgesehen von blockierten inoffiziellen APIs und dem möglichen Einsatz des Smartphones als Bluetooth-Tastatur oder -Maus (siehe oben), muss noch offen bleiben. Aber nicht mehr all zu lange.

Der Planet Android ist bunt, dreht sich schnell, entwickelt sich ständig weiter. Wir bleiben neugierig und beobachten ihn weiter – bis bald!

Geschrieben von
Marcel Richters
Marcel Richters
Marcel hat Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und danach als E-Commerce-Manager gearbeitet. Seit Februar 2018 unterstützt er das Team von JAXenter als Redakteur. Daneben arbeitet er als freier Journalist in der Mainmetropole.
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